Date: Wed, 9 Mar 2011 19:20:36 +0100
From: A.K. <andrej@andrejkoymasky.com>
Subject: Liegt was vor mit Namen Schicksal 03/10 (German - historical - Adult youth)

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LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL...
von Andrej Koymasky © 2011
am 5 Juni 1994 geschrieben
Deutsche Ÿbersetzung: Mario Mosa & Bernd Schneider

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USUAL DISCLAIMER

"LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL..." is a gay story, with some parts
containing graphic scenes of sex between males. So, if in your land,
religion, family, opinion and so on this is not good for you, it will be
better not to read this story. But if you really want, or because YOU
don't care, or because you think you really want to read it, please be
my welcomed guest.

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BAND 3 - HA - IN BERLIN


Herbstabend:
der Bahnhof ist oede,
aber ich bin nicht allein.

Am Ende der langen Reise verabschiedeten wir uns am Hamburger Hafen. Wir
waren uns beide bewusst, dass wir uns vielleicht nie mehr treffen
wuerden, und doch sagten wir zu einander: "Auf Wiedersehen", so als ob
wir uns ein paar Tage spaeter wieder sehen sollten. Ohne grosse
Foermlichkeit, sicher, aber mit einer gewissen Traurigkeit. Es war
unabwendbar, wir wussten es beide sehr gut, denn wir hatten uns sehr gut
miteinander verstanden.

In Begleitung einiger Beamter des deutschen Reichskanzlers Bismarck
sowie auch unserer Botschaft, die zum Hafen gekommen waren, um uns in
Empfang zu nehmen, fuhren wir mit dem Zug von Hamburg nach Berlin. Die
Leiter unserer Delegation wurden in einer sehr schoenen Villa vor den
Toren der Hauptstadt beherbergt, wir Studenten dagegen in einem von
unserem Botschafter zu diesem Zweck angemieteten Haus. Es war ein altes
aber anstaendiges Gebaeude im Stadtzentrum, in der Naehe eines Bahnhofs.
Wir hatten Kurse der deutschen Sprache an der Kaiserlichen
Friedrich-Wilhelms-Universitaet zu besuchen, dann hatten wir zu ueben
und zu lernen, doch danach waren wir frei.

Meine Kameraden, die zu Hause schon sehr verwestlicht waren, neigten
jetzt dazu, immer miteinander zu bleiben. Ich jedoch war sehr neugierig
auf das Leben in diesem Land, das vom unserem so verschieden war.
Deshalb war ich eifrig bemueht, mich deutschen Studenten anzuschliessen.
Es war fuer mich nicht schwierig, denn sie waren schliesslich auf einem
so 'exotischen' Auslaender neugierig, wie ich es als Japaner fuer sie
war.

Es handelte sich dabei um eine wirklich ganz unterschiedliche Welt,
verglichen mit unserer. Deutschland war damals eine Grossmacht in
Europas. Wie unser Leiter uns angewiesen hatte, sollten wir versuchen,
den Grund dafuer zu verstehen.

Aber neben den offiziellen Interessen hatte ich auch von einen sehr
anderen, sehr persoenlichen, geheimen Wunsch. Ich wollte naemlich,
andere Maenner wie mich finden und kennenlernen. Vielleicht einen
Liebhaber, oder mindestens ein Abenteuer. Darum begann ich schon in den
ersten Tagen mich mit jenem Gedanken in meinem Kopf umzuschauen.

Jedenfalls vergingen mehrere Monate, bevor ich etwas entdeckt hatte.
Gewiss halfen mir die Hinweise, die Larry mir gegeben hatte. Aber er
hatte mich auch gewarnt. In diesem Land war jedes sexuelle Verhaeltnis
zwischen Leuten eines gleichen Geschlechts streng verboten und man lief
Gefahr, ins Gefaengnis zu kommen. Warum in einem so modernen Land ein so
absurdes Gesetz bestehen sollte, war mir unklar. Aehnliche Gesetze, so
erfuhr ich spaeter, gab es ueberall im ganzen zivilisierten Europa.

Es war Herbst, als ich mein erstes Abenteuer in Berlin erlebte, an einem
milden, weichen Herbstabend. Auch in Deutschland ist Herbst eine sehr
schoene Jahreszeit, mit ihren tausenden ruhigen Farben, den vielen
feinen Unterschieden der Farben gelb, orange, braun und gruen. Auch die
Luft hat eigentuemliche Farbe und einen besonderen Duft. Irgendjemand
hat gesagt, Herbst sei traurig, aber ich bin damit nicht einverstanden.
Der Herbst es ist eine ruhige, stille, milde Jahreszeit.

Ich war zum Abendessen von einem deutschen Mitstudenten nach Hause
eingeladen worden und nun auf dem Rueckweg zu unserem Wohnhaus. Ich ging
in der Naehe der Franziskanerkirche entlang, als ich einen Soldaten in
seiner enganliegenden Uniform bemerkte, der sich an eine Laterne
anlehnte. Ich schaute zu ihm. In diesem jungen Soldaten war etwas
Sehnsuechtiges und Aufreizendes. Seine Uniform betonte die Formen seines
Koerpers, insbesondere seinen angeschwollenen Schritt. Auch er schaute
mich an und als unsere Blicke sich einander trafen, laechelte er mir
leicht zu. Ich dachte, es koenne vielleicht ein diskretes Zeichen sein,
aber auch einfache Neugier, da ich eindeutig als Auslaender zu erkennen
war. Ich konnte es nicht wissen. Neugierde und auch Hoffnung
veranlassten mich, naeher zu ihm zu treten.

Ich war nur noch wenige Schritte von ihm entfernt, als er sich in
entgegengesetzter Richtung auf den Weg machte. Zuerst dachte ich, ich
habe sein vorsichtiges Laecheln falsch gedeutet und blieb stehen,
schaute ihm nach, als er sich entfernte und war dabei, mich wieder auf
mich wieder auf meinen Weg zu machen. Aber als ich soeben die Kreuzung
mit einer Gasse erreicht, drehte er sich wieder zu mir um, schaute mich
wieder an, laechelte jetzt etwas offener und ging dann in die Gasse
hinein. Obwohl er aus meinen Blicken verschwand, beschloss ich, ihm zu
folgen, auch wenn ich nicht verstand, was geschehen wuerde.

Ich sah, dass er etwas entfernt von mir angehalten hatte und in meine
Richtung schaute. Mein Herz fing an, schneller zu klopfen und ich ging
meinen Weg weiter in seine Richtung. Wenige Schritte bevor ich bei ihm
war, ging er weiter und bog in eine andere Gasse ein.

Abermals fragte ich mich, ob ich mich geirrt habe, aber wiederum
beschloss ich, ihm zu folgen. Er blieb unter einer Gaslaterne neben
einer Haustuer stehen und blickte zu mir. Entschiedenen Schrittes
naeherte ich mich ihm und er bewegte sich nicht fort.

Als ich neben ihm stand, sagte ich zoegernd zu ihm: "Guten Abend."

"Ah, du sprichst gluecklicherweise Deutsch," sagte er mir laechelnd.

"Ja."

Ich hatte mich nicht geirrt. Er war an mir als Auslaender interessiert,
aber er wollte auch Sex mit mir haben. Das Portal neben ihm gehoerte zu
einer Zimmervermietung, in welche er mich fuehrte. Ich folgte ihm voller
Erwartung. Die Wohnung war duester, schlecht beleuchtet und
uebelriechend. Im Zimmer befand sich ein weites Bett und in einer Ecke
ein abgekratzter Waschbecken.

Nach Bezahlung des Zimmers sagte der Vermieter zu ihm: "Sag dem
Chinesen, nicht in das Waschbecken zu pinkeln!" und wir verschlossen die
Tuer.

"Ich bin kein Chinese", sagte ich.

"Nein? Woher bist du dann?"

"Aus Japan."

"Ist das nicht dasselbe?"

"Bist du aus Spanien?"

"Ich? Nein, ich bin Deutscher," sagte er mir etwas erstaunt.

"Ist das nicht egal?" fragte ich ihn mit einem Laecheln.

Er laechelte auch und sagte: "Ja, jetzt verstehe ich. Aber jetzt lass'
und ausziehen, komm, mach' schon."

Einem schoenen Mann zuzuschauen, indem er sich auszieht, ist fuer mich
immer ein wahrer Genuss gewesen, obwohl ich es jetzt vorziehe, ihn
auszuziehen. Aber damals war ich sicher zu scheu gewesen. Daher genoss
ich es, den Soldaten bei seiner Entkleidung zu beobachten und ich folgte
seinem Beispiel. Auch er schaute mit weit geoeffneten Augen meinen
ganzen Koerper an. Ich war sein ersten Mann aus dem Osten, glaube ich.
Er, der mir seinen Namen nicht gesagt hatte, war fuer mich der vierte
Mann und der zweite aus dem Westen. Er war nicht gerade schoen, aber
auch nicht haesslich. Wir machten Liebe. Er hatte eine fast tierische
Sinnlichkeit und einen etwas seltsamen Geruch. Um die Wahrheit zu sagen,
riechen alle westlichen Maenner seltsam, aber man gewoehnt sich daran.
Vielleicht haben die Voelker eines jeden Landes einen eigenen Geruch,
aber es scheint, dass wir Japaner keinen Eigengeruch haben,
moeglicherweise merke ich es nicht, weil es mein eigener ist.

Nachdem wir Liebe gemacht hatten, fing er an, waehrend wir uns wieder
anzogen, mir verschiedene Fragen zu stellen: wer ich war, was ich in
Berlin mache usw. Etwas Merkwuerdiges fragte er mich, ob ich beschnitten
sei. Er war erstaunt als ich verneinte und ich sagte, dass unsere Eichel
natuerlich bedeckt sei. Wie ich auch schon bei Larry festgestellt hatte,
verdeckt die Vorhaut der Westlichen gaenzlich deren Spitze. Es ist
unbequem zu waschen, denke ich, aber ich habe es immer bezaubernd
gefunden.

Als er erfuhr, dass ich Student sei, fragte er mich: "Wahrscheinlich
wird es dir gefallen, von Zeit zu Zeit etwas Geld zu verdienen, oder?
Studenten wie auch wir Soldaten sind immer knapp bei Kasse."

"Nun...", antwortete ich unsicher, da ich nicht genau verstand, was er
meinte.

"Wenn du magst, koennte ich dich passenden Leuten vorstellen; sehr
reiche, wichtige Leute, denen bereitwillige junge Maenner gefallen. Du
als Auslaender so verschieden von uns, wuerdest gewiss sehr gut
aufgenommen. Vielleicht kannst sogar einen festen Liebhaber finden, der
dich unterhaelt. Wuerde es dich interessieren?"

"Warum schlaegst du mir das vor?"

"Weil diese Herren mich bezahlen, wenn ich ihnen einen netten und
bereitwilligen neuen Jungen vorstelle."

"Aber machst du auch Liebe mit ihnen?"

"Sicher, und jedes Mal bekomme ich Geschenke und Geld."

"Aber ich verstehe nicht, wie es geht."

"Man organisiert kleine Feiern, woran wir auch teilnehmen und mit ihnen
essen und trinken. Wenn uns einer von ihnen bittet, ihn irgendwohin zu
begleiten, gehen wir mit ihm."

"Du sagst 'wir'. Aber wer sind diese 'wir'?"

"Freunde von mir, Militaers, Studenten, auch einige Arbeiter. Alles
ausgewaehlte Leute. Will einer jener Herren bei sich zu Hause ein Fest
fuer seine Freunde geben, so laesst er es mich wissen. Er sagt mir, wie
viele Jungen er dabei haben moechte. Ich gebe die Nachricht meinen
Freunden weiter und wir gehen hin. Es ist einfach und sicher."

"Aber wer sind diese einladenden Leute?"

"Adlige, reiche Geschaeftsleute, Bankiers, Industrielle - auch einige
Politiker."

Ich dachte, es koenne interessant sein, sowohl um jenes Milieu
kennenzulernen, als auch um Liebe zu machen, und so nahm ich seinen
Vorschlag an, obwohl ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, mich
damit in die Rolle eines Geisha-Jungen untersten Ranges zu begeben.

Auf diesem Weg lernte ich auch Otto von Kleiden kennen.



Ich lernte Otto nicht beim ersten Mal kennen, als ich mit jenem Soldaten
zu einem der Feste ging, aber einige Zeit danach. Zu jener Zeit war Otto
im Ausland. Wie der junge Soldat vorhergesehen hatte, erweckte ich viel
'Neugier' und viele der Maenner baten mich um 'Begleitung'.

Jene Feste waren ganz genau wie andere Feiern auch, man ass, man trank,
man unterhielt sich, nur mit dem kleinen Unterschied, dass wenn zwischen
einem der Gaeste und einem der Jungen ein Einvernehmen entstanden war,
der Herr eine Einladung aussprach und die beiden zusammen fortgingen.
Mein erstes Mal, daran erinnere ich mich gut, war ein Bankier mittleren
Alters, mit dem ich ins Gespraech kam und der mir ziemlich nett aussah.
Ploetzlich fragte er mich, ob es mir gefiele, seine Sammlung alter
Pistolen anzusehen. Zuerst dachte ich, fuer ihn nicht von Interesse zu
sein und dass die Einladung nur das meinte, was seine Worte sagten, aber
ich akzeptierte, weil ich zu schuechtern war um die Einladung
abzulehnen.

Wir fuhren mit einer Kutsche bis zu einem Haus, in dem keine Spur einer
Pistole zu sehen war, aber als Ausgleich ein grosses Himmelbett, das uns
fuer die ganze Nacht aufnahm. Am naechsten Morgen fuhr er mich mit der
Kutsche bis in die Naehe meines Wohnortes und einen Augenblick bevor ich
ausstieg, steckte er mir etwas in die Brusttasche. Es war eine
stattliche Summe, wie ich danach feststellte. Aber spaeter waren die
Einladungen weniger umstaendlich, wie etwa: 'willst du die Nacht mit mir
verbringen?', aber ueblicher Weise einfach: 'wuerde es dir gefallen,
mich nach Hause zu begleiten?', oder 'ich moechte dir gerne meine
Wohnung zeigen', ich moechte dir gerne etwas Interessantes zeigen', 'ich
wuerde dich gerne mit meinem besten Freund bekannt machen' (man
versteht, es war sein Penis), 'koenntest du mit mir in mein Haus zu
kommen, um etwas mit mir zu trinken?'

Bei den Geschenken handelte es sich nicht immer um Geld. Insbesondere,
wenn man Liebe nicht zum ersten Mal miteinander machte. Es konnte sich
um Kleider handeln, um Schmucksachen, oder auch um andere Geschenke,
immer von gewissem Wert.

Drei bis viermal im Monat fanden diese Feste statt und immer in den
Haeusern der zwei oder drei Herren, die als Gastgeber auftraten. Die
Gaeste im Gegenteil wechselten oft genug, obwohl es auch Stammgaeste
gab.



Die Delegation reiste nach Japan zurueck, mit einem hoeflichen aber
festen 'Nein' Bismarcks im Gepaeck, der die Aenderung der
Strafrechtsgesetzgebung Japans als erste Bedingung voraussetzte. So
blieben nur wir Studenten in Deutschland, in dem Haus, das die Botschaft
fuer uns gemietet hatte. Von der Botschaft erhielten wir auch unser
Monatsstipendium. Mein Studium an der Universitaet nahm den groessten
Teil meiner Zeit in Anspruch, jedoch hinderte es mich nicht, an jenen
Festen teilzunehmen, zu denen ich nunmehr staendiger Besucher geworden
war, denn sie boten die Gelegenheit, wichtige Herrschaften
kennenzulernen. Ich schrieb in meinem monatlichen Berichten an die
Botschaft ueber die Herren, die ich dort traf, aber ich ging auch gerne
dorthin, weil es mir auf keinen Fall missfiel, einige jener vornehmen
Herrschaften zu begleiten, wenngleich sie alle viel aelter waren als
ich.

Otto von Kleiden erschien zu einem jener Feste ungefaehr ein Jahr nach
meiner Ankunft in Berlin. Als Otto zum ersten Mal den Saal betrat, fiel
er mir unverzueglich auf. Er war nicht nur unglaublich schoen, sondern
auch der Allerjuengste, den ich je unter jenen Herren bemerkt hatte. Er
war damals einunddreissig Jahre alt, genau zehn Jahr aelter als ich
damals war. Er war von stolzem, elegantem und selbstsicherem Auftreten.
Er hatte einen scharfen, hellen Blick, den Schein eines leichten
Laechelns, als ob er an allem und jedem Vergnuegen fand. Er war gross,
schlank, elegant und von ihm ging Staerke und Energie aus, eine
Sympathie, der man sich nicht entziehen konnte. Ich fuehlte mich sofort
zu ihm hingezogen.

Aber jenes erste Mal schien er mich fast nicht zu bemerken, oder aber
nicht an mir interessiert zu sein. Nachdem er seine Freunde begruesst
hatte, ging er geradewegs zu einem jungen Soldaten, bei dem er den
ganzen Abend blieb und mit ihm sprach, bis die beiden zusammen
weggingen.

Ich muss zugeben, dass ich etwas unangenehm betroffen war. Ich hatte
gehofft, er kaeme zu mir, er wuerde mit mir sprechen. Jenen Abend musste
ich mich mit einem Baron begnuegen, dessen Leidenschaft das
Fotografieren war - selbstverstaendlich nackte junge Maenner. Bevor er
Liebe mit mir machte, musste ich mich ganz nackt ausziehen und er machte
einige Fotos von mir. Anfangs wollte ich es nicht, ich schaemte mich zu
sehr. Ich akzeptierte erst, nachdem er mir dutzende Fotos junger Maenner
gezeigt hatte, die er ins Bett genommen hatte, nachdem er Fotos von
ihnen gemacht hatte.

Auch beim naechsten Abendessen, zu dem Otto auch kam, schien er an mir
nicht interessiert zu sein. Jenen Abend waehlte er einen anderen
Soldaten, so dass ich dachte, er waere nur an Jungen mit Uniform
interessiert - und so ging es noch zwei, drei andere Abende

Aber endlich, eines Abends ...

Ich hatte mich fast am Gedanken abgefunden, dass jener strahlende junge
Mann, der mich so sehr bezauberte, an mir kein Interesse hatte. Und
doch, jedesmal, wenn ich ihn sah, konnte ich es nicht verhindern, mir
seiner Anwesenheit mehr als bewusst zu sein. Ich konnte es mir nicht
verbieten, mit wem ich auch gerade sprach, weiter, fast ununterbrochen,
fluechtig aus den Augenwinkeln nach ihm zu sehen, obwohl ich nunmehr
keine Hoffnung mehr hatte.

Das Abendessen war zu Ende, wie gewoehnlich unterhielt man sich in
kleinen Gruppen im grossen Salon. Ein hoher Kavallerie-Offizier schien
an mir besonders interessiert zu sein und ich fragte mich, ob und wann
er mich einladen wuerde, mit ihm zu gehen und ob ich ihm ja oder nein
antworten solle. Ich bemerkte, dass Otto, der mit anderen Leute sprach,
mich anschaute und im Gegenteil zu anderen Abenden seinen Blick nicht
abwandte.

Er schaute mir direkt in die Augen mit seinem klaren, durchdringenden
Blick und ich fuehlte mich erroeten. Ich sah ihn, als er aufstand, ohne
seinen Blick von mir abzuwenden, und in meine Richtung kam.

Ich war zutiefst geruehrt. Ich schaute ihn gebannt an, wie das Kaninchen
die Schlange, die es bald auffressen wird. Ich sah, dass er auf mich
zukam, mit seinem ueblichen Laecheln auf seinen schoenen geraden Lippen.
Ich hielt den Atem fuer Sekunden an, die mir eine Ewigkeit schienen.

Inzwischen war ich aufgestanden, er blieb mir gegenueber stehen.

"Guten Abend, Herr Fujita", sagte er in sehr hoeflichem Ton.

"Guten Abend", antwortete ich ueberrascht, da er meinen Namen kannte.
'Er hatte sich also nach mir erkundigt!' dachte ich verlegen, aber
zufrieden.

"Darf ich Ihnen etwas zu Trinken anbieten?"

"Danke. Das ist sehr nett von Ihnen."

Er machte eine hoefliche Handbewegung und wir machten uns auf den Weg
zum Buffet.

Ich war entschieden erregt und zitterte beinahe. Als wir zum Buffet
kamen, blieben wir dort nicht stehen, wie ich dachte, sondern er gab mir
ein Zeichen, weiterzugehen. Wie betaeubt folgte ich ihm und als er
meinen leicht verwirrten Ausdruck bemerkte, laechelte er. Er fuehrte
mich bis zur Terrasse.

Hier sagte er mir: "Nein, nicht hier. Ich moechte Sie zu mir einladen,
um etwas zu trinken. Ich bin sicher, Sie werden nicht ablehnen."

"Was gibt Ihnen diese Sicherheit, mein Herr?" fragte ich ihn, waehrend
ich in Gedanken schon 'Trottel' zu mir sagte, weil ich diese Einladung
nicht sofort annahm. Vielleicht koennte er ausgerechnet wegen meiner
Antwort seinen Gedanken aendern.

"Die Art, wie Sie mich anschauen, seit dem ersten Augenblick bis jetzt.
Es scheint, dass Sie nur Augen fuer mich haben. Wirklich, ich muss Ihnen
sehr gefallen."

"Ich bedauere sehr, Sie mit meinen Blicken belaestigt zu haben."

"Im Gegenteil", sagte er entschieden.

"Aber Sie schienen mich nicht bemerkt zu haben."

"Im Gegenteil ..." wiederholte er, jedoch diesmal mit so sanftem Ton,
dass es mich ueberraschte. Ganz erstaunt schaute ich ihn an.

"Ganz im Gegenteil ...", wiederholte er fast fluesternd. "Herr Fujita,
Sie gefallen mir sehr, glauben Sie mir."

"Ich haette es wirklich nicht gedacht. Sie gaben mir nie Veranlassung,
daran zu denken, es mir vorzustellen. Vielmehr glaubte ich, Ihnen nicht
zu gefallen, Ihr Interesse nicht zu wecken."

"Oh, nein! Sie gefaellen mir sogar sehr!", sagte er mit Waerme in seiner
Stimme.

"Ich gefalle Ihnen sehr? Das verstehe ich nicht."

"Ja, Sei gefallen mir sehr. Schon beim ersten Mal, als ich Sie
erblickte. Sie waren sehr unterschiedlich zu allen anderen Jungen. Und
ich meine damit nicht Ihre oestliche Herkunft. Ich fuehlte mich sehr, zu
sehr zu Ihnen hingezogen - und das beaenstigte mich. Sie haben so etwas
wie É eine Macht. Ich hatte entschieden, dem nicht nachzugeben, aber es
ging nicht. Es war mir nicht moeglich, Sie aus meinem Kopf und aus
meinen Gedanken zu bekommen. Ein Schmerz ueberdeckt den anderen, sagte
ich mir und daher waehlte ich fuer mich verschiedene Jungen, einen
schoener als den anderen. Aber jedesmal dachte ich nur an Sie. Deshalb
habe ich heute Abend kapituliert und habe beschlossen, Sie einzuladen,
um mit mir zu kommen."

Ich ging mit ihm nach Hause. Ich verbrachte eine leidenschaftliche Nacht
mit ihm, wirklich wunderbar. Otto lehrte mich zu kuessen. Anfangs schien
es mir so seltsam, ich war daran nicht gewoehnt, aber bald fing ich an,
es so sinnlich und genuesslich zu finden. Als wir einschliefen setzte
fast die Morgendaemmerung ein, dicht aneinander geschmiegt, voller
Zufriedenheit. Ich wachte auf, als es beinahe Mittag war. Er lag noch
neben mir, bereits aufgewacht, und schaute mich an.

Ich schaute auf die Uhr und murmelte dann: "Jetzt sollte ich bereits in
der Universitaet sein".

"Aber stattdessen bist du hier, bei mir."

"Moechten Sie mich nach Hause begleiten, mein Herr, bitte?"

"Ja, wenn du willst, aber ..."

"Aber?"

"Bleib' bei mir. Werde mein Freund, bleib hier bei mir."

"Ihr Freund?"

"Ja! Mein einziger Junge. Und nur meiner. Sagst du mir ja, verzichte ich
auf alle jene Abendgesellschaften, auf all jene Jungen. Mach mich
gluecklich und ich werde dich auch gluecklich machen. Ich verspreche es
dir, bleib' hier und lebe hier mit mir."

"Aber ich muss die Universitaet besuchen. Und was wuerden meine
Vorgesetzten in der Botschaft sagen, sollte ich unser Haus verlassen?"

"Mir werden sie nicht nein sagen. Ich weiss ganz gut, dass du hier bist,
um die deutsche Gesellschaft und die deutsche Wirtschaft zu studieren.
Ich werde ihnen sagen, dass ich dir ein Voluntariat in einer Firma
meines Vaters anbiete. Sie werden zweifelsohne sofort akzeptieren.
Vorausgesetzt, du sagst ja. Ich habe niemals in meinem Leben jemanden um
etwas gebeten, jetzt aber bitte ich dich: akzeptiere!"

"Ich mag Sie sehr, mein Herr."

"Warum nennst du mich nicht mit meinem Namen?"

"Weil ich noch nicht Ihr Freund bin."

"Und du moechtest es nicht werden?"

"Es ist mir eine Ehre."

"Bitte!"

"Ich ..."

"Ich liebe dich. Ja, ich liebe dich!" sagte er mit so
leidenschaftlichem, ehrlichem Ausdruck, dass ich ueberwaeltigt war, auch
weil ich mir in diesem Augenblick darueber im klaren war, dass ich mich
ebenfalls in ihn verliebt hatte.



Wir wurden Liebhaber. Wie er vorgesehen hatte, machte mein Vorgesetzter
in der Botschaft nicht nur keine Schwierigkeiten mir seine Genehmigung
zu erteilen und so Ottos Angebot zu akzeptieren, sondern er
beglueckwuenschte mich sogar, solches Ergebnis erreicht zu haben.

Otto bewohnte eine elegante Villa am neuen Stadtrand der Hauptstadt. Mir
wurde ein kleiner zweistoeckiger Bau in einer Ecke des grossen Gartens
zugteilt. Im Erdgeschoss war die Kueche, das Zimmer des mir zugewiesenen
Dieners, der auch fŸr das Kochen und alles zustaendig war, damit meine
Sachen geordnet waren, ebenso wie auch das Esszimmer und die Wohnstube.
Am ersten Stock war ein grosses Schlafzimmer, ein kleines Arbeitszimmer,
ein Bad und eine Veranda. Alles fuer mich.

Der Diener (oder Page, wie ihn Otto nannte) war ein ungefaehr
vierzigjaehriger Mann und der einzige, der genau wusste, worum es sich
bei dem Verhaeltnis zwischen Otto und mir eigentlich handelte. Er war
tuechtig und diskret, besonders aber Otto treu und zuverlaessig ergeben.

Fast jeden Tag kam Otto zu mir und wir liebten uns. Was mich an seinem
Benehmen erstaunte, war, dass er sich auf keinen Fall schaemte, dass
mein Diener von uns beiden wusste, und doch schaemte Otto sich, sich in
meiner Gegenwart auszuziehen. Er verdunkelte immer das Zimmer, bevor wir
uns liebten, damit ich ihn nicht nackt saehe. Anfangs verdaechtigte ich
ihn, er wolle vor mir irgend einen koerperlichen Mangel verstecken, aber
meine Haende streiften ueber einen makellosen Koerper.

Als ich es erwaehnte, sagte er zu mir: "Nur Tiere und unentwickelte
Voelker schaemen sich nicht ihrer Nacktheit. Aber zu uns zivilisierten
Voelkern passt das nicht."

Ein anderes Geheimnis der Menschen im Westen: Im Unterschied zu uns
Japanern, die wir zusammen problemlos nackt baden, heben aber unsere
Kleider unsere Koerperformen nicht hervor. Schaemen sich die Menschen im
Westen ihres nackten Koerpers, scheinen aber ihre Kleider ausdruecklich
dazu gemacht, eben ihre koerperlichen Merkmale besonders hervorzuheben.
Das ist ganz sicher weder der einzige noch der groesste Unterschied
zwischen unseren beiden Kulturen. Zum Beispiel, lieben und schaetzen
sowohl wir als auch die Europaeer Antiquitaeten. Aber waehrend fuer uns
die Spuren der Zeiten ein Vorzug sind, schaetzen sie ein Stueck um so,
mehr je aelter eine Antiquitaet ist. Uns gefaellt die Altersfaerbung.
Sie im Gegenteil polieren ihre Gegenstaende, bis sie wie neu glaenze.
Sie sehen dann beinahe so aus, als ob sie gerade hergestellt wurden.



Otto war auf mich sehr stolz und sehr oft nahm er mich mit zu seinen
Freunden, denen ebenso die Liebe von Mann zu Mann gefiel, und stellte
mich ihnen als seinen Liebhaber vor, anderen als einen engen Freund und
Schuetzling. Hierbei entdeckte ich noch eine andere Seltsamkeit.

"Meine Familie gehoert altem Adel an und ist nicht daran gewohnt, zu
ihren Freunden Leute niedrigerer Sozialschichten zu zaehlen. Entstammst
du einer adligen Familie?" fragte er mich eines Tages.

"Nein ... Wir sind eine Samurai-Familie, das sind Krieger, keine
Hofadligen."

"Aber euer Kaiser hat diese Unterscheidung doch aufgehoben, nicht wahr?"

"Ja, letztlich hat er sie aufgehoben."

"So bist du jetzt praktisch ein Edelmann."

"Wenn du es so sehen willst, ja. Jedenfalls ist meine Familie von
niederem Adel. Ich wuesste sie nicht, wie ich es bezeichnen kann. Es
scheint mir, dass es hier in eurem Land nichts vergleichbares gibt."

"Hier in Europa koennte jedenfalls dein Stand unserem Titel Marquis oder
Baron entsprechen. Ja, wir koennen sagen, du bist Baron. Ich koennte
mich nicht staendig sehen lassen, immer in Begleitung eines Mannes ohne
Titel, verstehst du."

Tatsaechlich verstand ich es nicht, im Gegenteil schien mir die Sache
komisch und sinnlos, aber er schien viel Wert darauf darauf zu legen. So
war ich damit einverstanden und wurde fuer alle 'Baron Fujita'. Es war
so, als ob ich mich in Japan 'Fujita Tono-Sama' nennen lassen wuerde, es
schien mir, einen Titel unrechtmaessig zu tragen. Man gewoehnt sich an
Vieles und daher gewoehnte ich mich auch daran, 'Baron' genannt zu
werden.

Otto war sehr elegant und wollte, dass ich mich ebenfalls fein anziehe,
daher liess er mich auf seine eigenen Kosten neu einkleiden. Aber er
gestattete mir wenigstens zu Hause, meinen geliebten Kimono anzuziehen.
Ich glaube, er betrachtete ihn wie einen eigenartigen exotischen
Morgenrock. Er hat die Schoenheit und die Feinheit eines Kimonos nie
schaetzen koennen. Er war ziemlich fest in seiner Kultur gebunden und
all das, was fuer ihn anders war, hielt er im besten Falle fuer
'amŸsant'. Anfangs stoerte es mich zu hoeren, etwas als 'komisch' zu
befinden, wenn ich ihm unsere Kultur zu erklaeren versuchte. Daher
hoerte ich allmaehlich auf, mit ihm darueber zu sprechen. Aber
schliesslich war ich dort, um seine Kultur zu verstehen, nicht um unsere
zu erklaeren. Darum stoerte ich mich allzu sehr daran.

Auch wenn wir allein waren, war er immer sehr hoeflich zu mir, immer
sehr beherrscht, aber auch immer ein wenig zurueckhaltend. Ich glaube,
dass es das Ergebnis seiner Erziehung war. Darin war er nicht sehr
verschieden von uns Japanern. Im Bett war er im Gegenteil sehr
empfindsam und zeigte problemlos seine ganze Sinnlichkeit. Er schien,
dass hier zwei verschiedene Personen waren. In gewissem Sinne bevorzugte
ich sein Bettgesellschaft, hier war er natuerlicher und kontrollierte
sich nicht. Und er wusste sehr gut, wie er mich zu unglaublichen
Hoehepunkten der Lust fuehren konnte.

Auf alle Faelle fuehlte ich mich wohl mit ihm. Er war sehr aufmerksam
und erfuellte immer meine Wuensche mit taktvoller Fuersorge. Aber er war
aber auch ziemlich eifersuechtig. Ich musste sehr aufpassen, mich an
anderen Maennern nicht zu interessiert zu zeigen, denn sobald wir allein
blieben, nahm er mich ins Verhoer: 'gefaellt dir jener? hat er dir ein
Angebot gemacht? und du ihm? moechtest du mit ihm was machen?'
Gluecklicherweise glaubte er meinen Antworten und beruhigte sich - bis
zum naechsten Mal. Daher beschloss ich aufzupassen, ihm keinen Grund zu
derartigen Aengsten zu geben. Deshalb fing ich auch an, mich von anderen
Maennern fernzuhalten.

Mit ihm lebte ich etwas mehr als zwei Jahre, bis ich in meine Heimat
zurueck musste. Es waren zwei schoene, interessante Jahre.

Als die Zeit des Abschieds kam, schlug er mir vor, bei ihm in
Deutschland zu bleiben. Es haette mir gefallen, aber ich durfte nicht -
meine Pflicht zur Heimat gebot mir, nach Japan zurueckzukehren. Otto
nahm meine Entscheidung als richtiger Gentleman mit seiner ueblicher
Zurueckhaltung auf, auch wenn ich glaube, dass er ein wenig enttaeuscht
gewesen ist. Als wir uns das letzte Mal liebten, bat ich ihn, mir einen
Wunsch zu erfuellen, nur einen einzigen: ich wuenschte mir, ihn einmal
bei Tageslicht zu lieben, ihn zu sehen, anzuschauen, ihn auch mit den
Augen zu geniessen. Er akzeptierte nicht sofort, ich musste darauf
bestehen, aber schliesslich machte er, worum ich ihn gebeten hatte. Er
war wirklich ein herrlich anzusehender Mann. Meine Augen sogen sich voll
mit diesem sinnlichen, maennlichen Bild.

Er begleitete mich bis zu dem Schiff, das mich nach Japan zurueckbringen
sollte. An Bord, nachdem er die Anordnung meines ganzen Reisegepaecks
ueberprueft hatte, schenkte er mir seine Miniatur, montiert in einem
kleine Rahmen, der im Deckel einer kleinen Schachtel aus Gold und
Emaille angebracht war.

"Wirst du dich an mich erinnern, mein kleiner Shige?"

"Wie koennte ich dich vergessen?"

"Du wirst einen anderen Liebhaber finden, und dann ..."

"Und du? Denkst du, dass du mich vergessen wirst?"

"Nein, es stimmt. Verzeih mir. Aber ich bin traurig zu sehen, dass du
abreist. Vielleicht werden wir uns nie mehr wieder sehen."

"Wirst du nicht nach Japan kommen?"

"Ich weiss es nicht. Ich glaube nicht."

"Manchmal haelt das Leben Ueberraschungen fuer uns bereit."

"Ja, manchmal, aber sehr selten. Ich habe dich geliebt, mein lieber
kleiner Shige."

"Ich dich auch, Otto. Ich habe jeden Augenblick geliebt, den ich mit dir
verbracht habe. Und ich habe jede Handbreit deines Koerpers geliebt."

Bei diesen Worten erroetete er ploetzlich, aber ich sah, dass ihn
beglueckte, was ich ausgesprochen hatte, denn seine Augen leuchteten
auf. Die Schiffssirene rief und wir mussten uns trennen. Das Schiff
verliess den Hafen und bald war er nur noch ein kleiner dunkler Punkt
auf dem Hafendamm, ganz fern.

Ich ging in meine Kabine und trat einigermassen traurig die lange
Rueckreise an, die diesmal ohne besondere Ereignisse verlief. Ich
bedauerte es nicht, nach Japan zurueckkehren, aber es war mir sehr
schwer geworden, mich von Otto zu trennen. So fragte ich mich, ob wieder
einen Liebhaber haben wuerde, von dem zu trennen ich mich frueher oder
spaeter nicht gezwungen sehen muesste.

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CONTINUES IN BAND 4

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stories into German, so that I can put on-line more of my  stories in
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(Sorry, I can't speak German... Andrej)

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