Date: Wed, 30 Mar 2011 08:49:40 +0200
From: A.K. <andrej@andrejkoymasky.com>
Subject: Liegt was vor mit Namen Schicksal 06/10 (German - historical - Adult youth)

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LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL...
von Andrej Koymasky © 2011
am 5 Juni 1994 geschrieben
Deutsche Ÿbersetzung: Mario Mosa & Bernd Schneider

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USUAL DISCLAIMER

"LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL..." is a gay story, with some parts
containing graphic scenes of sex between males. So, if in your land,
religion, family, opinion and so on this is not good for you, it will be
better not to read this story. But if you really want, or because YOU
don't care, or because you think you really want to read it, please be
my welcomed guest.

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BAND 6 - HE - BERATER


"Oh, schau mal hin!
Er hat einen neuen Faecher!"
sagt der Nachbar.


Mit Yukichi konnte ich keinen privaten Augenblick haben. Wir waren
gluecklich, wenn wir nur einige Worte fern von zudringlichen Ohren mit
einander tauschen konnten. Ich durfte ihn nur in der Schuluniform oder
seiner in der Sportgruppe sehen, von seinem Koerper waren mir daher nur
die Bewegungen, das Gesicht, die Haende bekannt. Und doch wusste ich,
dass Yukichi nunmehr mir gehoerte und ich ihm. Und ich war gluecklich.

Auch das zweite Jahr war zu Ende und Yukichi war unter den Allerbesten
der Schule. Natuerlich war ich stolz auf ihn. Auch in Mathematik, einem
Fach, das er nicht liebte, wie mir bekannt war, hatte er sehr gute Noten
bekommen. Und die Gesamtbeurteilung, die von allen Lehrern entschieden
wurde, schmeichelte.

Nach der zum Schuljahresende ueblichen Versammlung der Lehrer kam
Tachikawa zu mir und sagte mit leisem Ton: "Der Schueler Ida ist
wirklich schoen herangewachsen, nicht wahr?"

"Bitte? Ja, er ist ein guter Schueler".

"Und ist noch immer in seinen Deutsch-Lehrer verliebt!"

"Wie? Warum?" fragte ich, unsicher worauf seine Worte abzielten.

"Und ich glaube nicht, dass Herr Professor Fujita ihn aus seinem Herzen
hat tilgen koennen, oder irre ich mich?" fuhr er geheimnissvoll
laechelnd fort.

"Ich verstehe Sie nicht."

"Kommen sie schon ... vertrauen Sie mir denn nicht? Ich bin Ihr Freund,
aber bin auch ein feiner Beobachter. Ihr beide seid doch immer noch
ineinander verliebt, nicht wahr?"

"Zwischen mir und Ida gibt es nur das normale Verhaeltnis zwischen einem
Lehrer und seinem Schueler. wirklich. Andererseits, auch wenn wir
wollten, koennten wir gar nicht anders, das wissen Sie sehr gut. Er
schlaeft hier im Internat der Schule, und nicht einmal an seinem
woechentlichen freien Tag geht er nach Hause. Daher koennen wir uns auch
nicht ausserhalb des Unterrichts sehen", antwortete ich wachsam.

"Ja, sicher, das weiss ich. Und ich denke, es ist wirklich Schade, nicht
wahr? Fuer zwei Leute, die sich einander lieben, meine ich."

"Wie auch immer ... selbst wenn es so ist, wie Sie denken, koennten wir
nichts machen. Sie selbst haben mir gesagt, dass zwischen einem Schueler
und seinem Lehrer keinerlei ausserschulische Beziehung bestehen darf,
richtig?"

"Ja, sicher. Aber Sie werden nur noch ein Jahr sein Lehrer sein. Zwei
Jahre sind schon vergangen und das Meiste ist bereits geschafft. Ihr
beide seid aussergewoehnlich gewesen; ihr habt euch weiter geliebt, ohne
die Grenzen zu ueberschreiten. Also dachte ich daran, dass ..."

"Woran dachten Sie?" fragte ich neugierig, ohne die Tatsache der
gegenseitigen Gefuehle weiter zu verleugnen.

"Wie Sie wissen, bin ich im Aeltestenrat der Lehrer dieser Schule. Und
fuer das naechste Jahr bin ich beauftragt worden, zu entscheiden, welche
Kollegen als Berater der Schueler im ihrem letzten Jahr amtieren werden.
Wie Sie wissen, darf ein Schueler bitten, seinen Berater einmal in der
Woche unter vier Augen in einem kleinen Raum zu sprechen. Daher, wenn
Sie damit einverstanden sind, dachte ich daran, Ihnen die Schueler
Oshima, Nosaka, Yoshida und ... Ida selbstverstaendlich anzuvertrauen.
Denken Sie daran, diesen Vorschlag annehmen zu koennen?" fragte er mit
einem verschwšrerischen LŠcheln, aber ohne Hinterlist.

"Ich werde mein Bestes tun, um ein guter Berater fuer alle mir
anvertrauten Schueler zu sein", antwortete ich und versuchte, meine
Freude ueber diesen Vorschlag zu verbergen.

"Dessen bin ich mir sicher. Genauso wie ich davon fest ueberzeugt bin,
dass Sie sich nicht mit Ida zu einem kompromittierenden Verhalten
hinreissen lassen. Aber ich denke, es sei doch richtig, mindestens die
Moeglichkeit eines ruhigen Gespraechs miteinander zu haben. Sich
manchmal nur die Haende beim Gespraech zu halten, kann ein unbezahlbares
Vergnuegen sein, oder denke ich falsch?"

"Ich bedanke mich fuer das Vertrauen, das Sie mir erweisen,
HerrTachikawa."

"Sie sind noch jung, mein lieber Fujita. Sie sind doch erst
vierunddreissig, nicht wahr? Sie sind noch jung, aber Sie verdienen
meine hoechste Wertschaetzung und mein Vertrauen. Ich bin mir sicher,
dass Sie mich meine Entscheidung nie bereuen lassen werde."

"Auf keinen Fall. Ich bin Ihnen von ganzem Herzen dankbar, Herr
Professor Tachikawa."

"Nun, als Kollegen, und nicht nur auf der Schule, muss man sich immer
einander helfen, nicht wahr? Ich beneide Sie. Sie haben immer junge
Maenner vorgezogen, die in einem Alter sind, das Gymnasium beendet zu
haben. Daher wird der Junge nach der Schule das richtige Alter haben und
alles wird gut sein? Ich im Gegenteil bin dazu verurteilt, immer
Schuljungen in zu lieben ..."

"Und Ihr Kikujiro, so heisst er doch?"

"Nein, ich habe ihn bereits vor sechs Monaten verabschiedet. Er wurde
mir zu erwachsen, und auch in seinen Wuenschen ... Jetzt habe ich einen
heiteren Jungen kennengelernt, fast vierzehn Jahre alt. Er ist wirklich
eine Blume. Sie laecheln, was? Ja, ich weiss es, ich nenne sie alle so,
wenn ich mich verliebe. Ich werde Sie einmal einladen und ihn Ihnen
vorstellen. Er kommt von einer sehr guten Familie, wissen Sie? Er ist
der Enkel des neuen Erziehungsministers".

"Von Mori Arinori? Ist er etwa der Sohn von Ryoichi?"

"Kennen Sie die Familie? Ja, Aritada ist der Enkel von Mori. Er kommt
zum privaten Englischunterricht. Aber wieso kennen Sie sie?"

"Als ich studierte, war ich ihr Gast. Wir sind auch entfernte Verwandte.
Aber wie kam es dazu?".

"Ich und der Junge? Ich erzaehle es Ihnen. Sie koennen es sich nicht
vorstellen. Zuerst haben wir uns ineinander verliebt, dann hat er
beschlossen, er wolle Englisch lernen. Oder um es besser zu sagen, hat
er beschlossen, Englisch zu lernen, um mein Liebhaber zu werden. Wir
lernten uns an einem Tag kennen, als ich mit Kikujiro die bluehenden
Kirschbaeume hatte bewundern wollen. Nicht fern von dem Platz, wo wir
unsere Matte ausgebreitet hatten, war auch die Familie Mori. Mori
Arinori kenne ich fluechtig, daher sagte ich Kikujiro, er solle sich
anstaendig benehmen und mich nicht blamieren. Dann ging ich, die Familie
Mori zu begruessen und wieder zurueck zu Kikujiro. Waehrend ich die
Moris begruesste, sah ich den jungen Aritada und war von seiner
Schoenheit getroffen; es war Liebe auf den ersten Blick. Aber was tun,
fragte ich mich. Ich wuerde sicher keine Gelegenheit haben, ihm den Hof
zu machen. Nach einer Weile entfernte sich Kikujiro, um was zu trinken
zu kaufen. Ich war allein und wartete auf Kikujiro, als ich Aritada sich
mir naehern sah.

Der Junge begruesste mich und fragte: 'Wer ist der Junge, der mit Ihnen
ist? Er sieht sehr launisch aus und Sie zeigen viele Geduld mit ihm.'
'Er ist der Sohn eines Freundes von mir', antwortete ich, weil ich keine
bessere Antwort fand. 'Ach wirklich', sagte der Junge, dann fuegte er
hinzu: 'Ich habe Sie eine Weile beobachtet und er scheint mir ein Junge
niederen Standes zu sein, ungeachtet seines affektierten Benehmens.
Haette ich das Glueck, Ihr Freund zu sein, waere nicht so launisch. Ich
wuerde Sie respektieren, ich wuerde alles tun, um Ihnen wohlgefaellig zu
sein. Warum befreien Sie sich nicht von ihm und nehmen mich statt
seiner?' Ich sah ihn erstaunt an und fragte ihn: 'Was sagst du, Junge?'
'Ja', sagte er, 'ich habe in Ihren Augen gelesen, dass ich Ihnen
gefalle. Ich habe es wohl erkannt. Auch wenn ich noch jung bin, bin ich
doch schon in der Lage, diese Sache zu verstehen. Und Sie gefallen mir.
Denken Sie darueber nach, und wenn Sie sich von ihm befreit haben,
lassen Sie mich es wissen.' 'Ich koennte und ich werde es dich wissen
lassen, aber wie koennten wir uns irgendwo sehen?' fragte ich bereits
erobert von seiner Kuehnheit. 'Ich habe gehoert, Sie sind
Englischlehrer. Ich koennte ein ploetzliches Interesse an dieser Sprache
entdecken. Wenn Sie diesen Jungen entlassen, schicken Sie mir einen
Brief', sagte er mit seinem Laecheln voller Versprechungen und ging
leicht davon.

Ich war sowieso schon halb entschieden, den Schauspieler loszuwerden.
Und dieser Junge reizte mich furchtbar. An jenem Abend trennte ich mich
von Kikujiro und schrieb an Aritada, dass es mir ein Vergnuegen war, ihn
tags zuvor bei den bluehenden Kirschbaeumen kennengelernt zu haben. Und
ich fuegte ein Gedicht anbei:

Kirschblume, ich bewundere sie
und jede andere Blume
verschwindet fuer mich.

Bald wurde ich zu den Moris nach Hause geladen, die mich fragten, ob ich
bereit sei, Aritada Privatunterricht in der englischen Sprache zu
erteilen ...

Jetzt sind wir Liebhaber und, glauben Sie mir, keine Wahl ist je
gluecklicher gewesen. Er ist jung, wie ich es mag, und jeweils wenn wir
zusammen sind, oeffnet er mir die Pforten zum Paradies. Wissen Sie, dass
er seinen ersten Mann mit elf Jahren gehabt hat? Und dass er seine
Maenner immer selbst ausgewaehlt hat? Ist das nicht ungewoehnlich? Er
ist stark und entschieden wie ein Erwachsener, und doch in seiner
Intimitaet ist er so suess wie kostbarster Honig, liebesbereit und mild.
Er tut sein Moeglichstes, um mir Vergnuegen zu bereiten", beschloss
Tachikawa traeumend und mit sichtbarem Wohlgefuehl.

"Ich freue mich fuer Sie", sagte ich ihm ehrlich.

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Als Berater sollte ich den vier mir anvertrauten Schuelern eine Stunde
jeden Tag zur Verfuegung stellen, wobei sie ein Privatgespraech mit mir
erbitten durften. Ich wartete sehr ungeduldig darauf, den Besuch von
Yukichi zu bekommen. Er handelte vorsichtig, da er nicht sofort zu mir
kam, sondern erst am dritten Tag.

Als er das kleine Zimmer betrat, war sein Blick leuchtend wie ein
Fruehlingsmorgen: "Herr Professor Fujita, ich glaubte meinem Glueck
nicht, als ich am schwarzen Brett las, dass ausgerechnet Sie mein
Berater sein werden. Unter vielen Schuelern und vielen Lehrern, hat man
mich Ihnen bestimmt! Das Schicksal ist sehr gut zu uns ... Wir haben
eine ganze Stunde fuer uns - und nicht nur heute!"

Aus innerem Antrieb und ohne zu ueberlegen breitete ich meine Arme aus,
und er rannte zu mir. Zum ersten Mal konnte ich ihn an mich druecken.
Ich hielt ihn eng an mich gedrueckt, er drueckte sich fest an mich. Wir
waren gluecklich, tief bewegt, erschuettert. Unsere Koerper reagierten
auf jene suesse Umarmung, auf jene so begehrte und bis zu diesem Tage
unmoegliche Naehe.

Er bemerkte es und dann trennte er sich suess von mir und mit traurigem,
jedoch weisem Ausdruck sagte er zu mir: "Herr Professor, es ist besser,
dass wir am Tisch sitzen, bevor es mir zu schwierig wird, mein Begehren
zu beherrschen."

"Ja, Yukichi, das ist klug. Wir muessen unserem Versprechen treu
bleiben. Nur noch dieses eine Jahr muss vergehen."

"Aber ich kann ich Ihnen wenigstens sagen, wie sehr ich Sie liebe."

"Und ich dich, mein Yukichi. Wie geht es dir?"

"Gut mit Ihnen. Und wie geht es Ihnen?"

"Es kommt mir vor wie ein Traum, mit dir so sprechen zu koennen, ohne
befuerchten zu muessen, gehoert zu werden. Weisst du, dass ich an dich
Tag und Nacht denke?"

"Ich zaehle die Tage, die uns vom Jahresende trennen".

"Hast du schon beschlossen, was du nach der Oberschule machen wirst?"

"Ich moechte versuchen, mich an der neuen Tokio- Universitaet
einzuschreiben. Ich werde Deutsch studieren. Ich will Deutschlehrer
werden, wie Sie, wenn Sie damit einverstanden sind."

"Wollte Gott, dass du Universitaets-Professor werden koenntest, wie ich
es mir gewuenscht hatte!"

"Und da zu meinem Glueck an der Universitaet noch kein Wohnheim ist,
werde ich anderenorts wohnen. Wo … das werden Sie entscheiden."

"Nicht bei mir?"

"Wie gesagt: Wo ... entscheiden Sie", antwortete er mit warmen Laecheln.

Ich streckte eine Hand aus und drueckte die Seinige auf dem Tisch: "Und
schliesslich werden wir zusammen wohnen. Ich begehre dich sehr,
Yukichi."

"Ich bin Ihrige, Sie wissen es. Und Sie werden mich zu dem Ihren machen.
Ich habe schon andere Maenner vor Ihnen kennengelernt, aber keiner von
ihnen hat mich zu eigen gemacht. Sie werden der Erste sein - und der
Einzige".

"Hast du viele Maenner vorher gehabt?"

"Na ja, ich bin noch jung, aber doch mehr als einen."

"Warum hast du dich in mich verliebt?"

"Vielleicht war es unser Schicksal, glauben Sie nicht auch? Vielleicht
waren wir in einem vorherigen Leben miteinander verheiratet, wer weiss
es? Oder jedenfalls Liebhaber. Sobald ich Sie auf der Einweihungsfeier
sah, verstand ich, dass ich nur Ihnen gehoeren koennte, ich musste der
Ihrige werden. Ich habe es keinen einzigen Augenblick bezweifelt."

"Weisst du, dass mich deine Liebe zum allergluecklichsten Mann der Welt
gemacht hat? Weisst du, dass ich niemanden je so intensiv geliebt habe?
Dass ich schon immer auf dich gewartet haben, bevor ich ueberhaupt von
deinem tatsaechlichen Dasein wusste", sagte ich ihm und erzaehlte ihm
von dem Portait, das ich Jahre zuvor gemalt hatte.

Er hoerte mich an und nickte, froh aber nicht erstaunt, als ob ich ihm
die selbstverstaendlichste Geschichte erzaehlen wuerde.

Die Stunde verging auch viel zu rasch, aber sie war wunderschoen. Wir
hatten noch nie so lange Zeit nur fuer uns beide gehabt. Ich war meinem
Kollegen Tachikawa tief dankbar.

Yukichi kam wieder und wir verbrachten weitere Stunden zusammen. Da er
fuer seine Besuche bei mir andere Lehrer immer um Erlaubnis bitten
musste, vereinbarten wir, dass er jeweils einen anderen Lehrer bitten
solle. Um nicht zu sehr aufzufallen, sollte er hauptsaechlich Herrn
Tachikawa fragen. Weil auch die anderen Schueler zu mir kamen,
verabredete ich auch mit ihnen jeweils eine bestimmte Zeit fuer die
naechste Woche, damit nicht nur Yukichi so oft zu mir kaeme.

Immer wenn wir allein waren, wuchs unser Begehren, aber beide waren wir
fest entschlossen, die von uns bestimmt Grenze nicht zu ueberschreiten.
Wir sprachen von uns, von unserer Liebe, auch von unserer Begehren,
machten Plaene fuer unsere Zukunft.

Alles schien zum Besten, aber im September ereignete sich ein kleines
Unheil.

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Ich hatte einen neuen Herrenanzug gekauft und mein treuer Naosuke, der
doch immer so aufmerksam war, vergass, die Uhr von der alten Weste zur
neuen umzusetzen. Ich bemerkte es nicht sofort. Jenen Morgen ging ich
daher zur Schule ohne meine Taschenuhr. Ich bemerkte es erst, als es
Zeit war, das Klassenzimmer zu betreten und wie gewohnt, suchte ich nach
der Uhr in der Westentasche. Und die erste Stunde fand ausgerechnet in
Yukichis Klasse statt. Wehe mir, was denkt mein suesser Junge, wenn er
mich ohne Uhr sieht? Was ist zu tun? Ich war besorgt.

Gespannt betrat ich das Klassenzimmer, schaute sofort zu meinem Yukichi.
Sein Gesicht blieb ernst, unbewegt, aber seine Augen wurden weit,
blickten fest, ein wenig feucht.

Ich ging zum Lehrertisch und sagte: "Manchmal vergisst man morgens
wichtige, sogar wesentliche Sachen. Das sind unverzeihliche
Versaeumnisse, wofuer man nie aufhoeren kann, um Entschuldigung zu
bitten. Trotz des Anscheins ist nichts veraendert, auch wenn unsere
Vergesslichkeit Anderen Kummer zufuegen koennen. Aber es gibt keinen
Grund sich zu sorgen, auf keinen Fall. Heute morgen zum Beispiel habe
ich meine Taschenuhr vergessen, aber morgen werde ich sie wieder hier in
meiner Weste tragen und nichts hat sich geaendert".

Meine Schueler mussten denken, meine Rede waere etwas verrueckt,
vielleicht uebertrieben. Aber in Yukichis Augen kehrte der Glanz
zurueck; und nur das war wichtig fuer mich.

Als ich ihn unter vier Augen sah, bat ich ihn sofort um Entschuldigung
dafuer, dass ich ihm ungewollt diesen Schrecken bereitet hatte.

Er laechelte mir an: "Sie waren klug, als Sie mich haben verstehen
lassen, dass es sich dabei um ein unbedeutendes Ereignis gehandelt habe
und dass ich nichts zu befuerchten braeuchte. Jedenfalls vielen Dank,
dass Sie sich gesorgt haben. Das war eine wirklicher Liebesbeweis, fuer
den ich Ihnen sehr dankbar bin".

"Weil ich dich liebe, Yukichi."

"Und ich liebe Sie mehr als je!" sagte er und fuegte mit suessem
Vorwurfs hinzu: "Ich koennte vergessen, meine Hose anzuziehen, aber nie
den Talisman, um Sie an meine Liebe zu erinnern".

Ich laechelte. "Aber ich wuerde Dich gerne nur mit dem Talisman sehen."

Er laechelte auch, ohne jedoch zu antworten.

Selbstverstaendlich beriet ich auch die anderen drei mir anvertrauten
Schueler und sprach mit ihnen, aber fast ausschliesslich ueber ihre
Studien und die Fortsetzung an der Universitaet. Einer von ihnen, Nosaka
Shigeru, war von der klassischen japanischen Literatur begeistert, aber
seine Familie wollte, dass er modernen Sprachen und Literatur studiert.
Er wollte sich ihnen nicht widersetzen, aber er war tief betruebt.

"Hoer mal, Nosaka. Du koenntest dich der vergleichenden Literatur
widmen. Somit koenntest du deine Familienangehoerigen zufriedenstellen
und zugleich auch deine beliebten Faecher studieren."

"Vergleichende Literatur? Was ist das?"

"Das bedeutet seine eigene Literatur sehr gut zu kennen, so wie auch die
von mindestens ein oder zwei fremden Laendern, um Verbindungen zu
entdecken, die sie gemeinsam haben, auch die Unterschiede
herauszufinden, um dann herauszuarbeiten, wie die Literatur in den
unterschiedlichen Kulturen behandelt wird und entwickelt und entwickelt
ist."

"Das hoert sehr interessant an. Wer unterrichtet Literaturvergleich, an
welcher Universitaet?"

"Bis jetzt unterrichtet das in Japan noch niemand. Du muesstest es dir
allein und selbst erarbeiten. Europaeer sind aber in diesem Gebiet
meisterlich, sie haben viele Buecher ueber den Vergleich ihrer
Literaturen geschrieben. Und du bist in der Lage, sie mindestens in
Deutsch und Englisch zu lesen, dann ihre Methoden zu verstehen und sie
anzuwenden. Und wenn du daran interessiert bist, koenntest du der erste
oder einer der ersten Wissenschaftler der vergleichenden
Literaturwissenschaft in unserem Land werden."

Nosaka schien dieser Gedanken zu begeistern, insbesondere, als ich ihm
versprach, entsprechende Buecher fuer ihn zu finden. Tatsaechlich
schrieb ich an meinen alten Freund Otto, mit dem ich waehrend all jener
Jahre in Briefkontakt geblieben war, mit der Bitte, fuer mich
entsprechende Texte zu suchen und sie mir zukommen zu lassen, was er mit
grosser Sorgfalt tat.

Ich hatte Otto in einem vorherigen Brief davon berichtet, dass ich mich
in Yukichi verliebt habe und Otto sandte mir seine besten Wuensche. Er
war noch immer der uebliche Salonbesucher und waehlte sich jeweils
verschiedene Jungen. Manchmal sah er einige wieder, die ihm am besten
gefallen hatten, ohne sich jedoch an jemanden zu binden.

Aber ich hatte bemerkt, dass er mir des oefteren in seinen Briefen von
einem jungen Zigeunermusikanten schrieb und ich fragte mich, ob er mir
vielleicht etwas verheimlichen wolle. In meinem Herzen wuenschte ich es
ihm; obwohl ein Abenteuerleben angenehm sein kann, ist nichts besser,
als einen festen Liebhaber zu haben.

Und die anderen Schueler? Yashida war mir etwas unsympathisch. Er war zu
selbstsicher und zu sehr von seinen eigenen Werten ueberzeugt, zu stolz
seiner adligen Herkunft wegen. Jedenfalls versuchte ich, ihn wie alle
anderen zu behandeln und ihm mit meinen Ratschlaegen nuetzlich zu sein.

Von Oshima ist zu sagen, dass ich mir erst allmaehlich bewusst wurde,
dass er sich ausschliesslich von seinem eigenen Geschlecht angezogen
fuehlte. Er war nicht wirklich schoen, mindestens nicht entsprechend der
maennlichen Schoenheitsidealen, aber war sehr sympathisch und gefaellig.
Ohne jedoch ins Problem seines Privatlebens tiefer gegangen zu sein,
wurde ich mir meiner Einschaetzung immer sicherer, was bald dramatisch
bestaetigt wurde.

An einem Dezemberabend, als ich auf Sadao wartete, kam ein Bote des
Wohnheims der Schule zu mir und bat mich, eilig sofort zur Schule zu
kommen. Oshima habe einen Selbstmordversuch gemacht. Man hatte ihn
gerettet und versuchte den Grund seines Handelns zu verstehen, eines
begabten und offensichtlich problemlosen Schuelers. Aber der Junge
sprach nicht, nur um zu sagen: "Warum habt ihr mich nicht sterben
lassen?" Man dachte, da ich sein Berater sei, wuerde er mit mir
sprechen, sich mir anvertrauen.

Ich sagte meinem Diener Naosuke, auf Sadao zu warten, mit der Bitte um
Entschuldigung und ihm das Unvorhergesehene zu erklaeren. Ich zog mich
an und lief so schnell ich konnte zum Internat unseres Gymnasiums.

Oshima war in ein Einbettzimmer getragen worden und wurde von einem
Kollegen bewacht. Ich betrat das Zimmer und winkte dem Kollegen, er
moege uns bitte allein lassen. Ich setzte mich an Oshimas Bett, der mit
geschlossenen Augen dort lag.

"Oshima, ich bin Professor Fujita. Ich moechte mit dir sprechen."

Der Junge lag unbeweglich und stumm, die Augen geschlossen.

"Ich weiss, du hoerst mich. Oeffne die Augen und antworte mir."

Er gab kein Lebenszeichen.

Dann streichelte ich leicht seine Wange und sagte ganz leise: "Ich weiss
es wohl, du fuehlst dich furchtbar allein und denkst, dass dich niemand
versteht und dir niemand helfen kann. Und doch bin ich hier fuer dich
und moechte dir wirklich helfen. Warum versuchst du nicht, dich mir zu
oeffnen, mir zu sagen, was dich veranlasst hat, nicht mehr leben zu
wollen? Manchmal kann reden uns helfen, einander besser zu verstehen."

Von Oshimas geschlossenen Augen rannen zwei stille Traenen herab. Ich
trocknete sie und redete ihm gut zu, mir zu sagen, was ihn bedruecke,
jedoch erfolglos.

Dann fluesterte ich vage, immer noch seine Wangen streichelnd: "Ist es,
weil dir Maenner gefallen, stimmt es?"

Ploetzlich machte er die Augen auf, schaute mich erstaunt an und
murmelte mit kaum wahrnehmbarer Stimme: "Woher wissen Sie das?"

Ich hatte ins Schwarze getroffen und laechelte ihm beruhigend an: "Ich
weiss es nicht. Ich ahnte es seit seit einiger Zeit. Denkst du nicht, es
sei besser darueber zu sprechen? Du kannst unbesorgt offen mit mir
reden."

Er erzaehlte mir seine Geschichte. Seit zwei Jahren war er der Geliebte
eines Mannes. Sie strafen sich, konnten Liebe machen, wenn er am
Wochenenende zurueckkehrte. In jenen zwei Jahren war er ihm treu
geblieben, obwohl er nur Zuneigung zu ihm fuehlte. Aber seit dem neuen
Schuljahr teilte Oshima das Zimmer mit einem Schueler der neuen
Jahrgangs. Nach kurzer Zeit erwuchs zwischen beiden eine starke
Zuneigung. Sie bemerkten, in einander verliebt zu sein. Dann fingen sie
an, sich jede Nacht zu lieben und sie schworen sich einander ewige
Liebe.

Daher hielt Oshima fuer richtig, dem Mann zu sagen, dass ihre Geschichte
zu Ende war. Der Mann aber wollte ihn nicht verlieren. Da er der
Arbeitgeber von Oshimas Vater war, fragte er ihn, ob Oshima seine
Tochter heiraten koenne und er wuerde ihn als Schwiegersohn adoptieren.
Er koenne ihn somit zu Hause haben und ihn weiterhin als seinen
Geliebten halten. Seine Eltern kannten die wirklichen Absichten des
Manns nicht und geschmeichelt akzeptierten sie dessen Vorschlag gerne.

Oshima hatte versucht, sich diesem schmutzigen Geschaeft zu widersetzen,
aber seine Proteste waren erfolglos. Er wollte nicht heiraten, er
weigerte sich absolut ins Bett jenes Manns zurueckkehren, den er jetzt
hasste. Er wollte sich nicht von seinem geliebten Freund trennen, aber
das haette er unweigerlich machen muessen. Deshalb, so sagte er mir, sah
er keinen anderen Ausweg, als seinem Leben ein Ende zu machen.

"Wer ist dein Zimmerkamerad?"

"Irota Masato."

"Liebt ihr euch wirklich?"

"Ja. Wenn ich nicht mit ihm leben kann, ziehe ich den Tod vor."

"Und er?"

"Er hat es geschworen, er werde sich auf meinem Grab umbringen."

"Sehr romantisch, genau wie in den alten Geschichten, aber nicht sehr
weise, glaubst du nicht auch? Es koennten sich doch andere Loesungen
ergeben, nicht wahr?"

"Wir haben keinen anderen Weg gesehen. Ich werde niemals zu diesem Mann
zurueckgehen. Ich werde mich umbringen, davon kann mich niemand
abbringen."

"Jetzt warte mal. Ich lasse Irota rufen, um bei dir zu sein, und
inzwischen werde ich ueber eine passende Loesung fuer euch nachdenken".

"Wenn Irota kommt, werden wir uns zusammen umbringen."

"Warum macht ihr nicht eher Liebe? Ich werde alle anweisen, dass niemand
herein kommt, wenn Irota nicht ruft, so koennt ihr ungestoert allein
bleiben. Machen wir einen Vertrag: Sollte ich keine passende Loesung
fuer euch finden, dann koennt ihr tun, was ihr wollt. Aber bis zu jenem
Tag werdet Ihr keinen Selbstmord mehr versuchen. Einverstanden?"

"Ich weiss nicht, ob Sie etwas machen koennen, Herr Professor Fujita,
aber ich akzeptiere Ihren Vorschlag. Aber warum wollen Sie uns helfen?
Ich verstehe Sie nicht."

"Weil ich eure Liebe respektiere! Weiss dein Vater, dass du Irota
liebst? Weiss er etwas von dir und dem Mann?"

"Nein, ich habe ihm nichts gesagt. Es waere sinnlos gewesen, glauben Sie
mir. Ich bin mir sicher, er wuerde unsere Liebe nicht respektieren. Und
jetzt hat er auch noch seinem Chef sein Wort gegeben. Er wuerde mir nur
sagen, dass man das Leben so nehmen muss, wie es kommt. Ich kenne ihn
sehr gut ... Welche andere Loesung kann es also geben, ausser dem Tod?".

"Ich weiss es nicht, noch nicht. Aber vertraue mir!"

Ich ging, um mit Irota zu besprechen. Er war entschieden, seinem Oshima
bis zum Aeussersten zu folgen. Ich berichtete ihm von dem Abkommen, das
ich seinem Liebhaber vorgeschlagen hatte und begleitete ihn zu Oshima.

Heute Abend konnte ich nichts mehr tun, aber ich hatte schon einen
halben Gedanken, was ich tags darauf zu versuchen koennte. Darum ging
ich wieder nach Hause. Es war sehr spaet und natuerlich wuerde Sadao
nicht mehr dort sein. Als ich ins Haus trat, kam Naosuke sofort zu mir.

"Willkommen zurueck, Herr Meister. Ich ... ich bitte Sie um Verzeihung!"
sagte er und sich zu meinen Fuessen werfend verbeugte er sich tief vor
mir.

Ich sah ihn erstaunt an: "Nun, was ist los? Was hast du gemacht?" fragte
ich.

"Ich weiss, dass ich es nicht haette machen sollen, aber... als Herr
Sadao kam, waren wir allein, er und ich ... es ist meine Schuld, nur
meine Schuld, aber Herr Sadao hat mir schon immer gut gefallen und
daher..."

Ich verstand und laechelte. Aber mit strenger Stimme fragte ich: "So
habt ihr meine Abwesenheit ausgenutzt, um Liebe zu machen?".

"Ja, Herr", jammerte er.

"Und ich wette, dass es euch beiden gefallen hat, was?"

"Ja, Herr Meister".

"Gut. Das heisst, dass du ab naechster Woche hier an meine Stelle treten
wirst. Ich haette mich sowieso von ihm verabschieden muessen, du weisst
es wohl. Wenn ihr beide gut zusammen passt, kann es mir nur Recht sein.
Und nun steh' wieder auf!" sagte ich sanft.

"Ist mein Herr nicht veraergert ueber mich? Verzeihen Sie es mir?"

"Sicher vergeb ich dir, aber jetzt erzaehle mir ausfuehrlich, wie es
passiert ist. Hat Sadao sofort ja gesagt?"

Gut, damit war auch diese Angelegenheit erledigt und ich war wirklich
erfreut ueber diese Loesung.

Nun hatte ich die Aufgabe, das ernstere und schwierigere Problem von
Oshima und Irota zu loesen. Ich nahm mit vielen Freunden von mir Kontakt
auf, darunter einflussreiche Leute, die alle die gleiche Neigung zu den
Maennern teilten. Der Plan begann, sich abzuzeichnen, wurde entwickelt
und schliesslich nahm er Gestalt an. Sicher, es musste ein Preis bezahlt
werden, aber vielleicht koennte es sich lohnen.

Ich ging zu den beiden Jungen und erlaeuterte ihnen den Plan: Sie
sollten zusammen aus dem Wohnheim fliehen. Eine Kutsche wuerde sie
erwarten und nach Kamakura zur Wohnung eines Freundes von mir bringen.
Hier muessten sie warten, bis ein weiterer Freund von mir ihnen neue
Dokumente mit neuen Personalien liefern wuerde. Die neuem Namen wuerden
sie als Brueder ausweisen. Ein anderer Freund von mir, der vor kurzem
ein Verlagshaus eroeffnet hatte, wuerde sie anstellen und ihnen eine
anstaendige Bezahlung und eine Wohnung geben. Der zu zahlende Preis: Sie
muessten auf ihren Traum, ein Studium an der Waseda-Universitaet,
verzichten.

Die Jungen akzeptierten sofort, dankbar. Sie wuerden gerne auf alles
verzichten, nur um gemeinsam leben zu koennen, und die Loesung, die ich
ihnen vorschlug, war fuer sie allzu schoen: eine Arbeit, ein Zuhause,
ein neues gemeinsames Leben.

Oshima fragte mich wieder, warum ich all das fuer sie machte. Also
antwortete ich ihm: "Weil ich auch einen Jungen liebe. Und ich moechte
niemals, dass mich einmal etwas von ihm trennt. Daher verstehe ich euch
Jungen. Auch meine Freunde werden euch aus dem gleichen Grunde
behilflich sein."

"Sind denn alle wie wir?" fragte Irota erstaunt, dann mit unsicherer
Stimme: "Aber was erwarten Sie denn von uns?"

"Nichts. Vielleicht Dankbarkeit. Aber nicht in jenem Sinne, seid
unbesorgt. So wie ich, hat auch ein jeder von ihnen seinen Freund, sie
suchen also keine Abenteuer. Nein, in einigen Tagen werdet ihr euch
ungestoert einander lieben duerfen. Sicher werden eure Familien euch
suchen, aber bestimmt nicht in Kamakura."

Sie flohen nach drei Tagen. Natuerlich wurden Nachforschungen
angestellt. Beide Familien, glaube ich, ahnten den Grund der Flucht, da
die beiden Jungen kurz nach dem Selbstmordversuch eines von ihnen
zusammen geflohen waren. Auch ich wurde lange befragt, aber ich gab vor,
dass ich nicht die leiseste Ahnung haette, weder warum noch wohin sie
geflohen seien.

Nur Yukichi erzaehlte ich die ganze Wahrheit der Geschichte, weil er es
wissen wollte. Schliesslich umarmte und kuesste er mich (es war unser
erster Kuss) und sagte zu mir: "Das ist der Preis, den mein Mann
verdient hat, fuer das, was er fuer diese beiden Jungen getan hat."

"Um die Wahrheit zu sagen, erhoffte ich eine intimere Belohnung", sagte
ich scherzhaft.

Er erroetete entzueckend, loeste sich von mir und sagte: "Nur noch
wenige Monate, dann koennen Sie mit mir alles tun, was ich schon seit
langem begehre, Professor.“

"Ach, wissen Sie," fuhr er dann das Thema wechselnd vor, "ich habe
meinen Eltern schon mitgeteilt, dass ich bereits angefangen habe, mir
ein Zimmer zu suchen, wenn ich an der Universitaet bin. Sie sind
einverstanden. Und selbstverstaendlich werde ich es bei Ihnen finden.
Ich denke mir, dass sie nach Tokio kommen wollen, um Sie kennenzulernen
und um das Zimmer zu besichtigen. Sie wissen wie Eltern sind ... Ist in
Ihrem Haus irgend ein Zimmer, das man ihnen zeigen kann?"

"Freilich. Es ist klein, huebsch, und man kann von dort ueber den Fluss
blicken. Ich werde es in Ordnung bringen lassen."

"Aber ... in Wirklichkeit ... werde ich doch mit Ihnen wohnen, nicht
wahr? Sie wollen mich doch wohl nicht in einem anderen Zimmer schlafen
lassen, oder? Werden wir auf dem gleichen Futon (Schlafmatte) schlafen,
ja?"

"Sicher, mein suesser Yukichi. Weisst du, seit mehr als zwei Jahren
traeume ich von nichts Anderem. Ich werde eine ganz neue Matratze
kaufen, ein Doppelbett, wie es Dir gefaellt, besonder fuer dich und
mich, die Beste und Allerschoenste, die auf dem Markt finden ist."

"Werden Sie mir gestatten, sie mit Ihnen auswaehlen zu duerfen?" fragte
er mich mit leuchtendem Gesicht und hoffnungsvollem Blick.

"Gewiss, sobald die Schule vorueber ist und wir frei sind."

Die letzten zwei Wochen vergingen ziemlich rasch. Yukichi bekam gute
Noten und bestand auch die Zulassungspruefung fuer die Kaiserliche
Universitaet zu Tokio.

Dann schenkte ich ihm meine Uhr und sagte: "Jetzt benoetige ich sie
nicht mehr. Sie ist dein, wie ich auch dein bin".

"Dann bekommen Sie meinen Talisman, in der Erwartung, dass ich mich
Ihnen bald selbst ganz geben kann. Bitte kommen Sie, Professor. Dort
sind meine Eltern, wie Sie wissen, die Sie gerne kennenlernen moechten."

Sie waren foermlich mit Kimono bekleidet. Der Vater war ein Mann
ungefaehr zehn Jahre aelter als ich, klein und gedrungen, sehr
verschieden von Yukichi. Die Mutter war hingegen eine feine, huebsche
Dame. Es war klar, dass der Junge viel von ihr benommen hatte.

Beide verbeugten sich tief. "Herr Professor, vielen Dank, dass Sie sich
um unseren Sohn Yukichi gekuemmert haben . Er hat uns erzaehlt, wie Sie
ihn mit Ihren wertvollen Ratschlaegen unterstuetzt haben. Wir wissen
wirklich nicht, wie wir Ihnen danken sollen. Sehen Sie, das ist ein
kleines wertloses Geschenk fuer Sie, wir bitten Sie, es als solches zu
akzeptieren", sagte der Vater, als er mir ein kleines Paket in einem
schoenen seidenen Furoshiki (Schmucktuch) ueberreichte.

"Sie tun mir zu grosse Ehre an. Ich kann Ihnen versichern, dass es mir
ein grosses Vergnuegen war, Yukichi zu begleiten - er ist ein sehr
talentierter Junge", antwortete ich.

"Er hat uns gesagt, dass Sie bereit seien, ihm ein Zimmer fuer die Dauer
seines Studium an der Universitaet zu vermieten. Wird Sie das nicht zu
sehr stoeren? Wir moechten nicht, dass unser Sohn Ihnen laestig sein
kann".

"Nein, nein, im Gegenteil. Ich bin wirklich darueber erfreut, dass er
unter meinem Dach wohnen wird. Wollen Sie kommen und sich sein Zimmer
anschauen?"

"Ach, Herr Professor, wir vertrauen Ihnen unseren Sohn an. Wir leben so
weit entfernt, dass es uns nicht moeglich ist, uns um ihn zu kuemmern.
Unsere Herzen werden beruhigt sein, denn wir wissen, dass er bei Ihnen
wohnt. Und du, Yukichi, ich empfehle dir, sei immer gehorsam und tu
immer, was dir der Herr Professor sagen wird."

"Ihr braucht nicht den geringsten Zweifel zu haben, ich werde gehorsamer
sein als ein Knappe seinem Herrn, ich schwoere es euch. Ein Wunsch des
Herrn Professors wird mir Auftrag sein", antwortete Yukichi, als er mich
mit leuchtenden Augen anschaute, aber mit ernstem Gesicht.

Sie kamen zu meinem Haus. Ich hatte bei Naosuke ein gutes Mittagessen
fuer vier Personen bestellt und nachdem wir "Yukichis Zimmer" besichtigt
hatten, nahmen am Tisch wir Platz.

Waehrend des Essens sagte der Vater mir, er werde seinem Sohn monatlich
einen festen Betrag fuer seine Ausgaben und fuer Unterkunft und
Verpflegung bei mir zahlen. Die Familie des Jungen war sicher nicht arm.
Der Vater war ein wohlhabender Landbesitzer aus einer alten Familie des
niederen Landsadels. Die Mutter war eine angenehme Dame und der Vater
von tiefer klassischer Kultur gepraegt. Sie gefielen mir. Ich musste den
Eltern auch gefallen haben, da sie mich ueber alle Massen lobten, als
Yukichi sie bis zum Bahnhof begleitete. Er erzaehlte es mir, nachdem
zurueckgekehrt war.

Waehrend ich auf seine Rueckkehr wartete, machte ich das Paeckchen mit
dem Geschenk auf, das ich von Yukichis Eltern empfangen hatte. Es war
ein Kasten aus allerfeinstem Lack mit allen erforderlichen Utensilien
fuer Kalligraphie. Es musste eine Unmenge gekostet haben. Ich rief
Naosuke und wies ihn an, den Kasten in den richtigen Schrank zu legen,
und die neue Matratze in meinem Zimmer auszubreiten.

"Der junge Herr ist sehr schoen. Ich gratuliere Ihnen, Herr Meister. Ich
wuensche Ihnen, dass Sie immer sehr gluecklich zusammen zu leben."

"Danke, Naosuke. Und wie entwickelt es sich mit dir und Sadao?"

"Ja, sehr gut. Und wir beide sind Ihnen sehr dankbar, der Sie
gestatteten, zusammen zu sein. Um etwas zu trinken geht er am Abend
immer in die Kneipe jenseits der Bruecke und auf dem Rueckweg kommt er
sehr oft zu mir. Er moechte nie zu seiner Frau zurueck, sagt er, denn es
gefaellt ihm nicht, seine Pflichten als Ehemann zu erfuellen. Ich bin
sehr gluecklich, dieses Problem nicht zu haben, und eine Herrn wie Sie
und einen heissen Liebhaber wie Sadao."

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CONTINUES IN BAND 7

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