Date: Wed, 27 Apr 2011 10:40:51 +0200
From: A.K. <andrej@andrejkoymasky.com>
Subject: Liegt was vor mit Namen Schicksal 10/10 (German - historical - Adult youth)

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LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL...
von Andrej Koymasky © 2011
am 5 Juni 1994 geschrieben
Deutsche Ÿbersetzung: Mario Mosa & Bernd Schneider

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USUAL DISCLAIMER

"LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL..." is a gay story, with some parts
containing graphic scenes of sex between males. So, if in your land,
religion, family, opinion and so on this is not good for you, it will be
better not to read this story. But if you really want, or because YOU
don't care, or because you think you really want to read it, please be
my welcomed guest.

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BAND 10 - NU - DIE FAMILIE WIRD GROESSER


Der gruene Frosch beobachtet
ruhig und gelassen
die fleissigen Maurer

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Mit den 'Bruedern' Hayashi blieben wir in Kontakt, zwar regelmaessig
aber nicht haeufig. Sie lebten jetzt in einer groesseren Wohnung, so
dass wir manchmal bei ihnen uebernachteten. Wir sprachen offen ueber
alles, was sich ereignet hatte. Wir waren Freunde und voller
Verstaendnis fuer einander und besonders Jiro vertraute sich mir oft an,
wie schon damals in seiner Schulzeit. So erzaehlte er mir eines Tages,
was ihnen in den letzten Monaten passiert war. Es war ein Ereignis, das
mich erschuetterte, aber Yukichi liess es mich unter einem anderen Licht
sehen, was mir half, wenn es schon nicht zu billigen, so doch wenigstens
es besser zu verstehen.

Jiro war sehr schoen geworden. Ein mit ihm in der Verlagsdruckerei
arbeitender Junge hatte sich in Jiro verliebt und hatte angefangen, ihn
heftig zu umwerben. Mehrere Monate lang hatte sich Jiro dagegen gewehrt,
aber schliesslich hatte der Junge sein Ziel erreicht, und eines Tages,
als sie beide allein im Buecherlager waren, haben sie schliesslich Liebe
gemacht. Hinterher hat Jiro es bereut und obwohl er sich unendlich
schaemte, hatte er das Geschehene seinem Ichiro erzaehlt. Sein Liebster
war nicht veraergert ueber Jiro. Er fragte ihn nur: "Aber liebst du mich
noch?" Jiro schwor ihm, er liebe ihn, nach wie vor, obwohl er nicht
faehig war, den Verfuehrungen des Anderen zu widerstehen. Ichiro tat,
was ein Liebender tun sollte, und sagte ihm, die Hauptsache sei, dass
sie sich einander lieben und zusammen leben wuerden. Ohne dass sein
Ichiro es von ihm verlangte, ging Jiro jenem Kollegen aus dem Weg, um
sich nicht mehr mit zu treffen.

Aber nach wenigen Monaten fuehlte sich Jiro von einem sechzehnjaehrigen
Jungen namens Majime angezogen. Auch dieser Junge war von Jiro sehr
angetan. Diesmal aber sprach Jiro offen mit seinem Liebsten, bevor es
wieder geschah, dass er ihn betruege. Ichiro bat ihn zu erklaeren, was
in ihm dieses Begehren weckte, warum er Liebe mit Anderen machen wollte,
was er in ihrem Verhaeltnis vermisse.

Nach einigem Zoegern bekannte Jiro: "Siehst du, Ichiro, ich mag es sehr
gerne, wenn du mich nimmst und mich Dein machst, wirklich sehr, glaube
mir. Aber meinerseits habe ich ebenfalls den Wunsch, dich auch zu nehmen
und ich weiss, dass dies dir nicht gefaellt. Deshalb faellt es mir
schwer, nein zu sagen, wenn mich jemand bittet, ihn zu nehmen. Die
Versuchung ist gross. Ich moechte es nicht tun, aber es faellt mir sehr
schwer. Das Verlangen ist gross, sehr gross."

"Ich verstehe. Und Majime will dein sein, von dir genommen werden?"

"Ja, und ich ahne, ich koennte wieder nachgeben, aber ich es will nicht,
ich moechte nicht. Majime gefaellt mir trotzdem allzu sehr, er reizt
mich und er will, koste es was es wolle, von mir genommen werden. Er
sagt, er liebt mich."

"Und du, liebst du ihn?"

"Nicht so, wie dich liebe, sicher nicht. Aber ... ja, ich begehre ihn
und wuensche ihn."

"Nun, Majime ist eine wirklich liebenswuerdiger Junge. Also, warum
schlaegst du ihm dann nicht vor, zu uns zu kommen, zusammen mit uns
beiden hier zu leben? Ich haette kein Problem damit, wenn dies dein
Problem loesen kann. Mir kommt es nur darauf an, dass du gluecklich bist
und mein Liebster bleibst".

Daher luden sie Majime ein, zu ihnen zu ziehen. Der Junge nahm sofort
begeistert an und zur gemeinsamen, grossen Zufriedenheit fingen sie eine
Liebe zu dritt an. Um Majimes Anwesenheit in ihrem Hause vor den Augen
der Leute zu rechtfertigen, beschloss Ichiro, den Jungen nach dem Gesetz
und den Regeln entsprechend zu adoptieren. Da der Junge aus einer
zahlreichen, aber armen Familie stammte, stimmten die Eltern sofort dem
Vorschlag zu, der es ihrem Sohn ermoeglichte, in eine wohlhabende
Familie hoeheren Niveaus und Standes, als sie es selbst waren, zu gehen.

Majime war ein lustiger, lebhafter Junge und war sehr erfreut, mit den
beiden 'Bruedern' zu wohnen. Als er hoerte, dass wir den wahren
Hintergrund der Geschichte kannten, der sie zueinander gebracht hatte,
begann er sie beide mit Worten grosser Bewunderung, Hochachtung und
tiefer Zuneigung zu loben.

Yukichi und ich sprachen lange unter uns ueber diese Geschichte. Ein
Verhaeltnis zu dritt war mir unvorstellbar, es schien mir falsch,
ungehoerig, gefaehrlich. Yukichi brachte mich dazu, darueber
nachzudenken, dass wir nicht alle gleich sind und dass Ichiro, Jiro und
Majime mit jener Loesung offensichtlich zufrieden waren, und zwar sowohl
koerperlich als auch gemeinsam als Familie.

Waehrend unserer Diskussion sagte Yukichi ploetzlich: "Gleichgueltig, es
waere doch schoen, auch einen so lebhaften und netten Jungen um uns
herum hier im Hause zu haben. Glaubst du nicht auch?"

"Was ist los, willst du auch Liebe zu dritt machen?" fragte ich ihn
erschrocken und erstaunt zugleich.

"Nein, nicht in jenem Sinne. Du genuegst mir und ich benoetige oder
wuensche keinen Anderen, das solltest du wissen. Ich dachte nur daran,
einen Jungen zu adoptieren, ihn zu erziehen, wachsen zu sehen - das muss
eine wunderbare Verantwortung sein. Und da ich wirklich keine
Heiratsabsichten habe, koennte eine Adoption eine gute Idee sein".

"Ja, aber um hier mit uns leben zu koennen, sollte er sein wie wir, er
sollte auch Maenner lieben. Darum muesste er schon ein gewisses Alter
haben. Doch dann koennte er mit uns etwas machen wollen und so koennten
Probleme und Spannungen wachsen. Mir scheint es sehr kompliziert zu
sein, dir etwa nicht?"

Er gab mir Recht und wir sprachen nicht mehr davon. Aber manchmal ist
das Leben wirklich raetselhaft und fuehrt uns auf unerwartete Wege. Nach
diesem Gespraech waren einige Monate vergangen und weder ich noch mein
Geliebter dachten daran zurueck.

Um unser zehnjaehriges Zusammenleben zu feiern, gedachten wir nach
Hakone zu fahren. Wir hielten an einem traditionellen Wirtshaus. Es war
herrliches Wetter, gerade Fruehlingsanfang. Wir machten einen
Spaziergang in der Umgebung, um die erwachende Natur, die frische reine
Luft und die Ruhe des Landes zu geniessen. Wir sprachen ueber Poesie und
verglichen die Naturauffassung in der japanischen und der westlichen
Dichtung, als wir von fern lautes Geschrei hoerten.

Wir hielten erstaunt an und horchten - es waren Hilferufe. Wir eilten
rasch in die Richtung, aus der die Schreie kamen und sahen etwas
Unglaubliches. An einem Baum waren zwei junge Maenner gebunden und ein
Mann, der Seile in der Hand hielt, peitschte sie wild. Wir rannten
schnell zu ihm, damit er aufhoerte, und fragten ihn, was diese beiden
Jungen getan haetten, um eine so unmenschliche Strafe zu erhalten.
Unglaublich wuetend erklaerte uns der Mann, der Groessere sei der Sohn
seiner verstorbenen Dienstmagd, den er aus Erbarmen in sein Hause
aufgenommen habe, damit er in der Landwirtschaft arbeiten koenne. Der
Juengere war sein eigener Sohn. Er hatte sie zusammen erwischt, als sie
das machten, 'was ein Mann nur mit einer Frau machen sollte'. Er haette
es ihnen gerne verziehen, wenn sie ihm schwoeren wuerden, nicht mehr so
dreckige Sachen zu machen. Aber die beiden antworteten ihm, dass sie
nicht nur nichts versprechen koennten, sondern auch, dass sie sich beide
einander liebten und dass sie deshalb jene Taten weiter machen wuerden.

"Sie haben gesagt, dass sie sich lieben, die zwei Narren. Verstehen Sie
das, meine Herren? Zwei Maenner! Haetten sie gesagt, dass sie es aus
Vergnuegen machten, haette ich sie verstanden. Wer hat es nicht schon
einmal gemacht, als er noch Junge war, sage ich. Sie, meine Herren, sind
Leute aus der Stadt, sagen Sie mir, wenn ich Unrecht habe? Darum, so wie
ich es verstehe, gibt es keine andere Methode, um ihnen das
auszutreiben, als sie pruegeln. Ich habe ihnen gesagt, ich werde euch
jetzt solange pruegeln, bis ihr es verstanden habt. Aber je mehr ich sie
schlage, desto mehr scheinen sie den Kopf zu verlieren und sagen, sie
liebten sich. Habe Sie jemals so etwas gehoert?" schrie der Mann und
fing an, sie wieder zu schlagen.

Ich hielt ihn zurueck. "Hoeren Sie, wir sind zwei Professoren aus Tokio
und von jungen Leuten verstehen wir mehr als ein ein Mann vom Land.
Warum lassen Sie uns nicht mit ihnen sprechen? Wer weiss, vielleicht
koennen wir eine Loesung des Problems finden."

Der Mann blickte uns eine Weile misstrauisch an, Stirn runzelnd als ob
er nachdenken wollte, aber dann liess er langsam den Arm sinken.

"Nach meiner Meinung sind Sie dabei, Ihre Zeit zu vertroedeln, meine
Herren, aber wenn Sie es versuchen wollen, bitte! Wir werden sehen, was
Sie ueberzeugenderes als mein Pruegeln zu sagen haben."

"Aber Sie sollen uns mit den Jungen allein lassen", sagte Yukichi
entschieden.

Der Mann ueberlegte nochmals, dann sagte er: "In Ordnung, aber
versprechen Sie mir, sie nicht loszubinden." Wir versprachen es ihm, er
entfernte sich weit genug, damit wir ungestoert mit den beiden armen
Jungen sprechen konnten.

Anfangs hatten wir viel Muehe mit ihnen zu sprechen, aber schliesslich
waren sie ueberzeugt, dass wir ihnen wirklich nur behilflich sein
wollten, und sie fingen an, sich uns zu oeffnen. Der Groessere hiess
Jun, war sechzehn, der Kleinere, namens Hiroshi, war vierzehn Jahre alt.
Sie bekannten uns, sich wirklich einander seit etwas mehr als einem Jahr
zu lieben und dass sie zu allem bereit waren, um sich einander lieben zu
duerfen, sogar zum Doppelselbstmord. Andererseits sei besonders Juns
Leben elendig gewesen und Selbstmord waere eine Erleichterung. Nur
Hiroshis Liebe haette ihn bis jetzt vom Aeussersten abgehalten. Aber
wenn sie ihre Liebe verleugnen sollten, welchen Sinn haette dann noch
fuer sie das Leben? Hiroshi sagte, dass er nicht mehr ohne seinen Jun
leben wolle. Er sagte, sein Vater sei ein gewaltigtaetiger und herzloser
Mann und dass er ihn nicht mehr sehen wolle. Darum habe er entschieden,
zusammen mit seinem Jun seinem Leben ein Ende zu machen.

Diese beiden Jungen, am Baum angebunden, nur mit ihren Fudoshis
bekleidet, die aermliche Kleidung neben dem Baum am Boden, ihre Koerper
mit roten Striemen ueberzogen, wund und blutend, sich einander immer
wieder ihre Liebe beteuernd, bewegten uns tief. Ploetzlich hatte ich
einen Einfall. Ich sprach sofort mit Yukichi auf deutsch - und er
erklaerte sich voellig mit mir einverstanden.

Also sagte ich zu den Jungen: "Vertraut uns! Wir werden alles in unserer
Macht stehende unternehmen, um euch zu helfen. Wir werden versuchen,
euch von hier wegzubringen, damit ihr ruhig zusammen leben koennt. Aber
vorher muesst ihr uns schwoeren, dass, gleichgueltig was wir dem Vater
von Hiroshi sagen, ihr dem keine Bedeutung, keine Beachtung beimessen
werdet. Akzeptiert ihr Beide das?"

"Mein Herr, was haben wir denn sonst zu verlieren?" sagte Jun traurig.

Hiroshi fuegte noch hinzu: "Wenn Sie uns wirklich helfen wollen, werden
wir Ihre treusten Diener unser ganzes Leben lang sein, ich schwoere es,
meine Herren. Schwoere du es auch, Jun!"

"Ja! Ja! Ich schwoere es auch!" sagte Jun entschieden.

Dann riefen wir den Mann zurueck. Wir erklaerten ihm, die Jungen haetten
eine Krankheit und dass wir sie heilen koennten und sie wieder normal
wuerden. Dafuer muessten wir sie nur nach Tokio mitnehmen duerfen.
Misstrauisch fragte uns der Mann, wieviel es ihm kosten solle. Nichts,
antworteten ich, unsere Universitaet wuerde fuer die Deckung aller
Kosten sorgen.

"Gut", sagte nun der Mann mit kluger Miene, "aber was habe ich davon?
Wenn sie mit Euch, meine Herrschaften, in die Hauptstadt gehen, verliere
ich zwei paar Arme bei der Arbeit."

Yukichi und ich schauten einander kurz an, dann antwortete ich, dass wir
ihm einen bestimmten Betrag bezahlen koennten, aber in diesem Fall
muesste er mit uns nach Hakone zu den Behoerden kommen, vor denen er
eine Erklaerung abgeben musste, dass er uns die volle gesetzliche
Vormundschaft und Erziehung ueber beide Jungen anvertraute. Der Mann wog
den Vorschlag ab, bedachte den vorgeschlagenen Betrag, aber letztendlich
nahm er an. Wir banden die Jungen los und sagten ihnen, sie sollen sich
anziehen. Alle fuenf gingen wir nach Hakone. Der Mann erschien vor dem
Kaiserlichen Amtstraeger, besiegelte die Urkunde, mit der er uns die
Jungen anvertraute, und wir bezahlten ihn.

Wir nahmen Jungen zu unserem Wirtshaus mit, wo wir sie zuerst wuschen
und ihre Wunden behandelten. Dann sorgten wir fuer neue Kleider. Danach,
als sie fertig waren, zeigten sie sich uns.

Jun fragte uns mit vorsichtigem Ausdruck: "Warum machen Sie alles das
fuer uns? Wollen Sie uns wirklich heilen lassen? Wer sind sie, Aerzte?"

"Eins nach dem Anderen. Wir sind keine Aerzte. Es gibt keine Behandlung,
sie ist nicht notwendig. Ihr habt alles, aber keine Krankheit. Er und
ich, genau so wie ihr beide, lieben einander. Darum haben wir uns
entschieden, euch behilflich zu sein. Wir wollen, dass ihr nachTokio mit
uns kommt und in unserem Haus lebt. Ihr duerft arbeiten oder studieren,
wie ihr es moechtet, und euch problemlos lieben."

"Und zur Belohnung wollen Sie uns in Ihren Betten, um uns zu Ihrem
Vergnuegen zu nehmen, was?" fragte Jun hart. Dann fuegte er hinzu: "In
diesem Falle waere es besser, Sie lassen uns zum Selbstmord frei, so wie
wir uns schon entschieden hatten. Wir lieben uns und wollen mit keinem
Anderen ins Bett gehen, wir sind keine Huren!"

"Als Belohnung? Im Gegenteil! Wir bitten euch, uns als eure Freunde zu
behandeln. Wir wollen euch auf keinen Fall in unserem Bett. Auch wir
beide, wie euch schon gesagt habe, lieben wir uns einander und in
unserem Bett ist kein Platz fuer Andere."

"Warum wollten Sie die Vormundschaft ueber uns?" fragte Jun noch
misstrauisch.

"Um euch endgueltig aus der boesartigen Macht des Mann befreien. Wir
koennen Einspruch erheben, falls Hiroshis Vater seine Meinung aendert,
wenn wir diese Urkunde dem Gericht von Tokio vorlegen. Ihr seid noch
nicht muendig und jemand muss die Vormundschaft ueber euch haben.
Glaubst du nicht, Jun, es ist besser wir sorgen fuer euch, als der Vater
von Hiroshi?"

"Ich glaube ja," sagte Hiroshi, seinen Liebsten anschauend. Jun nickte,
aber es war deutlich zu erkennen, dass er uns noch nicht voellig
vertraute.

Ich sprach weiter: "Wir werden hier in Hakone noch drei Tage und zwei
Naechte bleiben. Ihr werdet auch hier schlafen. Die Urkunde vertraue ich
dir an, Jun. Wenn wir versuchen sollten dich zu missbrauchen oder ihn,
dann kannst du das Dokument zerreissen und ihr koennt fortgehen. Wir
haben dann keine Moeglichkeit mehr, euch aufzuhalten. Was meinst ihr,
geht das so?"

Jun nahm die Urkunde, steckte sie in den Kimono und nickte einfach. So
fing unser gemeinsames Leben an. Wir assen am Abend zusammen und redeten
miteinander. Waehrend der Nacht, als die beiden Jungen uns fuer
eingeschlafen hielten, begannen sie, mit fluesternd miteinander zu
sprechen und sich danach zu lieben. Als wir sie dann schlafen hoerten,
liebten wir uns auch - ganz leise.

Am naechsten Morgen waren sie entspannter, offener. Die beiden Jungen
gefielen uns. Tags darauf zeigten sie schon ein schuechternes Laecheln.

Schliesslich fuhren wir alle vier nach Tokio. Sie sahen zum ersten Mal
die Hauptstadt und waren davon stark beeindruckt. Unsere Wohnung gefiel
ihnen sehr, obwohl sie doch ziemlich einfach war. Als sie dann Naosuke
und Nobuo kennenlernten und erfuhren, dass auch unsere beiden
Bedeinsteten sich liebten, schauten sie uns erstaunt an.

Hiroshi fluesterte Jun zu: "Siehst du, es sind nicht nur wir beide, wir
sind also nicht so selten und verrueckt, das ist also nicht nur eine
Sache der Jungen."

Die beiden Jungen gewoehnten sich schnell ein und zeigten sich beide
sympathisch, klug und lebhaft, obwohl Hiroshi froehlicher und lustiger,
Jun zurueckgehaltener und ruhiger war. Aber Jun hatte bereits ein
schweres Leben hinter sich. Jedenfalls war Hiroshi staerker und
entschiedener, obwohl er der Juengere war. Sie akzeptierten unseren
Vorschlag, zu lernen, oder besser, Hiroshi ueberredete Jun unseren
Vorschlag anzunehmen. Hiroshi wurde Schuler meiner Schule, waehrend der
Jun eifrig zu Hause lernte. Beide entdeckten die Freude am Lernen. Fuer
Hiroshi machte ich eine Ausnahme. Er musste nicht im Schulinternat
wohnen. Jeden Abend gingen wir gemeinsam heim und jeden Morgen zusammen
in die Schule. Somit konnte er mit Jun schlafen und sie konnten sich
lieben, sonst haette er den Schulbesuch niemals akzeptiert.

Es war ein Vergnuegen, die beiden Jungen um uns zu haben, sie erfuellten
das Haus mit Leben. Hiroshi lernte, mit Yukichi 'Go' zu spielen. Jun
wurde ein leidenschaftlicher Kalligraph, den ich gerne in dieser Kunst
unterrichtete. Ich lehrte ihn auch die Kunst, Tee zuzubereiten, was ihn
sofort interessierte. Er war ein ernster, nachdenklicher Junge. Er fing
allmaehlich an, sich mir zu oeffnen und seine Gedanken, auch seine
Fragen eroberten mich. Das Elend seines vergangenen Lebens hatte sein
Herz nicht verletzt, sondern ihn im Gegenteil reifer gemacht.

Nach einigen Monaten besprachen Yukichi und ich uns darueber. Wir
mochten die beiden Jungen und es schien so, dass sie sich mit uns wohl
fuehlten. Dann erinnerte ich Yukichi an seinen frueheren Wunsch, einen
Jungen zu adoptieren. Ich fragte ihn, ob er zustimmen wuerde, die beiden
Jungen zu adoptieren. Yukichi freute sich sehr darueber. Er sagte, er
hoffe, dass beiden Jungen unseren Vorschlag annehmen. Wir riefen sie
also zu uns und fragten sie, ob sie sich vorstellen koennten, von uns
adoptiert zu werden. Ich wuerde Jun und Yukichi Hiroshi adoptieren.
Sofort griffen sie unseren Vorschlag auf und freuten sich dankbar und
gluecklich ueber diese Mitteilung. Dank der von Hiroshis Vater
erhaltenen Urkunde, wurde uns die gerichtliche Adoption erleichtert. So
fingen die beiden Jungen an, uns mit Vater anzureden. Ich muss zugeben,
dass es wunderbar ist, Vater gerufen werden, von einem gut aussehenden,
vernuenftigen und netten Jungen wie meinem Jun und auch als solcher
respektvoll behandelt zu werden. Obwohl unser Haus nur von Maennern
bewohnt war, war es wirklich ein glueckliches Zuhause. Zwei Soehne zu
haben, gab unseren Leben mehr Sinn.

Unsere Schlafzimmer waren nebeneinander gelegen und oft konnten wir
hoeren, wenn sie sich liebten. Gleicherweise konnten sie uns natuerlich
auch hoeren. Wir waren erfreut und hegten zaertliche Gefuehle, wenn wir
sie hoerten waehrend ihres Liebesspiels. Aber wie ging es ihnen? Wir
sprachen mit den Jungen darueber und fragten, ob sie sich davon gestoert
fuehlten.

Mein Sohn Jun antwortete: "Gestoert? Aber warum denn, Vater? Hiroshi und
ich lieben uns und zu hoeren, dass auch unsere Vaeter sich ebenfalls
lieben, ist einfach schoen. Im Gegenteil, jeweils wenn wir hoeren, dass
ihr euch liebt, beginnen wir sogleich wieder damit, sogar wenn wir es
gerade erst gemacht haben. Es gefaellt uns sehr, wirklich. Und wir
denken, es ist sehr schoen, zwei Vaeter wie euch zu haben, und wir
hoffen, euch aehnlich zu werden. Und wer weiss, vielleicht in zehn,
zwanzig Jahren, werden wir auch zwei Jungen adoptieren. So werden wir
euch zu Grossvaetern machen machen. Wirklich, wir sind und wir werden
die ausserordentlichste Familie in ganz Japan sein, nicht wahr,
Hiroshi?"

Der Junge nickte kraeftig und sagte: "Ich bin stolz darauf, Yukichis
Sohn zu sein und ich hoffe, dass auch mein Vater in Zukunft immer stolz
auf mich sein kann; und ich liebe auch den Vater meines Jun. Wir sind
wirklich eine wunderbare Familie!"

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Die beiden Jungen wachsen gut, gesund und stark heran. Auch unsere
Freunde haben mochten sie, insbesondere Biway und Aritada. Vor wenigen
Monaten Aritada hat sich von seiner Ehefrau endgueltig getrennt und lebt
jetzt mit Biway zusammen, der nunmehr auch seine kleinen Abenteuer
aufgegeben hat. Aritada hatte beschlossen, mit seiner Ehefrau zu
sprechen und ihr zu sagen, dass er hat einen maennlichen Liebhaber habe
und dass er mit ihm zusammen leben wolle. Sie war sich bereits damals
ueber seine Neigung im klaren, als Aritada der Liebste Tachikawas war.
Nachdem ihr Aritada ihre die gemeinsame, schoene Wohnung ueberlassen und
sie an nichts Mangel zu leiden hatte, haben sie sich endgueltig ohne
Skandale und Dramen scheiden lassen.

Eines Tages schlug Aritada mir vor, ein Stueck Land in der Naehe unserer
Tachikawa Oberschule in Yatsuya zu kaufen. Der Baugrund war infolge
eines Brandes, der den ganzen Gebaeudeblock zerstoert hatte, unbebaut
geblieben. Dort koennten wir unser neues Haus bauen. Yotsuya ist
schoener und eleganter als Shinjuku, mit besserer Nachbarschaft.
Wenngleich wir auch nicht mehr an einem Flussufer wohnen, haben wir
trotzdem einen grossen, schoenen Garten und wir fuehlen uns wohl dort.
Auch Aritada und Biway haben ihr neues Haus im gleichen Viertel gebaut
und jetzt sind wir Nachbarn und sehen wir uns einander auch oefter als
frueher. Unsere Soehne nennen sie Onkel.

Unser Gymnasium entwickelte sich gut, auch weil nicht wenige unserer
ehemaligen Schueler angefangen haben, uns mit finanziellen Spenden und
Stipendien zu unterstuetzen. Und obwohl heimlich, bluehen auch weiterhin
Verhaeltnisse zwischen den Schuelern, einige davon zeitlich, andere
ernster und dauerhaft. Natuerlich wussten wir nicht, was sich nachts in
den vier Waenden eines Schlafzimmer zutrugt. Aber ich schaetze, dass
ungefaehr fuenfundsiebzig Prozent unserer Schueler regelmaessig Sex
machten und fuer mindestens ein Viertel von ihnen ist es nicht nur zum
Vergnuegen. Es muss so ungefaehr fuenfundvierzig junge Liebespaare
geben, von denen die Haelfte vielleicht ihre Beziehung ueber die
Schulezeit hinaus fortsetzt. Das ist ein wirklich gutes Ergebnis fuer
Aritada und mich, worueber sich auch Tachikawas Geist nur freuen kann,
Tachikawa, der die jungen Maenner so sehr liebte.

Was unsere Familie angeht, so ist alles in Ordnung. Es gab nur ein
einziges Problem, als Hiroshi einen Rikschajungen von der in der Naehe
gelegenen Rikschastation kennen lernte, einen besonders huebschen und
sinnlichen Jungen, mit dem er ein Verhaeltnis begann. Jun hatte darunter
sehr schwer gelitten und kam, um mit mir darueber zu sprechen. Er fragte
mich um Rat, wie er seinen Hiroshi wieder zurueck bekommen koenne, den
er so innig liebte. Ich sagte ihm, er moege Geduld haben und hoffen,
dass die Sache bald wieder in Ordnung kaeme. Drei Monate lang schliefen
die Jungen in getrennten Zimmern. Yukichi sprach mit Hiroshi, ohne
jedoch Druck auf ihn auszuueben und um ihn ueber seine Wahl nachdenken
zu lassen. Aber Hiroshi war in seinen neuen jungen Freund so vernarrt,
dass er seine neue Beziehung nicht beendete. Jun war tief traurig, er
behandelte jedoch Hiroshi hoeflich, ohne Vorwurf. Hiroshi schien, sich
Jun gegenueber zu schaemen, aber es sah so aus, als sei er von seinem
neuen Verhaeltnis ueberzeugt.

Aber eines Nachts hoerten Yukichi und ich, wie Hiroshi Jun um Erlaubnis
bat, in sein Zimmer kommen. Wir erfuhren spaeter, er habe ihn um
Entschuldigung gebeten und dass er allmaehlich verstanden habe, nur ihn
zu lieben und dass er ihn nicht mehr von ihm getrennt sein wolle. Er
sagte ihm, dass er beschlossen habe, das Verhaeltnis mit dem
Rikschajungen zu beenden und fragte ihn, ob er ihn wieder als seinen
Liebhaber annehmen wolle. Er versprach ihm, dass derartiges niemals mehr
vorkommen werde. Mit grosser Beklemmung empfing Jun ihn wieder und zu
unserer grossen Zufriedenheit sind die beiden Jungen nun wieder
zusammen. Jun hat mir vertraulich erzaehlt, dass Hiroshi sich ihm jetzt
mehr widmet als frueher und dass ihre Liebe aus dieser Pruefung
gestaerkt hervorgegangen sei.

Yukichi hat lange mit Hiroshi gesprochen. Als Yukichi ihn fragte, wie es
dazu kam, dass er wieder zu Jun zurueck gekehrt war, erklaerte Hiroshi
es ihm. Mit dem Rikscha-Jungen sei es schoen gewesen, Liebe zu machen.
Er sei hemmungslos und wisse, ihm viel Vergnuegen zu bereiten.
Allmaehlich aber hatte Hiroshi bemerkt, dass ihm der andere nur Sex gab,
sehr angenehm, sehr genussvoll, aber dass es keine Liebe war. Er habe
also angefangen, ihn mit Jun zu vergleichen. Juns wunderbare
Persoenlichkeit, so wie auch die Tatsache, dass er ihn trotz allem immer
weiter zuvorkommend, hoeflich und mit Liebe behandelte habe, habe ihn
dann verstehen lassen, was der eigentliche Wert in einer Liebesbeziehung
sei.

Yukichi fragte ihn: "Aber im Koerperlichen gab dir Jun nicht genug, wenn
ihr euch liebtet? Gab dir der Rikschajunge mehr?"

"Ja, vielleicht, teilweise".

"Und hast du das mit Jun besprochen?"

"Ich wollte es nicht, Vater. Ich befuerchte, ihn damit zu beleidigen, er
verdient es nicht. Ich habe gedacht, dass die Liebe, die er mir gibt,
viel wichtiger ist als nur Sex und dass ich ihn so annehmen soll, wie er
ist. Aber er ahnte etwas und wollte mit mir sprechen. Ich wollte es erst
nicht. Aber er hatte mir gesagt, ich solle ihm alles erzaehlen, damit er
mir wirklich verzeihen koenne. Also, schliesslich habe ich seine Fragen
beantworten muessen und ihm gesagt, was mir am Besten gefiel an der Art,
wie der Anderen mit mir Liebe machte.

Dann sagte Jun mir, dass er sich groesste Muehe geben werde, um der
Liebhaber zu sein, den ich mir wuensche, weil, wie er sagt, in einer
Beziehung spielt koerperliche Lust eine wichtige Rolle - und er tut
alles dafuer, Vater. Es ist phantastisch. Jetzt fehlt mir nichts mehr
mit meinem Jun. Ich bin gluecklich mit ihm und hoffe, ich schaffe es,
ihn immer gluecklich zu machen".

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So sind auch Hiroshi und Jun zu unserer grossen Zufriedenheit reife
Maenner geworden. Jun arbeitet jetzt an seiner Doktorarbeit und Hiroshi
fehlt nur noch ein Jahr. Wir sind in guter Stimmung.

Ausgerechnet heute habe ich an meinen Vater gedacht, als er die Idee
hatte, mich zum Studium der deutschen Sprache nach Tokio zu schicken.
Damals kostete seine Entscheidung mich grosse Ueberwindung, die mich
denken liess, dass ich ungluecklich wuerde. Im Gegenteil - heute bin ich
meinem Vater sehr dankbar. Dank seiner Entscheidung habe ich heute
meinen Yukichi, einen Sohn, den ich liebe, und wunderbare gute Freunde.
Daher habe ich entschieden, ihm an seinem Grab seinen Enkel Jun
vorzustellen und ihm zu danken fuer das Glueck, das seine Entscheidung
mir geschenkt hat.

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Wenn es wirklich etwas gibt, das man Schicksal nennt, dann habe ich es
damals getroffen, als ich vierzehn Jahre alt war. Mehr oder weniger, das
gleiche Alter, in dem unsere Jungen sich entscheiden, sich fuer das
Tachikawa Gymnasium einzuschreiben ...

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ENDE

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In my home page I've put some more of my stories. If someone wants to
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stories into German, so that I can put on-line more of my  stories in
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(Sorry, I can't speak German... Andrej)

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