Date: Wed, 13 Apr 2011 09:48:47 +0200
From: A.K. <andrej@andrejkoymasky.com>
Subject: Liegt was vor mit Namen Schicksal 08/10 (German - historical - Adult youth)

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LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL...
von Andrej Koymasky © 2011
am 5 Juni 1994 geschrieben
Deutsche Ÿbersetzung: Mario Mosa & Bernd Schneider

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USUAL DISCLAIMER

"LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL..." is a gay story, with some parts
containing graphic scenes of sex between males. So, if in your land,
religion, family, opinion and so on this is not good for you, it will be
better not to read this story. But if you really want, or because YOU
don't care, or because you think you really want to read it, please be
my welcomed guest.

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BAND 8 - CHI - VON DER FAMILIE ANGENOMMEN

Abend im Herbst,
rote und goldene Blaetter
im ruhigen Fluss.

In allen jenen Jahren pflegte ich regelmaessigen Kontakt mit meinem
Kollegen Tachikawa und mit seinem Aritada, der auch mit nunmehr zwanzig
Jahren ebenfalls an der Todai-Universitaet in Tokio begonnen hatte, aber
an der Fakultaet fuer Staatswissenschaften. Der ehemals kleine Aritada
war als grosser junger Mann schoen gewachsen und mit den Jahren war es
ihm gelungen, dass der gute Tachikawa ruhiger wurde. Er hatte damit
aufgehoert, im Gegenteil zu seinen vorherigen Gewohnheiten, hinter den
Heranwachsenden herzujagen. Er ist bei seinem Jungen geblieben. Dank
Aritada hatte ich durch ihn auch meine Verbindung mit der Familie Mori
wieder aufgenommen. Grossvater Mori liebte Aritada blind und dieser
wusste sehr wohl, auch ohne zu uebertreiben, von seinem Grossvater alles
zu bekommen, was er wollte. Zwischen Aritada und Yukichi waren nur drei
Jahre Altersunterschied, so dass sie zu guten Freunde geworden waren. Es
war Aritada, der Dank seines Grossvaters, dafuer sorgte, dass Yukichi
eine Anstellung als Assistenzprofessor an der Deutsch-Fakultaet der
Universitaet erhielt.

"Ja, der kleine Teufel Aritada beherrscht mich ganz und gar. Ich bin
sein Kerai (Knecht), besser noch, sein Yakko (Sklave)", sagte mir
Tachikawa mit gluecklichem Laecheln.

"Ach was, Sie sind doch zufrieden, sein Diener zu sein", antwortete ich.

"Sicher, ich bin zufrieden. Er beherrscht mich, aber er schenkt mir auch
den Himmel auf Erden. Manchmal frage ich mich, was ein alter Mann ihm
nuetzt. Er ist so jung, so schoen, reich, von sehr vornehmer, alter
Familie. Wie ist er dazu gekommen, sich in einen so alten Wuestling zu
verlieben? Wissen Sie, mein lieber Kollege, dass das Leben sehr
geheimnisvoll ist? Ich bin dreifach so alt wie er, sind Sie sich
darueber im klaren?"

"Vielleicht haben Sie auch dreifache Erfahrung und Weisheit. Vielleicht
ist das, was der Junge an Ihnen schaetzt, glauben Sie es nicht?"

"Ich weiss es nicht, ich weiss es nicht. Aber jeweils, wenn ich ihn dort
nackt neben mir sehe, scheint es mir wie ein Wunder zu sein. Und ich
sage mir, ich solle mich nicht taeuschen, frueher oder spaeter wuerde
ich ihn verlieren. Aber inzwischen sind ueber fuenf Jahre vergangen und
wir sind immer noch zusammen. Wie lange wird es noch dauern? Frueher
oder spaeter muss er heiraten, wir wissen es beide. Er sagt, er werde es
so lange wie moeglich hinauszoegern, aber frueher oder spaeter muss er
es machen, leider. Wie werdet Ihr beide es machen? Auch Yukichi wird
frueher oder spaeter heiraten muessen, oder?"

"Yukichi sagt, er werde nie heiraten."

"Nein, Aritada moechte Kinder bekommen, daher wird er heiraten.
Bestimmt, so sagt er, werden wir uns auch nach einer Heirat weitersehen,
so wie jetzt. Andererseits muss er bereits jetzt mit seiner Familie
leben, obwohl ich ihn gerne immer hier bei mir haette. Nunmehr bin ich
seit fast zwanzig Jahren verwitwet und mein Haus ist so leer. Ach, mein
lieber Kollege, Sie sind wirklich gluecklich mit Ihrem Yukichi!"

"Ja, es stimmt. Ich bin wirklich sehr gluecklich, aber dieses Glueck
habe ich auch teilweise Ihnen verdanken, Herr Tachikawa. Sie haben uns
beguenstigt und haben uns unser schweres, langes Warten erleichtert."

"Nein, es war eine Kleinigkeit. Ich habe doch nichts Grosses gemacht.
Aber Sie, Herr Kollege, Sie denken also nicht daran zu heiraten?"

"Bestimmt nicht. Gluecklicherweise scheint es so zu sein, dass meine
Eltern den Plan aufgegeben haben, mich zu verheiraten. Sie schlagen mir
auch keine moeglichen Braeute und guenstige Verbindungen mehr vor. Sie
muessen bemerkt haben, dass ich nicht die Absicht habe, ihnen
Enkelkinder zu schenken. Sie sagen, ich habe meinen Beruf geheiratet.
Wer weiss, ob sie sich denken koennen, dass ich schon verheiratet bin -
mit meinem Yukichi".

"Kennen sie ihn?"

"Ja, ich habe ihn drei oder vier Mal in den Urlaub zu meinen Eltern
mitgenommen. Ich habe ihn als einen meiner Schueler vorgestellt. Sie
haben weder ihm noch mir Fragen gestellt. Sie wissen, dass er hier in
meinem Haus wohnt. Aber, wer weiss?"

"Schon moeglich. Wenn sie aufgehoert haben, Ihnen eine Braut zu suchen,
ahnen sie es vielleicht. Aber egal, ob sie es verstehen oder nicht, die
Hauptsache ist, dass ihr ohne Probleme zusammenleben koennt", beschloss
Tachikawa.

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Eine Antwort auf das Verhalten meiner Familie bekam ich, als mein Vater
starb. Meine Familie war zum ersten Mal nach langer Zeit vollzaehlig
versammelt. Mein aelterer Bruder Heizaemon mit seiner Frau und seinen
vier Kindern, mein Bruder Zenbei mit seiner Frau und seinen sechs
Kindern, Yasuhide, mein juengerer Bruder, mit seiner Frau und seinen
drei Kindern, schliesslich ich, der ich Yukichi an meiner Seite hatte.
Niemand erhob Einwendung wegen seiner Anwesenheit, noch bat man mich um
Erklaerungen. Als wir beide in meinem Elternhaus ankamen, befahl
Heizaemon, ein einziges Zimmer fuer mich und Yukichi zu bereiten.
Vorhanden waren zwei Futons, nicht nur einer. Aber wenn sie ihn als
'Gast' gesehen haetten, waere ein kleines Zimmer fuer ihn zur Verfuegung
gewesen. Und waehrend der Trauerfeier sass Yukichi gleich einem
Familienmitglied an meiner Seite.

All das ueberzeugte mich, dass meine Verwandten sich ganz gut darueber
im Klaren waren, was fuer eine Verbindung zwischen mir und Yukichi
bestand, aber eine weitere Bestaetigung bekam ich nach der Traufeier.

Ich war dabei, mit meinem Bruder Zenbei im Garten unseres Elternhauses
zu sprechen, als er mich direkt fragte: "Dein Yukichi scheint ein guter
Mann zu sein. Bist du gluecklich mit ihm?"

Ich schaute ihn erstaunt an, da ich eine solche eindeutige Frage ueber
die Beziehung zu meinem Liebsten nicht erwartete. Ich suchte die
geeigneten Worte fuer eine eine Antwort. Einerseits wollte ich die Frage
nicht bestaetigen, andererseits wollte ich jedoch unsere Beziehung auch
nicht verleugnen.

Zenbei schaute mir fest in die Augen und mit leichtem Laecheln sagte er:
"Glaubst du nicht, dass wir verstanden haben? Du bist der einzige von
uns, der nicht geheiratet hat, und nicht nur, dass er in deinem Haus
wohnt, sondern ihr seid auch immer zusammen. Darum ist es fuer mich
augenscheinlich, verstehst du?"

"Und verurteilst du mich dafuer?" fragte ich ihn dann etwas besorgt.

"Ich, dich verurteilen? Natuerlich nicht! Uebrigens hast du dich schon
mal gefragt, was Vater bewogen haben koennte, als er alle eure Karrieren
behinderte, nur meine nicht?"

"Es stimmt ... Ich habe daran nie darueber nachgedacht ... Aber was hat
das damit zu tun?"

"Ich habe eine gute Karriere gemacht, nur weil ich damals der Junge
eines Mitglieds des Generalstabs unserer Kaiserlichen Armee war. Darum
habe ich all jene Befoerderungen erhalten."

"Aber du hast geheiratet, du hast sechs Kinder bekommen."

"Nun, ich bedauerte es nicht, dem General gefallen zu haben, ueberhaupt
nicht, das darfst du mir glauben, obwohl ich Frauen vorziehe. Er wusste
es und akzeptierte es, solange ich bei ihm blieb. Andererseits war er
es, der die Heirat mit der Tochter eines anderen Generals, eines
Freundes von ihm, vorschlug."

"Aber gefiel es dir?"

"Was? Der Junge meines Generals gewesen zu sein? Ja, sicher, sonst waere
ich nicht so viele Jahre sein Liebhaber geblieben. Es schmeichelte mir,
wie er mir den Hof machte, weil ich ihn sehr bewunderte und weil er mir
gefiel; sicherlich nicht nur wegen der Karriere, auch wenn dies spaeter
durchaus nuetzlich war.

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Denk mal, ich war ein junger Unteroffizier mit 19 Jahren, unter vielen
Anderen, hofiert von jenem schoenen, wichtigen Offizier, der unser
Vorgesetzter war. Aehnliche Faelle sind nicht selten in der Armee,
sowohl in der Tradition der Samurai, als auch bei den oberen Offizieren
und den jungen Untergebenen. Ich glaube, nur in den Kloestern gibt es
mehr maennliche Paare als in der Armee."

"Und jetzt hast du auch deinen jungen Unteroffizier?" fragte ich ihn
neugierig geworden durch jene Seite seines Lebens und seiner
Persoenlichkeit, die ich mir nie hatte vorgestellen koennen.

"Nein, ich habe dir ja schon gesagt, dass ich Frauen vorziehe, nicht
wahr? Nein, ich habe jetzt keinen Liebhaber. Aber waehrend unserer
regelmaessigen Manoever kommt sehr oft mein junger Bursche, um mir meine
einsamen Naechte zu lindern. Waehrend der Manoever duerfen wir keine
Frauen im Lager haben. Darum nutze ich den Vorteil seiner Anwesenheit
und geniesse ihn auf meinem Futon zu haben. Aber wir haben kein festes
Verhaeltnis miteinander. Also, du verstehst? Ich wollte etwas von deinem
Yukichi wissen, dagegen haben wir von mir gesprochen."

"Wir lieben uns einander. Er moechte auch nicht heiraten."

"Ja, zwei echte Maenner-Liebhaber seid ihr beide. Er sieht aus wie ein
guter anstaendiger Mann und dir sehr ergeben. Gut, ich wuensche euch
viel Glueck!"

"Denken die Anderen auch wie du?" fragte ich ihn.

"Wir haben nie davon ausdruecklich davon gesprochen, aber ich glaube,
sie haben verstanden. Man muss schon blind oder naiv sein, um nicht zu
verstehen. Und hat nicht Heizaemon ein Zimmer fuer euch beide
vorbereiten lassen, oder? Und er hat Yukichi waehrend der Trauerfeier an
deiner Seite sitzen lassen, was eine einzige, eindeutige Bedeutung hat.
Jedenfalls, deine Wahl ist nur deine Sache, die Anderen koennen nichts
weiter machen, als sie zu respektieren. Warum sorgst du dich?" fragte er
mich entschieden.

Als ich meinem Yukichi von dem Gespraech mit meinem Bruder erzaehlte,
laechelte er mich an: "Wer weiss, ob auch meine Eltern so gut darauf
reagieren? Frueher oder spaeter, glaube ich, muss ich mit ihnen darueber
sprechen. Ich haette es so gerne, dass sie dich so annehmen, wie deine
Familie mich als Familienangehoerigen akzeptiert hat. Aber ich weiss
nicht, ob es bei mir auch so gluecklich gehen wird. Meine Eltern sind
sehr altmodisch. Sollte ich die Ehe akzeptieren, wuerden sie
wahrscheinlich nichts gegen unsere Beziehung sagen, aber nachdem ich
keine Lust habe zu heiraten, befuerchte ich eine ziemlich schlimme
Reaktion."

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Mit seinen Eltern sprach er im folgenden Jahr, anlaesslich eines
weiteren Versuchs, nach ungezaehlten vorherigen, ihn zum Heiraten zu
bewegen. Ihre Reaktion war, wie er vorgesehen hatte. Wenn er geheiratet
habe, sagten sie, sei sein Privatleben seine eigene Angelegenheit. Nicht
wenige Ehemaenner haetten eine Liebschaft, meistens eine Frau, aber wenn
er einen Mann vorzuege, haetten sie nichts dagegen. Yukichi blieb
unerschuetterlich; er wollte sich an keine Frau binden, auf keinen Fall
an jemand anderen als an mich. Dies markierte eine noch Jahre andauernde
Entfernung von seiner Familie. Yukichi bedauerte es sehr, aber er hatte
seine Wahl getroffen. Er schrieb ihnen weiterhin zweimal im Jahre
Briefe, ohne jemals eine Antwort von den Eltern zu erhalten, die er
nicht mehr sah, bis sein Vater schwer erkrankte.

Die Krankheit des Vaters war die Gelegenheit zu ihrer Wiederannaeherung.
Mit dem Bruder und den drei Schwestern war Yukichi in Kontakt geblieben
und als sie ihm von der Erkrankung des Vaters berichteten, ging er er in
sein Dorf, um den Vater zu besuchen. Der Vater schickte ihn nicht weg,
wie Yukichi befuerchtet hatte. Der alte Mann sprach aber nicht mit ihm
ueber die Wahl seines Sohnes, mit mir zu leben, sondern behandelte ihn
so, als ob es niemals Probleme gegeben habe. Als Yukichi nach Tokio
zurueckkam, brachte er mir ein Geschenk seiner der Mutter mit. Friede
war eingekehrt und Yukichi fand seine innere Ruhe wieder.

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Das Verhaeltnis zwischen mir und Yukichi entwickelte sich weiter
harmonisch und standhaft. Unsere wenigen Spannungszeiten hatten uns
geholfen, einander besser kennen und verstehen zu lernen und wir hatten
sie nicht nur gut ueberstanden, sondern, ich moechte sagen, sie hatten
uns noch staerker miteinander verbunden. Wir hatten gute Freunde und
gute Arbeit, die uns beiden gefiel. Unser treuer Naosuke, der uns mit
Hingabe diente und betreute und, obwohl er nur ein Diener war, wurde er
immer mehr zu einem Familienmitglied. Nach der mehrjaehrigen Beziehung
zu Sadao war er wieder allein. Sadao war nun der Besitzer des
oeffentlichen Bades, nachdem sein Vater sich in den Ruhestand aufs Dorf
zurueckgezogen hatte. Sadao verliebte sich in einen der Jungen, die im
Bad fuer ihn arbeiteten, und hatte sich deshalb von Naosuke getrennt.

Unser guter Diener hatte darunter gelitten, obwohl er versuchte, es
nicht zu zeigen. Aber nach fast einem Jahr hatte er einen
achtzehnjaehrigen Jungen kennengelernt.

Er hiess Nobuo. Er war ein Waise und arbeitete als fliegender Haendler,
der geroestete rote Kartoffeln anbot. Der Junge kam regelmaessig an
unserem Haus vorbei und Naosuke kaufte fuer uns drei oder vier Stueck
davon. Die Beiden begannen, miteinander zu sprechen und wurden bald
Freunde. Naosuke fing an ihn einzuladen, mit ihm abends im Gasthaus Sake
zu trinken. Eines Abends lud Naosuke ihn in sein Zimmerchen ein, wo sie
sich zum ersten Mal liebten. Naosuke besuchte auch Nobuo in dessen
Zimmerchen und allmaehlich verliebten sie sich ineinander.

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Eines Nachmittags sprach Naosuke zum ersten Mal mit uns darueber und zum
Schluss sagte er: "Sie haben studiert und wissen viele Sachen.
Vielleicht koennen Sie mir erklaeren, warum es vorkommt, dass sich die
richtigen Leute zum richtigen Zeitpunkt treffen? Waere ich nicht
ausgerechnet von Herrn Fujita eingestellt worden und haette mich Sadao
mich nicht ausgerechnet in dieser Zeit verlassen und waere Nobuo nicht
verwaist und haette ihn sein Onkel nicht als fliegenden Haendler
ausgerechnet in unsere Strasse geschickt, und wenn weder mir noch Nobuo
es gefiele, Maenner zu lieben, koennten wir jetzt nicht ineinander
verliebt sein. Vielleicht ist irgendwo etwas darueber geschrieben? Gibt
es vielleicht wirklich ein Schicksal? Was denken Sie, die Sie so viele
Sachen wissen?"

"Kennst du das Sprichwort: 'Wenn der Schueler bereit ist, erscheint der
Lehrer?' Es sieht wie ein Geheimnis aus, nicht wahr? Aber so ist es
nicht. Tatsache ist, dass jener Schueler an vielen tausenden Lehrern
vorbeigegangen ist, aber er war noch nicht bereit, hatte sie nicht
gesehen, oder sie nicht als Lehrer erkannt. Aber als der Schueler bereit
war, hatte er seinen richtigen Lehrer sofort anerkannt und ihn gebeten,
ihn zu seinem Schueler zu nehmen. Und unter jenen vielen tausend Lehrern
hatte er den Eindruck, dieser sei der einzige richtige Lehrer fuer ihn,
den er zum richtigen Zeitpunkt getroffen habe. Um es beispielsweise so
zu sagen: an dir sind tausendfach 'Nobuos' vorbeigekommen, aber solange
du noch in Sadao verliebt warst, hast du sie nicht einmal gesehen oder
du hast ihnen keine Beachtung geschenkt. Waerest du noch mit Sadao
zusammen, dann haettest du Nobuo nur wie einen netten, huebschen Jungen
angesehen, aber nichts weiter. Du haettest nicht versucht, ihn
kennenzulernen, er haette dich nicht eingeladen, mit ihm in sein Zimmer
zu gehen, du haettest nicht gedacht, dass du ihn begehrst. Das ist
alles, lieber Naosuke", erklaerte Yukichi ihm.

"Ja, das kann so sein. Aber wieso hatte Herr Fujita ein Bild von dem
junge Herrn Ida gezeichnet, lange bevor er ihn kennenlernte?" fragte
Naosuke etwas herausfordernd.

"Ja, du hast ganz Recht. Das ist etwas geheimnisvoll. Darauf weiss ich
dir auch keine Antwort zu geben", sagte Yukichi laechelnd auf den
Einwand.

"Meines Erachtens nach wurde Herr Ida ausgerechnet fuer Meister Fujita
geboren, so wie Nobuo nur fuer mich geboren wurde, oder vielleicht auch
umgekehrt. Ob wir das ganze Leben zusammen bleiben werden, oder nur fuer
eine kurze Zeit, weiss ich nicht, auch wenn Nobuo und ich jetzt fuer auf
ein langes gemeinsamens Leben hoffen."

"Vermisst du Sadao nicht mehr?" fragte ich ihn dann.

"Nein, jetzt vermisse ich ihn nicht mehr. Ich habe Nobuo, der fuer mich
alles ist", antwortete er mit einem gluecklichen Gesichtsausdruck.

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Manchmal besuchten uns Freunde, insbesondere Tachikawa und Aritada. Wir
hatten vergnuegliche Stunden, sprachen ueber Literatur und Kunst,
spielten 'Go', ein Spiel, das besonders Tachikawa und Yukichi mochten.

Manchmal bereitete ich vor Ankunft unserer Gaeste gruenen Tee in unserem
Teezimmer vor, die Geraete zur Teezeremonie, die Schriftrollen, die im
Tokonoma (einem Schrein) aufgehaengt werden mussten, und ich waehlte
Blumen aus. Ich liebte es, meine Auswahl mit Yukichi zu diskutieren. Er
hatte eine ungewoehnliche Auffassung der Teekunst und daher waren diese
Diskussionen fuer mich sehr anregend. Manchmal ueberredete er mich,
leichte Veraenderungen in meinen Programmen anzubringen. Das machte
unsere Freunde neugierig, so dass nach und nach eine Teezeremonie bei
uns ein erwuenschtes Ereignis wurde.

Yukichi kuemmerte sich zunehmend auch darum, auf mein Aeusseres zu
achten; sei es mit einem Kimono, sei es mit westlichen Anzuegen. Er
verlangte immer von mir, dass ich elegant und perfekt gekleidet war. Ich
mochte seinen Geschmack, verliess ich mich nach und nach voellig auf ihn
und vertraute ihm gaenzlich. Somit war ich sicher, ein kleines Problem
weniger zu haben, denn ich war ganz gewiss, meinem Yukichi zu gefallen.

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Die Beziehung zwischen Naosuke und Nobuo entwickelte sich weiter. Wir
hatten den Jungen auch kennengelernt und er hatte auf uns einen guten
Eindruck gemacht, so dass Yukichi eines Tage mir sagte, was ihm schon
laenger durch den Kopf ging: "Shige, was denkst du, wenn wir auch Nobuo
in unseren Dienst nehmen? Wir verdienen beide gut und einen Diener mehr
koennten wir uns auch leisten. Wir wuerden Naosuke gluecklich machen und
koennten ihm die Arbeit etwas erleichtern. Denkst nicht, das waere eine
gute Sache?"

"Nun, warum nicht? Lass' uns zuerst mit Naosuke sprechen und wenn er
auch einverstanden ist, kann er es Nobuo vorschlagen", antwortete ich
sofort.

Naosuke war sehr erfreut ueber unseren Vorschlag und hoerte nicht auf,
uns zu danken. Nobuo nahm sofort unseren Vorschlag an, ohne auch nur
einmal zu fragen, wieviel wir ihm bezahlen wuerden. So kam er zu uns und
wohnte in unserem Haus. Er war ein schlanker aber kraeftiger Junge,
schuechtern aber bereit, verstaendnisvoll und fleissig. Naosuke
vertraute ihm den Hausputz, die Gartenpflege und andere Aufgaben an und
erklaerte ihm, wie sie am Besten zu erledigen seien. Unser Haus war
vorher schon sauber, jetzt war es glaenzend. Naosuke war auch frueher
schon heiter und froehlich, jetzt aber war er gluecklich. Es fiel uns
jedoch auf, dass Nobuo im Unterschied von Naosuke ziemlich gut lesen und
schreiben konnte. Etwas erstaunt fragte ich ihn, weshalb das so sei.

"Als meine Eltern noch lebten, schickten sie mich zur Tempelschule.
Lernen machte mir Freude. Aber als ich dreizehn Jahre alt war, starben
meine Eltern und der Onkel sorgte fuer mich. Ich musste mit der Schule
aufhoeren und er schickte mich arbeiten."

"Wie kam es, dass deine Eltern starben?"

"Sie arbeiteten beide in einer Baumwollfabrik in der Naehe von Nagoya,
wo wir wohnten. In der Fabrik brach ein Feuer aus. Sieben Leute kamen
um, darunter auch Mutter und Vater. Wir waren vier Kinder. Verschiedene
Verwandten nahmen uns auf. Ich kam zu dem Onkel in Tokio. Er und seine
Soehne verkauften geroestete rote Kartoffeln auf den Strassen. Also hat
er einen neuen Karren fuer mich gebaut und ich habe auch mit dieser
Arbeit angefangen.

Fuer die Nacht musste ich mit seinem dritten Sohn Naoya das Zimmer
teilen, der damals siebzehn war. Eine Nacht, gleich in der ersten Zeit
dort, kam Naoya zu mir unter meine Decke und hat mich benutzt. Mein
Cousin war gross und stark und ich war zu erschrocken, um mich zu
wehren. So nahm er mich ohne jede Gegenwehr. Danach musste ich jede
Nacht ohne meinen Fundoshi zu tragen (japanischer Lendenschurz fuer
Maenner) ins Bett, um von ihm benutzt zu werden, oder er pruegelte mich
zuerst, um danach sein Vergnuegen an mir zu haben. Anfangs gefiel es mir
ueberhaupt nicht. Er tat mir weh. Aber spaeter war ich bereit, ihn in
mich aufzunehmen und zuletzt hatte ich mehr und mehr Spass daran.

So ging es drei Jahre, bis Naoya geheiratet hatte und er nicht mehr im
Zimmer mit mir schlief. Jedenfalls interessierte er sich nicht mehr fuer
mich. Er benutzte mich nur, weil er keine Maedchen hatte, denn er mag
Frauen sehr. Ich, andererseits entdeckte, dass ich nur Maenner begehrte.
Aber ich wusste nicht, wie ich einen finden koennte, bis ich eines Tages
das Glueck hatte, Naosuke kennenzulernen. Er gefiel mir sehr, ich
wuenschte ihn naeher kennzulernen, aber ich haette nie den Mut gehabt,
es ihm zu sagen. Wir wurden Freunde und dann sagte er mir eines Abends,
er begehre mich ... Ich gab mich ihm hin und entdeckte, dass es viel
schoener war als mit Naoya. Naosuke wollte nicht nur seine Lust
befriedigen, sondern er wollte mich wirklich lieben. Das war fuer mich
eine ganz neue Erfahrung, ganz wunderbar! So habe ich mich in ihn
verliebt und gluecklicherweise verliebte er sich auch in mich. Und dann
hat er mich eines Tages gefragt, ob ich hier in Ihren Dienst treten
wolle und wir koennten somit gemeinsam einen Futon teilen.

Ich habe ihm gesagt, dass es mir sehr gefallen wuerde, aber dass wir ein
Problem bekommen koennten, wenn unsere Herrschaften uns erwischten. Er
hat mir erklaert, Sie wuessten alles ueber uns, und dass auch Ihr,
gnaedige Herren, Euch einander liebt und es wuenscht, dass wir uns
ebenso lieben koennten. Es scheint mir noch immer ein Traum zu sein, ein
wunderbarer Traum. Und jetzt moechte ich mein ganzes Leben fuer meine
Herren hingeben. Und ich hoffe, dass Ihr immer mit mir zufrieden und
gluecklich sein koennt", beschloss Nobuo seine Rede, die er in einem Zug
gehalten hatte. Er hatte noch nie so lange und auf einmal geredet. Er
schaute uns an, schwieg und erroetete.

"Haettest du es gerne, wieder mit dem Lernen zu beginnen, einiges zu
lesen?" fragte ihn Yukichi nach einer Weile.

"In den Mussestunden, ja, wenn es meinen Herren nicht missfaellt,"
antwortete Nobuo mit leuchtenden Augen an diesen Gedanken.

Yukichi versorgte ihn sodann mit Buechern, Papier und Pinseln und sagte
ihm, er moege uns ruhig bei etwaigen Problemen befragen. Nobuo strahlte
und begann sofort fleissig und eifrig. Manchmal fanden wir seine
Blaetter mit Schriftuebungen und Notizen ueber das, war er gerade
lernte. Anfangs war er ein Bisschen aengstlich, unsere Hilfe zu
erbitten, aber nachdem er sah, dass wir gerne bereit waren, wurde er
mutiger und kam zu uns, auch ohne zu fragen, ob er uns stoere. Mitunter
stellte ziemlich naive aber meistens doch intelligente Fragen, so dass
Yukichi und ich uns freuten, ihm in seinem Lerneifer zu helfen.

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CONTINUES IN BAND 9

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In my home page I've put some more of my stories. If someone wants to
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stories into German, so that I can put on-line more of my  stories in
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andrej@andrejkoymasky.com

(Sorry, I can't speak German... Andrej)

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