Date: Sat, 3 Jul 2010 11:43:04 +0200
From: Jens van Nimwegen
Subject: 'Selbstverschweinung #3'{Jens van Nimwegen}( MM bd exhib ws )[3!9]

Heute vor sieben Jahren - ich lebte noch ein einigermaßen bürgerliches
Leben - fasste ich einen Entschluss. Hier die Tagebuchaufzeichnung.



Ein Wochentag im Hochsommer, heiß. Seit dem Aufwachen bin ich geil, und das
muss ich den ganzen Tag bleiben. Verpisst, verschwitzt, halbnackt muss ich
meiner Geilheit bis zum Abend ausgesetzt sein. Nicht im stillen Kämmerlein:
unter Menschen, mich treiben lassen in der Großstadt, weit weg von sicheren
Zufluchtsorten, gezwungen, zu meiner Versautheit zu stehen. Jeder, der
einen Blick dafür hat, soll sehen dass ich eine perverse Gummisau bin. Ich
will nichts verbergen, Blicke und Bemerkungen ertragen. Mit klopfendem
Herzen. Oder stumpf. Oder stolz. Nur Gummi auf der Haut, und nur Gummi das
widernatürlich aussieht.

Nein: ein einziges Stück Textil erlaube ich mir: ein Schweinehemd aus
schmutziger Baumwolle, das die Titten nicht bedeckt, das mich nackter und
obszöner erscheinen lässt als ein nackter Oberkörper. An Orten, wo ein
nackter Oberkörper nicht akzeptiert wird, will ich zu diesem Hemd gezwungen
sein.

Ich rasiere meinen Schädel, lasse aber einen Schweinestreifen stehen. Jeder
soll sehen, dass ich nicht kahl bin, sondern freiwillig geschoren. Außerdem
finde ich, dass es geil aussieht zu dem großen, schweren Ohrring.

Ich kleide mich an.

Schwanzring, Metall, dick, 600 Gramm.

Radlerhose aus schwarzem Gummi, mit gelben Streifen an den Seiten, dünn,
eng, ohne Reißverschluss. Alles zeichnet sich deutlich im rechten Hosenbein
ab: Eichel, Schwanzring, Eier. Der Gedanke, dass ich nicht einfach den
Schwanz rausholen kann zum Pissen, macht mich noch geiler. Ich trinke zwei
Liter Wasser.

Locker schräg über den Hüften ein schwerer Gürtel aus Industriegummi, ohne
Zweck.

Waders aus schwarzem Gummi, ungefüttert, innen und außen noch dreckig vom
letzten Schlammbad. Wenn ich sie nicht umschlage, gehen sie bis zur Hose
und sehen für die Stadt viel zu extrem aus. Umgeschlagen sind sie so hoch
wie normale Gummistiefel, aber viel auffälliger. Und zeigen dass sie auch
innen verschlammt sind.

Als einziges Gepäck genehmige ich mir einen schwarzen Baueimer. Jeder soll
meine wenigen Habseligkeiten sehen können: eine Handvoll Münzen, lose im
Eimer, das Hemd, eher ein kleiner Fetzen, und zwei halblange schwarze
Gummihandschuhe. Anderthalb Meter durchsichtiger Aquariumschlauch. Später
wird der Autoschlüssel und ne Fahrkarte dazukommen.

Ich fahre mit dem Auto ins Ruhrgebiet, barfuß, Eimer und Stiefel neben
mir. Schon am Morgen ist die Hitze drückend. Meine Blase wird langsam voll.

In Duisburg parke ich in irgendeiner Vorstadtstraße und kaufe eine
Tageskarte für die Straßenbahn. Erster Kontakt mit Menschen, nur bekleidet
mit Schwanzring und Hose; Eimer und Stiefel bleiben noch im Auto. "Mann,
hiea laufen se schon baahfuß, so wahm isset."

Am Kiosk die ersten glotzenden Blicke; ich gewöhne mich schon daran.

Zurück zum Auto und dann mit Eimer und Stiefeln zur
Straßenbahnhaltestelle. Das Hemd ziehe ich an: in Düsseldorf bin ich schon
mal vom Sicherheitsdienst angemacht worden, weil man in Straßenbahnen nicht
mit nacktem Oberkörper fahren darf. Im Eimer sind Handschuhe, Münzen und
die Fahrkarte gut sichtbar. Jetzt erst mal weit weg vom Auto, dem letzten
Zufluchtsort!

In Marxloh steige ich um. Hier sind viele Leute. Als ich an der Haltestelle
warte, beginnt der Fahrer eines Lieferwagens an zu schreien und
schimpfen. "Schwule Sau" und schlimmeres. Er kommt ins kreischen und kann
gar nicht mehr aufhören. Niemand an der Haltestelle lässt sich was
anmerken, aber ich fühle mich unwohl. Nun ja, da muss ich durch, und
hoffentlich war das dann auch schon das Schlimmste für heute.

Die Duisburger Straßenbahnlinien sind lang. Ich dämmere in der Hitze dahin,
und das Rütteln der Bahn erregt mich.

Ich muss pissen. In einer öden Hafengegend steige ich aus. Die nächste Bahn
kommt erst in 20 Minuten. Die verlassene Haltestelle ist auf dem
Mittelstreifen vor einer Kreuzung. Dauernd halten Autos vor der roten Ampel
neben einem. Die Stiefel habe ich ausgezogen. Barfuß stehe ich auf dem
heißen Asphalt. Ich lasse die Pisse laufen, stehe in einer Pfütze die
langsam Richtung Rinnstein sickert. Ich habe doch ein wenig
Herzklopfen. Aber kein Autofahrer schaut her.

Dann erscheint ein Skater und kommt auf die Haltestelle zu. Ich stelle mich
ans andere Ende, weg von der Pfütze. Er soll sich ruhig wundern wo die in
dieser staubigen Hitze herkommt, aber ich wage es doch nicht, darin stehen
zu bleiben. Muss ich noch lernen.

Dann kommt die Straßenbahn, und ich steige barfuß ein, den Eimer in der
einen, die Stiefel in der anderen Hand. Ich setze mich irgendwo hin,
breitbeinig, Eimer und Stiefel zwischen den Beinen, und nehme mir vor, bis
zur Endhaltestelle einfach zu dösen und nicht auf die Leute zu achten.

In der Innenstadt wird die Bahn sehr voll. Ein Türke von ungefähr achtzehn
Jahren schaut immer wieder auf meine Hose. Dann fasst er sich ein Herz:
"Wollen Sie schwimmen?" Ich schaue durch ihn hindurch und reagiere
nicht. "Schwimmen? Schwimmen?" Er macht Schwimmbewegungen um sich zu
verdeutlichen. Soll er!

Die Bahn wird wieder leer, und an der Endhaltestelle steige ich um in die
nach Düsseldorf. U-Bahn nennen die das hier, weil diese stinknormale
Straßenbahn unterm Bahnhof ein paar hundert Meter eingegraben ist. Sie
taucht bald wieder auf und zuckelt durch trostlose Vororte, bis sie auf
einmal durch menschenleere Weiden am Rheinufer fährt. Adieu Ruhrgebiet, wir
nähern uns der Landeshauptstadt.

Aber erst Kaiserswerth. Ich ziehe die Stiefel an, das Hemd aus, steige aus
und gehe durch das verschlafene Örtchen mit seiner nach Drittem Reich
muffender Kaiserpfalz und überall reichen Rentnern vor den Schaufenstern
und in Cafes.

Ich habe Hunger und Durst. In Kaiser's Supermarkt kaufe ich zwei Liter Saft
und einen Liter Yoghurt mit Haferflocken. Die Kassiererin schaut auf meinen
Eimer und die Gummihandschuhe und fragt: "Wollen Se wirklich die Fische
hier aus dem Fluß essen?" Sieh da, ich bin ein Angler, niemand ahnt was
Böses.

Draußen schütte ich mir den Yoghurt in den linken Stiefel, den ganzen Saft
in den rechten und werfe die Verpackung in den Papierkorb. Ich gehe zum
Fluß. Ich muß den richtigen Rhythmus finden damit rechts nichts
herausschwappt und damit es nicht all zu laut gluckst. Das kühle Zeugs an
den Füßen tut gut. Die glitschigen Haferflocken zwischen den Zehen geben
ein beinahe psychedelisches Gefühl, und der Gedanke, dass ich das bald
irgendwie essen muss, ohne jegliche Hoffnung auf Würde, macht mich ganz
kirre. Mitten unter den Leuten werde ich es nicht wagen, also muss ich
einen geeigneten Platz suchen, während ich bei jedem Schritt mein Essen
zwischen den Zehen fühle.

Erst mal setze ich mich auf dem Rheindeich auf eine Bank. Überall schlurfen
Rentner herum. Egal! Ich stecke den Schlauch, der immer noch im Eimer
liegt, in den rechten Stiefel und gebrauche ihn als Trinkhalm. Der Saft tut
gut, und wenn ich ihn ganz auftrinke, kann ich wieder gehen ohne bei jedem
Schritt zu glucksen.

Dann suche ich mir einen Platz in der Nähe der Pfalz, etwas außerhalb des
Blickfeldes der Rentner, und ziehe den linken Stiefel aus. Zuerst nehme ich
mit der Hand was an meinem Fuß klebt, auch zwischen den Zehen, und schiebe
es mir in den Mund. Dann esse ich direkt aus dem Stiefel. Ich habe
Herzklopfen dabei, schaue auch immer wieder um mich, ekelhaft finde ich es
nicht. Ich beginne mich ganz natürlich zu fühlen in meiner Versautheit. Ich
nehme mir vor, bei nächster Gelegenheit in einer perversen Kneipe auch mein
Bier aus dem Stiefel zu saugen. So brauche ich nicht immer ne Flasche
herumzutragen, und keiner kann mir was wegnehmen.

Dann lege ich mich auf den Waldboden und schlafe etwas. Meine Pisse lasse
ich einfach laufen.

Ich kaufe ein paar Brötchen, werfe sie unverpackt in meinen Eimer und gehe
wieder zur Straßenbahn.

Auf in die Landeshauptstadt! Ich habe da meine Erfahrungen.

Voriges Jahr hatte ich im Industriegebiet am anderen Rheinufer zu
tun. Gummishorts, Schwerer Gummigürtel mit kleinem Täschchen für Geld und
Schlüssel, BW-Stiefel, kein Hemd, kein Gepäck. Es war warm, nicht
heiss. Und auf einmal hatte ich Lust auf Innenstadt. Ich fuhr mit der
Straßenbahn in die Altstadt. Saugutes Gefühl: fast nackt unter all diesen
Touristen. Ich beschloß, einen Headset für mein Handy zu kaufen. Musste zum
dritten Stock. Schwer war es, als mir mit der anderen Rolltreppe eine
gackernde Mädchenklasse entgegenkam. Durch sowas muss man durch. Die
Entschädigung: so ne Düsseldorfer Edeltucke mit gefärbten Haaren und
gebügelter Lederhose. Dem fielen vor Schreck die Augen aus dem Kopf. Na ja,
dann hat er in der Oper heute Abend was zu erzählen.

Ja, und als ich unterirdisch wieder auf die Straßenbahn wartete, kamen die
Wachmänner. Ein blockwartmäßiger Typ und ein verhuschter. Ob ich mit der
Straßenbahn wahren wolle? Ja, hier mein Fahrschein. Dann ziehen Sie bitte
ein Hemd an. Es ist unhygienisch, mit freiem Oberkörper zu fahren.

Es war schon lächerlich. Jeder konnte sehen, dass ich bestimmt ganz und gar
kein Hemd irgendwo verteckt haben konnte. Ich fühlte, wie mein Schwanz
anwuchs. Der verhuschte schaute hin.

Der Blockwart wurde immer lauter. Ich zischte ihn an. Ob er nun als
professioneller Wachmann hier unbedingt alle auf uns aufmerksam machen
wolle. Und wo das stünde, dass ein nackter Oberkörper unhygienisch sei. Der
verhuschte zog ihn am Arm. Dann kam der Kompromissvorschlag. Wo ich denn
hin wolle. Fünf Haltestellen. Ja, dan fahren Sie. Ausnahmsweise. Aber
setzen sie sich nicht hin und lehnen Sie sich nirgendwo an.

Düsseldorf halt. Das sollte in Berlin mal einer probieren... Nun gut, statt
unauffällig zu sitzen stand ich nun bei der Rückfahrt in voller Größe in
der Bahn.

Heute habe ich keine Lust auf sowas. Darum das tittenfreie Hemd.

Es ist zu heiss um in der Landeshauptinnenstadt rumzulaufen. Ich steige in
die S-Bahn nach Essen. Die ist fast leer, ich kann die Landschaft genießen,
dösen und durch die Hose meinen Schwanz steif halten. Der Ring hilft
dabei. Als der Schaffner kommt, hab ich ne knallharte Erektion.

Villa Hügel. Da war ich im Frühjahr mit dem Köter 26-43. Am Parkeingang
störte sich der Pförtner gar nicht an dessen Aufzug. Wir wollten nur in den
Park, aber er sagte, für den Euro Eintritt können Sie sich auch in der
Villa umschauen. Ich schickte den Köter rein, liess ihn aber doch seine
Lederjacke anziehen. Er hatte es an dem Tag schon schwer genug gehabt in
seinem neuen Schweinehemd und den zerrissenen Siffjeans.

Heute setze ich mich nur in den Garten der Kneipe am Bahnhof, trinke Kaffe,
geniesse die Aussicht über den Baldeneysee und lasse meine Pisse in die
Stiefel laufen.

Weiter Richtung Essen. Mehr Natur, dösen, entspannen.

Essen ist ätzend wie immer. Leider scheint es diese marode Kneipe nicht
mehr zu geben, wo einem fiese Pötter direkt an die Hose greifen. Löschzug
oder so, unter dem Bahndamm. Heute wäre ich da mal gerne reingegangen.

Es ist heiß. Zu heiß für Gummistiefel. Ich nehme sie in die Hand. In den
Eimer passen sie ja nicht. Das Hemd liegt da inzwischen aber wieder drin.

In der sogenannten U-Bahn nach Mülheim esse ich meine Brötchen. Dazu ziehe
ich die Gummihandschuhe an, denn meine Hände sind klebrig vom Schweiß.

Zu sehen gibt es neben den Bahngleisen wenig. Nach den blasierten
Düsseldorfern beginne ich die abgestumppften Pötter mit ihren Bierwampen
fast zu mögen. Ein paar junge Türken schauen mir ausgesprochen neidisch auf
die Beule, trauen sich aber nicht, über mich zu reden.

Die Bahn von Mülheim nach Duisburg führt über eine uralte Landstraße
zwischen den beiden Stadtzentren. Es ist wie eine Reise durch verschiedene
Jahrhunderte. Ne Tanzschule im Stil der Fünfziger Jahre. Das älteste
Wirtshaus des Ruhrgebietes. Fachwerkhäuser, mißglückte Villen. Zoo mit
Delphinen. Fickwald.

Dann eine Baustelle. Zwei junge Männer fallen mir auf: perfekter Körperbau,
Millimeterhaarschnitt, großer Ohrring, nackter Oberkörper, schwarze
Zimmermanshose mit breiten Lederriemen, schwere Arbeitsstiefel. Ich steige
aus und gehe zurück. Setze mich hin und schaue zu.

Ein Kanalisationsrohr wird gelegt. Ungefähr zwanzig Arbeiter murksen herum,
unauffällig, in langweiligen Arbeitsklamotten, träge in der Hitze des
Spätnachmittags. Und dazwischen diese zwei Götter. Sie sehen viel zu gut
aus für Kanalarbeiter, aber sie scheinen die ganze Baustellle zu
regeln. Machen andauernd was anderes: Bagger fahren, Lastwagen rangieren,
Kabel ziehen. Es sind deutlich die Körper von Bodybuildern. Aber sie
verstehen auch die schwere Arbeit und das Fach. Sie sind die einzigen mit
freiem Oberkörper. Ihre Hosen sitzen perfekt.

Ich fahre weiter als sie beginnen zusammenzupacken. Werde nie wissen wie
dieses Wunder zustande kam und was für Männer das waren.

Jetzt kann eigentlich micht mehr viel geschehen. Ich fahre zum
Landschaftspark, verstecke die Stiefel im Gebüsch und klettere nur mit der
Hose bekleidet auf den Hochofen, um die Abendsonne und die Aussicht zu
geniessen. Langsam wird es kühler, und da oben ist Wind. Auf der Treppe,
beim Steigen, lasse ich meine Pisse laufen.

Leider kommen hier heute keine interessanten Männer rauf. Inzwischen bin
ich so geil dass mein Schwanz von selbst steif bleibt. Ich hocke mich in
eine Ecke mit Aussicht und döse weg. Bei der geringsten Berührung könnte
ich abspritzen, aber das will ich nicht, solange ich unterwegs bin.

Ich wache auf. Es dämmert und ist kühler. Ich fahre nach Hause, geil und
glücklich.



Soweit die Aufzeichnung. In dieser Nacht beschloss ich, mein Leben zu
ändern.

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