Date: Wed, 23 Feb 2011 11:36:50 +0100
From: A.K. <andrej@andrejkoymasky.com>
Subject: Liegt was vor mit Namen Schicksal 01/10 (German)

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LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL...
von Andrej Koymasky © 2011
am 5. Juni 1994 geschrieben
Uebersetzung ins Deutsche von Mario Mosa
ueberarbeitet von Bernd Schneider ©2011

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USUAL DISCLAIMER

"LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL..." is a gay story, with some parts
containing graphic scenes of sex between males. So, if in your land,
religion, family, opinion and so on this is not good for you, it will be
better not to read this story. But if you really want, or because YOU
don't care, or because you think you really want to read it, please be
my welcomed guest.

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BAND 1 - I - DIE INITIATION

(ORBEMERKUNG: Jedem Kapitel ist ein original Haiku (traditioneller Vers)
des Autors vorangestellt, mitunter findet sich auch ein Haiku in der
Erzaehlung.

Die Geschichte traegt sich in der zweiten Haelfte des XIX. Jahrhunderts
und am Anfang des XX. Jahrunderts zu.

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Alles ist vergessen,
sogar weit entfernt -
die Kleidung wird gewechselt !

Wenn es wirklich so etwas wie ein Schicksal gibt, dann wurde das Meinige
von meinem Vater in meinem 14. Lebensjahr bestimmt. Dieses Schicksal
heisst Glueck, jetzt darf ich es sagen, obwohl ich damals genau das
Gegenteil dachte. Wenn man aber vorwaerts schaut, kann man nicht immer
erkennen, in welcher Richtung der Weg geht, nicht einmal waehrend man
auf ihm unterwegs ist, und noch weniger, wenn man ihn widerwillig
begeht.

Ich war vierzehn Jahre alt und der dritte der vier Soehne Fujita
Monzaemons: der erste war Heizaemon, damals neunzehn Jahre alt, dann kam
Zenbel, siebzehn, dann kam ich, Shigehide, und schliesslich kam
Nagahide, damals zwoelf Jahre alt. Es war eine Zeit grosser
Veraenderungen, grosser Neuheiten, aber auch grosser Unsicherheiten.

Unser Vater, ein Liebhaber der Kultur, verlangte, dass alle seine vier
Soehne lernten und daher bezahlte er grosszuegig verschiedene
Privatlehrer, die uns zu Hause unterrichteten. Er hatte sie unter den
Besten der damals zu findenden unserer Gegend ausgewaehlt. Dank des seit
mehreren Generationen durch unsere Vorfahren angesammelten und von ihnen
und unserem Vater klug verwalteten Wohlstands konnte er es sich
gestatten. Ich lernte gern und es machte mir Freude, und ich haette gern
ein gebildeter Mensch werden wollen. Besonders interessierten mich die
chinesischen Studien, aber auch fuer unsere Literatur der Vergangenheit,
besonders die Erzaehlkunst der Genroku-Zeit (ca. um 1700).
Wahrscheinlich, wenn ich jetzt daran denke, gefiel mir mein Lehrer und
darum auch das, was er unterrichtete.

Dieser Lehrer war ein achtundzwanzigjaehriger Mann, Sohn eines minderen
Samurai unseres Lehnguts, der Ishiyama Hirosato hiess. Sein Vater war
ein vertrauter Freund unseres Vaters, unabhaengig seines niedrigeren
Ranges. Ich fragte mich, ob sie in jungen Jahren einander Liebhaber
gewesen seien. Sicher gefiel mir Hirosato-Sensei (ehrende Anrede:
Lehrer, Meister) sehr - und nicht nur als Lehrer. Er war sehr maennlich
- und doch hatte er eine Neugier weckende Sanftmut. Er hatte nicht nur,
um es so zu sagen, einen vollkommenen Koerper, was ungewoehlich ist bei
einem Gelehrten oder einem Mann des Studiums, welche Neigung zur
koerpelichen Bequemlichkeit haben und die nicht selten wenig Wert auf
ihr Aeusseres legen. Nicht so bei Hirosato-sensei. Um es kurz zu sagen -
ich verliebte mich leidenschaftlich in ihn. In meinem Sinn und Herzen
spuerte ich nur eine Bestimmung - ich wollte sein werden, ihm gehoeren,
fuer immer ihm gehoeren. Und ausgerechnet das Studium der
Genroku-Literatur gab mir den Anlass dazu. Wir studierten einen Text,
der die Liebe zwischen einem jungen Samurai mit Namen Shigetsugu und dem
Pagen Yukichi seines Herrn behandelte.

"Waere Shigetsugu so schoen wie Hirosato-sensei gewesen, so haette ich
auch nicht darauf verzichten koennen, mich in ihn zu verlieben", sagte
ich ploetzlich, ohne zu wissen, woher ich den ganzen Mut gefunden hatte,
ihm meine Gefuehle mitzuteilen, und ohne es zu wagen, ihm ins Gesicht zu
schauen.

Das Schweigen auf meine Worte, schien mir endlos. Ich glaubte, die
Schlaege meines Herzens als ohrenbetaeubenden Laerm zu hoeren, aehnlich
den der Pferde im Galopp waehrend des Matsuri-Festes (traditionelle
Feste zur Zeit der Kirschbluete und der Reisernte) bei unserem
Familientempel. Ich hielt den Atem an, mein Koerper zitterte.

"Und waere Yukichi auch nur halb so schoen wie Shigehide-dono (Sohn
meines Herren) gewesen, dann waere er sehr bewegt und darauf stolz
gewesen, seine Liebe zu empfagen", fluesterte mein Lehrer, als er meine
Hand leicht streifte, mit der ich das Buch hielt, um den Text zu
untersuchen. Ich schaute auf die Hand, legte das Buch nieder und legte
mit einem leichten Streicheln meine Hand auf die Seine.

"Aber ihre Liebe hatte ein tragisches Ende", sagte Hirosato-sensei mit
suesser Stimme.

"Aber das war es sicher Wert, denke ich."

"Ja, auch wenn es nur einen einzigen Tag statt eines ganzes Jahres
gedauert hat. Shigehide-dono, sind Sie sich darueber im Klaren, worum
Sie mich bitten?"

"Sensei, dieser Knabe vor Ihnen moechte sehr gerne Hirosato-sensei
gehoeren, ihm ganz und nur ihm gehoeren."

Er war mein erster Mann. Er pflueckte mich wie eine kostbare Blume, mit
aeusserster Zartheit, aber auch mit Waerme, die mich bis heute nicht
verlassen hat. Er veraenderte mich mit seiner Liebe und seiner
Leidenschaft vom kleinen, kaum der Geschlechtsreife entwachsenen Jungen
in einen Mann, in einen vollstaendigen Mann. Und er lehrte mich alle
feinen Kuenste der Liebe zwischen Maennern. Und ich wurde sein, ganz und
gar gehoerte ich ihm.

Unser Verhaeltnis dauerte nicht nur einen einzigen Tag, aber
ungluecklicher Weise auch kein ganzes Jahr. Aber in meinem Leben steht
es dennoch fuer eine der grossartigsten, leuchtendsten, waermsten Zeit.
Die Stunden der Intimitaet mit Hirosato waren die allerschoensten,
intensivsten und suessesten meiner ganzen Jugendzeit. Wenn er mich in
seine starken Arme nahm, immer wenn er mich nahm und mich zu eigen
machte und jedes Mal, wenn ich ihn als Mann in mir spuerte, versank die
Welt um mich herum.

Ich haette gerne mein Glueck jener wunderbaren Tage, jener von mir
wunderbar entdeckten Liebe hinaus in die ganzen Welt schreien wollen.
Und diese Liebe erfuellte mich und ich erfuhr sie einen Tag nach dem
anderen. Und spaeter bereute ich es sehr, dass ich nicht den Mut gehabt
hatte, damals meine Liebe hinauszuschreien. Haette ich es getan, waeren
wir heute vielleicht noch zusammen - oder vielleicht auch nicht. Ueber
wieviel Macht verfuegen wir wirklich, um unserem Leben die von uns
gewuenschte Richtung geben?

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Eines Tages rief unser Vater uns alle zu sich. Als wir sein Zimmer
betraten und wir seine beiden Schwerter im Tokonoma (Schmucknische)
ausgestellt sahen, wussten wir, dass er uns aus einem sehr ernsten Grund
gerufen hatte.

"Die Fujita haben eine lange Geschichte hinter sich. Es fing an, als
Kichizaemon in den Dienst der Maeda (Adelsgeschlecht ab dem 15. Jh.)
trat, vor fuenfzehn Generationen. Diese Geschichte war immer ehrenvoll,
da alle unsere Vorfahren zwei wesentliche Gaben immer haben vereinen
koennen: Treue und Weitsicht.

Wir leben in einer Zeit grosser Veraenderungen. Unser Kaiser hat
beschlossen, die Hauptstadt nach Yedo (heute Tokio) zu verlegen. Ein
neues Japan entwickelt sich jetzt und wer sich dem Werke Seiner
Majestaet in dieser Zeit an die Seite stellt, wird dieses neue Japan
mitgestalten koennen. Und wie schon immer, werden die Fujita kein
unbetraechtlicher Teil sein.

Unter diesen Umstaenden habe ich beschlossen, dass ihr alle vier nach
Yedo umzieht. Ihr werdet im Haus unseres entfernen Verwandten wohnen,
Mori Arinori, der mit den Verhaeltnissen der neuen Politik gut vertraut
ist. Mori hat mir versprochen, dass er dir, Heizaemon, behilflich sein
wird auf dem Weg in die Politik und du, Zenbei, darfst bei der
Umgestaltung des Heeres Seiner Majestaet mithelfen.

Betrachtet man die immer groesser werdende Bedeutung unserer Beziehungen
zu fremden Staaten fuer die kommende Entwicklung des neuen Japan, so
wirst du, Shigehide, die Schule fuer Westliche Studien besuchen und die
deutsche Sprache erlernen.

Und du, Yasuhide, wirst als Page an den Hof der Konoe (Fuerstenfamilie
mit hohem politischen Einfluss) gehen und ihnen dienen. Somit haben wir
Fujita die Ehre und leisten gleichzeitig einen ehrenvollen Beitrag fuer
das neue Japan und koennen das Schicksal unserer Familie und unseres
Namens im neuen Japan hochhalten."

Fuer mich war es ein furchtbarer Schlag. Ich wollte auf keinen Fall von
Hirosato-sensei getrennt werden und auf keinen Fall war ich an den
Studien der 'Barbaren des Suedens' interessiert, wie die Westler seit
alters her bei uns bezeichnet wurden. Aber ich fand nicht den Mut, von
der Liebesbeziehung zu sprechen, die mich mit meinem Lehrer verband.
Alle meine Versuche, durch Ausreden meinen Vater zu einer anderen
Entscheidung zu bewegen, damit er mich hier bleiben liesse, blieben
erfolglos. Im Gegenteil veranlassten sie meinen Vater sehr veraergert
gegen mich zu werden.

Ich plante Ungehorsam, Flucht und vieles mehr. Aber Hirosato riet davon
ab: "Ich koennte nicht mehr einen Mann weiter lieben, der sich weigert,
seinen Pflichten nachzukommen, die Verantwortung zu tragen, die seine
Familie von ihm verlangt", sagte er und nur die offensichtliche
Traurigkeit in seinen Worten liess mich verstehen, dass unsere Trennung
auch fuer ihn ein hoher Preis war. An jenem Tag hasste ich unseren Vater
von ganzem Herzen.

Heute kann ich ihm nur danken.

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Ende des Monats Maerz kamen wir nach Yedo, um es genauer zu sagen nach
Tokio, wie die Stadt vor nicht ganz einem Jahr (1868) umbenannt worden
war, das bedeutet 'Oestliche Hauptstadt'.

Bei der Wohnung der Moris handelte es sich um ein neues Haus, sehr
gross, obwohl es noch nicht ganz fertig war, das sich im Gebiet von
Akasaka erhob und von einem weiten Garten umgeben war. Wir waren sehr
wohlhabend, aber die Mori waren sehr viel reicher als wir. Mori Arinari
hatte sechs Kinder, darunter nur einen Sohn, Ryoichi, der damals
achtzehn Jahre alt war. Ryoichi war mir vom ersten Moment an unangenehm.
Er hielt sich fuer etwas Besseres und wies uns immer darauf hin, dass
wir aus der 'Provinz' kamen. Er verspottete uns wegen unseres Akzents
und der Art wie wir uns kleideten. Aber da er der Sohn von Mori war,
mussten wir ihm unseren Respekt erweisen. Heizaemon lernte zusammen mit
ihm an der selben Schule. Gluecklicherweise besuchte ich in eine andere
Schule. Hier sah ich auch zum ersten Mal die Art, sich westlich zu
kleiden. Alle, sowohl Lehrer als auch Schueler, mussten tatsaechlich
jene seltsamen Kleider tragen. So musste auch ich jene unbequeme
Schuluniform anziehen.

Meine Auffassung ueber die westlichen Kleider, an die ich nunmehr
gewoehnt bin, hat sich bis heute geaendert. Aber damals sah sie mir
seltsam, ungewoehnlich und sehr unbequem aus. Heute denke ich, dass auch
die westlichen Kleider ihre Vorzuege und Fehler haben, wie letztlich
auch unsere Bekleidung.

Der Kimono ist eine bequemere Art sich zu kleiden. Der Koerper fuehlt
sich frei und wohl. Ausserdem haben die Koerperformen keine oder nur
geringe Bedeutung, wenn man einen Kimono traegt. Beim Tragen eines
Kimonos ist die Haltung, die Bewegungsweise von Bedeutung. Ferner, eben
weil die Koerperformen weniger offensichtlich werden, kommt beim Kimono
dem Gesicht wirklich eine wichtige Bedeutung zu, der einzige wirklich
individuelle Zug eines Menschen, sei es Mann oder Frau im Kimono.
Schliesslich wirkt eine im Kimono gekleidete Gestalt sehr Elegant,
wodurch alle Bewegungen fliessender, weicher und anmutiger werden.

Die westliche Kleidung unterstreicht hingegen die Koerperform des
Anzugtraegers. Hat die Person einen schoenen Koerper, kann es sehr
angenehm sein, ihn in westlicher Kleidung zu sehen, besonders weil dies
bei einem Mann jene Koerperteile erraten laesst, die meinen Blick stets
anzogen. Aber das wurde ich mir erst spaeter bewusst. Anfangs empfand
ich sie als unbequeme Kleider, die den Koerper binden und einschnueren
und ihn weniger elegant aussehen lassen.

Als ich westliche Kleidung trug, fuehlte ich mir wie in einer
Kostuemierung oder, um es deutlicher zu sagen, wie eine nackte Puppe.

Anfangs war ich sehr traurig, weil ich mich hatte von Hirosato-sensei
trennen muessen und gezwungen war, in jener fremden Umgebung zu leben.
Vielleicht habe ich auch deswegen die vielen neuen Eindruecke nicht
sofort schaetzen koennen, die dies neue Leben mir anbot.

Ich litt sehr, ich hatte meinen Mann furchtbar vermisst. Mir fehlte
seine Anwesenheit, seine Stimme, sein Blick, seine Waerme, sein Koerper,
seine Haende auf meinem Koerper. Ich vermisste die Stunden der
Intimitaet mit ihm, die unaufhoerlichen Beweise seiner Liebe zu mir, ihm
meine Liebe schenken, mich ihm voellig hinzugeben und ihn in mir
willkommen zu heissen. Ohne ihn an meiner Seite fuehlte ich mich wieder
wie der kleine Junge von damals. Ja, ich war noch immer ein Junge, aber
er hatte mir das Gefuehl gegeben, ein Erwachsener zu sein. Sicher,
zuversichtlich, gluecklich. Aufgrund der Plaene meines Vaters war ich
jetzt jedoch ungluecklich und unsicher, auch wenn ich es nicht zeigte in
diesem riesigen, fremden Haus, unter diesen eigentuemlichen Leuten.

Die Moris, Eltern und Kinder, liebten unglaublich alles was aus dem
Westen kam. Sie zogen fast immer westliche Kleider an, assen westliche
Speisen und im Haus hatten sie sogar einige Zimmer nach westlichem Stil
einrichten lassen. Als ich auf jenen grossen, seltsamen Stuehlen sass,
fuehlte ich mich furchtbar behindert. Ich zog vielmehr mein
traditionelles Zimmer und meinen Kimono vor und auf meinem Tatami
(Reisstrohmatte) zu sitzen.

Sobald ich von der Schule nach Hause kam, zog ich sofort jene fremden
Kleider aus und meine bequemere traditionelle Kleidung an. Ich hatte
viel zu lernen, daher verbrachte ich die meiste Zeit in meinem kleinen
Zimmer. Ich war darueber gluecklich, weil ich mich nie sehr mit der
Familie Mori angefreundet hatte. Ich fuehlte mich wohl, wenn ich allein
in meinem Zimmer bleiben konnte, abgesehen von meiner Sehnsucht nach
Hirosato-sensei.

Diese Sehnsucht nach Hirosato war moeglicherweise der Grund dafuer, dass
ich Saburos werben akzeptierte.

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Saburo war ein junger Diener der Familie Mori. Er war ein schoener
junger Mann von vierundzwanzig Jahren. Von Anfang an hatte ich bemerkt,
dass er mir besondere Beachtung schenkte, aber ich glaubte, der Hausherr
habe ihm befohlen, dass er sich um mich besonders zu Sorgen habe und
dass er seine Pflichten einfach sorgfaeltig erfuellte. Im Hause der Mori
fehlte es nicht Dienern. Saburos hatte ein offenes und liebenswuerdiges
Laecheln. Ich war noch nicht fertig, einen Wunsch auszusprechen, da tat
er alles, um meinen Wunsch zu erfuellen. Jeden Abend bereitete er meinen
Futon (Schlafmatte) aus und legte ihn jeden Morgen wieder beiseite, er
wechselte die Kerzen, bevor sie vollstaendig niedergebrannt waren, er
liess es nie an frischen Fruechten in meinem Zimmer fehlen, er rief
mich, sowie das Badewasser richtig temperiert war und er goss Wasser
ueber mich, um mir die Seife abzuspuelen.

Nachdem ich einige Monate Gast im Hause Mori war, waren wir im Bad und
Saburo bot mir an, meinen Ruecken waschen. Ich dankte ihm und
akzeptierte es. Seine Haende auf meinem Koerper waren zart, stark und
angenehm - um die Wahrheit zu sagen, sogar sehr angenehm. Darum er es
bemerkte auch - und laechelte mich an.

"Es gefaellt Fujita-sama (ehrenwerter Herr), wie ich ihm den Ruecken
wasche, nicht wahr?" fragte er mich mit warmer und sanfter Stimme.

" ............"

"Gestattet es Fujita-sama einem einfachen Diener wie mir, dass ich ihm
den ganzen Koerper waschen moege," fuegte er hinzu und ohne auf meine
Antwort zu warten streiften seine eingeseiften Haende leicht ueber die
Vorderseite meines Koerpers mit langem, ausfuehrlichem Streicheln. Es
war so angenehm, dass ich ihn gewaehren liess.

"Fujita Shigehide-sama ist wirklich sehr schoen. Er sieht viel reifer
aus als fuenfzehn Jahre. Es ist eine Ehre fuer mich, die Erlaubnis zu
haben, ihm auf diese Weise dienen zu koennen."

" ............"

Meine Augen blieben an dem angeschwollenen und zuckenden Fundoshi
(Lendenwickel) des jungen Dieners haengen. Er bemerkte es, doch er sagte
nichts. Mit einer Handbewegung loeste er seinen Lendenschurz und liess
ihn sanft und langsam auf den Boden gleiten. Meine Augen und meine
Haende hatten nun kein Hindernis mehr. Obwohl ich etwas unsicher war, ob
es erlaubt sei, etwas mit dem Diener meiner Gastgeber und in ihrem Hause
zu tun, sowie auch, dass irgendwer haette ploetzlich ins Bad
hereinkommen koennen, liess ich ihn gewaehren und Saburo wusch meinen
ganzen Koerper.

So begann mein Verhaeltnis mit Saburo. Verhaeltnis, nicht Liebe. Jedes
Mal, nachdem wir Liebe gemacht hatten, schwor ich mir, es waere das
letzte Mal gewesen, aber sobald er mich beruehrte, war ich bereit, es
wieder zu machen. Was mich in meinem Innersten hinderte, war nicht, dass
er ein Diener war, sondern dass ich noch immer tief in Hirosato verliebt
war, ich den Eindruck hatte, ihn zu betruegen. Aber Saburo war zu
aufreizend, er wusste sehr gut, mich zu verfuehren. Es war mir nicht
moeglich, ihn abzuweisen. Seine Haende auf meinem Koerper waren faehig,
Wunder zu wirken. Ich haette schon viel Kraft gebraucht, ihm wirklich zu
widerstehen.

Was meine Schuldgefuehle mehrere Monate nach dem Anfang meiner
Geschichte mit Saburo mindestens teilweise minderte war die Nachricht,
dass Hirosato inzwischen geheiratet hatte. Ich fuehlte mich noch
betroffener, als ich erfuhr, dass er einen anderen Jungen habe. Und doch
ich war nach wie vor von tiefer Liebe zu Hirosato erfuellt.

Ich glaube nicht, dass Saburo in mich verliebt war. Er tat nichts, was
mich es denken liess. Ich gefiel ihm einfach sehr und er wusste es mir
mit seinem starken und schoenen, schlanken Koerper zu beweisen.

Waehrend des Tages verhielt er sich wie ein treuer, respektvoller,
aufmerksamer und zuvorkommender Diener.

Aber wenn er nachts im Schutz Dunkelheit geraeuschlos in mein Zimmer
schlich, und mich mit zartem Streicheln weckte, wenn er unter meine
Bettdecke kroch, seinen nackten Koerper an meinen legte, dann war er
heiss und leidenschaftlich wie ein richtiger Liebender. Wenn er mich
nahm, fluesterte er suesse und wunderbare Worte. Trotz seiner geringen
Bildung, hatte er dennoch die Seele eines Dichters. Ich genoss es, unter
ihm zu liegen und seine Bewegungen auf mir und in mir zu spueren. Jedes
Mal nach unserer schoenen, langen Vereinigung reinigte mich Saburo
wieder mit zarter Sorgfalt und dankte mir mit tiefer Verbeugung. Dann
entfernte er sich wieder ebenso geraeuschlos, wie er gekommen war.

Nein, es war mir unmoeglich, ihm 'nein' zu sagen. Ich benoetigte ihn,
seinen Koerper, seine Waerme, seinen Akt. Aber im Unterschied zu
Hirosato fuehlte ich mich mit ihm nicht als Mann, sondern nur als der
Knabe, der ich noch immer war. Spaeter fragte ich mich nach dem Grund
dieses Unterschiedes, ohne jedoch eine Antwort zu finden. Oder
vielleicht war die Antwort eben der Mangel an Liebe zwischen mir und
Saburo. Vielleicht war es so, dass eben die Liebe mir das Gefuehl gab,
ein Mann zu sein, die Tatsache, Liebe zu geben und auch faehig zu sein,
Liebe zu empfangen.

Mein Verhaeltnis mit Saburo wŠhrte ungefaehr zwei Jahre bis Mori den
Diener in das Haus seiner soeben verheirateten aeltesten Tochter
schickte. So war ich wieder allein, wie ich uebrigens den groessten Teil
meines ganzen Lebens allein gewesen bin.

Einsamkeit hat mich nie erschreckt. Schliesslich wird jeder Mensch
allein geboren und stirbt allein. Wie der Dichter sagt: "Wir gehen
alleine aus dem Schoss der Mutter und alleine ins Grab."

Ich vertiefte mich mehr als je in mein Studium.

Deutsch schien mir keine schwere Sprache. Unser Lehrer hiess Herbert von
Steiner und war ein strenger Professor aus Berlin, etwa fuenfundvierzig
Jahre alt. Das Bemerkenswerteste an seinem Aussehen war sein dichter
Vollbart und sein ebenso starker Schnurrbart, was seinem Gesicht einen
muerrischen Ausdruck gab. Er drueckte sich in unserer Sprache seltsam
aus, aber gut genug, um sich zu verstaendigen. Je mehr wir in die Lage
kamen, in seiner Sprache zurechtzukommen, so benutzte er das Japanische
immer weniger.

Mehr und mehr begann ich, Deutsch zu verstehen und zu lesen und fing an,
neugierig auf die Literatur jenes Volks zu werden. Dann fiel mir auf,
dass die 'Sued-Barbaren' gar nicht so barbarisch waren. Sie besassen
eine alte Kultur, die allen Respekt wuerdig war.

Herbert von Steiner eingeschlossen.

Zu meinen Mitschuelern hatte ich kein besonders gutes Verhaeltnis. Von
den ueblichen Schulveranstaltungen abgesehen, sahen wir uns nicht
ausserhalb der Schule. An keinem meiner Mitschueler fand ich irgend ein
Interesse. Ich hatte viele fuer viele Faecher zu lernen, die mir nicht
alle gefielen, darum lernte ich am eifrigsten in jenen Faechern, um
moeglichst schnell voranzukommen und mit diesen Faechern bald fertig zu
sein.

Alle meine Mitschueler begeisterten sich sehr fuer diese neue Sprache,
so wie auch fuer die Kultur. Es schien, ob sie sich alle in Deutsche
verwandeln wollten. Bei mir war es aber nicht der Fall. Obwohl ich
begann, Sprache und Kultur zu schaetzen, wurde ich immer japanischer und
als solcher fuehlte ich mich. Trotzdem wurde ich in kurzer Zeit der
beste Schueler in jenem Kurs. Bei mir schien es, dass ich ein besonderes
Talent fuer das Deutsche habe, fast muehelos eignete ich mir die Sprache
an. Sicher ist jedenfalls, dass ich Tag und Nacht nach Kraeften lernte,
auch weil keine andere Ablenkung hatte.

Da ich also am Ende alle Pruefungen mit besten Noten bestanden hatte,
liess mir die Schule ein besonderes Stipendium Seiner Majestaet des
Kaisers zukommen, der es mir persoenlich in einer Zeremonie am Hofe
ueberreichen wollte. Es das erste und einzige Mal, dass ich den Kaiser
persoenlich traf. Ich brauche wohl nicht zu sagen, wie tief beruehrt und
beeindruckt ich war.

Auch Seine Majestaet der Kaiser trug einen Bart und einen Schnurrbart
nach westlicher Mode und Er trug eine westliche Uniform. Er schien mir
ein Symbol fuer die 'Modernisierung' unseres Landes zu sein, als ob Er
den westlichen Maechten und dem japanischen Volk zeigen wollte, dass wir
nicht geringer als andere sind.

Dieses Stipendium bestand darin, dass ich als Mitglied einer
Studentengruppe mit einer Regierungskommission nach Deutschland reisen
wuerde, die abermals ueber Vertraege verhandeln sollte, insbesondere zum
Problem des besonderen Status von Auslaendern in Japan.

Die anderen Stipendiaten und ich sollten uns mindestens zwei Jahre in
Deutschland aufhalten, um mit dem Stipendium unserer Regierung die
Vertiefung und Vervollstaendigung unserer Kenntnisse der deutschen
Sprache und Kultur zu erreichen.

Auch darueber freute ich mich nicht besonders, aber es war ein Befehl
meines Kaisers, daher blieb mir nichts als zu gehorchen ... und Ihm
dankbar zu sein.

Fuer eine kurze Zeit kam ich wieder nach Hause, um alle erforderlichen
Vorbereitungen fuer die lange, abenteuerliche Reise zu treffen.
Selbstverstaendlich waren mein Vater wie auch meine ganze Familie sehr
stolz auf mich.

Ich sah Hirosato-sensei wieder und erlebte meine letzte Enttaeuschung.
Er behandelte mich wie einen lieben ehemaligen Schueler und nicht wie
einen Liebenden, wie ich es erwartet hatte. Ich haette ihn nach dem
Grund fragen wollen, fand aber nicht den Mut dazu. Seiner kalten
Foermlichkeit wegen erstarrt, bereitete ich mich auf die Abreise vor.
Nun verstand ich, dass ich jetzt wirklich allein war.

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CONTINUES IN BAND 2

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In my home page I've put some more of my stories. If someone wants to
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andrej@andrejkoymasky.com

(Sorry, I can't speak German... Andrej)

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