Date: Wed, 20 Apr 2011 08:32:06 +0200
From: A.K. <andrej@andrejkoymasky.com>
Subject: Liegt was vor mit Namen Schicksal 09/10 (German - historical - Adult youth)

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LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL...

von Andrej Koymasky © 2011
am 5 Juni 1994 geschrieben
Deutsche Ÿbersetzung: Mario Mosa & Bernd Schneider

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USUAL DISCLAIMER

"LIEGT WAS VOR MIT NAMEN SCHICKSAL..." is a gay story, with some parts
containing graphic scenes of sex between males. So, if in your land,
religion, family, opinion and so on this is not good for you, it will be
better not to read this story. But if you really want, or because YOU
don't care, or because you think you really want to read it, please be
my welcomed guest.

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BAND 9 - RI - TACHIKAKWA OBERSCHULE

Ich hebe mein Haupt
und entzuende die alte Oellampe -
kalt ist die Nacht.


Der Koreanische Krieg (1895) fand statt, aber zu unserem Glueck wurden
weder Yukichi noch ich einberufen. An diesem Krieg war naemlich auch
China beteiligt, da die Chinesische Regierung unsere Macht auf der
koreanischen Halbinsel nicht anerkennen wollte. Unsere moderne,
leistungsfaehige Armee wurde mit der chinesischen Einmischung fertig und
dieser Sieg wurde in Japan mit grossem Stolz gefeiert. Russland,
Frankreich und Deutschland schienen unserer Macht wegen besorgt zu sein
und uebten Druck auf unseren Ministerpraesidenten Ito aus, um die
Halbinsel Liaodong wieder an China zurueckzugeben, die wir von China
erobert hatten. Viele Japaner erlebten diese dreifache Einmischung als
ungerecht und entwuerdigend, als einen Versuch, Japan den Grossmaechten
gegenueber nicht gleichberechtigt zu behandeln, was den Einfluss der
Nationalisten staerkte.

Ausgerechnet waehrend des Krieges erkrankte Tachikawa an der Leber.
Obwohl ihm Aritada die besten Aerzte der Hauptstadt zu ihm brachte, war
alles zwecklos. Wir besuchten ihn oft waehrend seiner Krankheit. Er war
sehr geschwaecht und doch er behielt seine heitere und leicht ironische
Haltung zum Leben und seinen Ereignissen.

"Siehst du, die Goetter und Buddhas sind barmherzig mit mir. Sie haben
beschlossen, meinem Leben ein Ende zu bereiten, bevor ich ein Wrack
wuerde. Zumindest Aritada wird sich an mich noch als einen starken Mann
erinnern. Ich habe noch alle meine Zaehne und auch noch volles Haar, und
bis vor einigen Wochen war ich noch faehig, wie ein junger Mann zu
lieben", sagte er mir wenige Tage vor seinem Tod mit ironischem Stolz.

Innerhalb weniger Monate starb mein Kollege. Er war nur etwas ueber
sechzig Jahre alt geworden. Aritada litt sehr darunter, fuer ihn war es
ein grosser Schmerz. Nur Yukichi und mich wollte er als Begleitung zum
Sumida-Fluss in der Naehe des Senso-Tempels, um dort Tachikawas Asche zu
verstreuen, gemaess seinem letzten Willen.

Waehrend er die Asche in den Fluss streute, sprach Aritada diesen Haiku
(traditionelle japanische Gedichtform), mit einem Wortspiel des Namens
Tachikawa, der 'am Fluss stehend' bedeutet:

"Am Flussufer ...
Ach, die lange Nacht!
Und das Wasser fliesst ..."

Dann fuegte er in wehmuetiger Erinnerung hinzu: "Ich habe ihn geliebt,
meinen grossartigen alten Mann, ich habe ihn geliebt von ganzem Herzen."

"Er auch hat dich geliebt", versuchte Yukichi ihn irgendwie zu troesten.

"Ja, ich weiss es. Meinetwegen hat er auf seine ewige Suche nach Knaben
verzichtet. Auch als ich ein Erwachsener geworden war, ist er mir treu
geblieben, wie auch ich ihm immer treu geblieben bin. Und jetzt fuehle
ich mich so einsam ..."

"Aber du hast doch eine Familie," sagte ich zu ihm.

"Meiner Frau liegt es daran, keinen Mangel an Geld zu haben. Was meine
Kinder betrifft, werden sie als Erwachsene ihre Wege gehen.

Er war sehr wichtig fuer mich. Meine Freunde fragten mich manchmal, was
ein junger, reicher Mann wie ich an einem einfachen Professor wie ihm
finden koennte. Aber er war ein Mann von unglaublichem inneren Reichtum.
Ja, ich bewunderte und schaetzte ihn sehr. Ich fuehlte mich bei ihm
geborgen. Ich betete zu den Goettern und Buddhas, mir zwanzig Jahre
meines Lebens zu nehmen und ihm zu schenken, aber sie erhoerten mich
nicht. Ich moechte nicht, dass man ihn vergisst. Er liebte die Jungen,
aber nicht nur in physischem Sinne. Er liebte sie sehr, alle, nicht nur
die, die sein Bett mit ihm teilten. Deshalb habe ich beschlossen, eine
Schule mit seinem Namen zu gruenden, fuer Oberschueler zwischen vierzehn
und achtzehn Jahren. Und wie er es sich ertraeumte, werden Stipendien
fuer die aermsten aber faehigsten Jungen gestiftet. Er wuerde sich
sicher sehr darueber gefreut haben, glaubt ihr nicht?"

"Ganz gewiss! Eine wunderbare Idee", sagte Yukichi voller Waerme zu ihm.

"Und Sie, Fujita-sensei (ehrenvolle Anrede), wollen Sie der Direktor der
Schule sein?" fragte Aritada mich.

Einen solchen Vorschlag hatte ich nicht erwartet. Darum antwortete ich
nicht sofort. Es schien mir eine zu schwierige Aufgabe zu sein. Ich war
mir nicht sicher, dem Anspruch dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Aber
Yukichi ueberzeugte mich, diesen Vorschlag anzunehmen und berichtete
mir, bereits mit Aritada einige Probleme besprochen zu haben, wie die
Schule geleitet werden solle und dass es ihm sinnvoll erschien, wenn ich
zu der Entstehung der neuen Schule beitruege.

So wurde das Gymnasium Tachikawa gegruendet; es wurde auf einem freiem
Grundstueck in Yatsuya gebaut und ich wurde zum Direktor ernannt. Mit
Aritada erarbeiteten wir die Regeln und die Schulordnung. Die Schule
nahm nur Schueler auf, die dort auch wohnen mussten (dies erleichterte
es den Jungen aus aermeren Familien) und daher wurde die Schule mit
einem schoenen Wohnheim ausgestattet. Es gab eine Turnhalle und Sport-
und Spielplaetze, die Kantine, das Gemeinschaftsbad, eine
Krankenstation; alles in niedrigen Gebaeuden, umgeben von viel Gruen.

Im ersten Jahr gingen wir in alle Grundschulen der aermsten Stadtviertel
Tokios, um die ersten Schueler zu finden, denen wir das Programm fuer
die Aufnahmepruefung uebergaben, die im folgenden Maerz stattfand. Die
Pruefung war nicht leicht. Wir suchten nur die besten und faehigsten
Schueler aus. Aber wenn sie ihre Pruefung bestanden hatten, war dann die
Schule erschwinglich fuer alle, da die Kosten den schulischen Leistungen
der Jungen umgekehrt proportional waren - je bessere Noten sie
erhielten, desto weniger Schulgeld musste gezahlt werden.

Das erste Jahr fing mit drei Klassen und zweiundsiebzig Schuelern an.
Sie hatten von Montag bis Sonnabend sechsunddreissig Unterrichtsstunden
sowie sechs Stunden in der Woche fuer sowohl traditionelle als auch
moderne Wettkaempfe und Sport, und weitere vier Stunden fuer andere
Aktivitaeten. So foerderten wir auch die Bildung von kulturellen
Arbeitsgemeinschaften ausserhalb des Unterrichts.

Die Schule wurde fuer zwoelf Klassen geplant, also fuer mehr als
zweihundertachtzig Schueler und ungefaehr zwanzig Erwachsene, die in der
Schule als Aufsicht der Jungen leben wuerden.

Es gab zwoelf kleine zweistoeckige Wohngebaeude. In jeden waren vierzehn
Zimmer, dreizehn Doppelzimmer fuer die Jungen und in ein Zimmer fuer den
erwachsenen Verantwortlichen des Hauses.

Aber im Unterschied zu anderen Schulen, waren die Wohngruppen nicht in
Jahrgaenge aufgeteilt. Im Gegenteil, in jedem Zimmer sollten zwei Jungen
aus zwei verschiedenen Jahrgaengen schlafen, ein Junge des ersten
Jahrgangs mit einem aus dem Dritten und ein Junge der Zweiten mit einem
aus der vierten Klasse. So waren im einem Haus nur zwei Jungen des
gleichen Schuljahrgangs. Dies erleichterte die Sozialisierung von Jungen
verschiedener Klassen. Der Groessere war fuer den Kleineren
verantwortlich und der Erwachsene des Hauses fuer alle sechs oder sieben
Aelteren. Jedes Jahr waehlten sich die Jungen des dritten Jahrgangs
einen der neuen Schueler, mit dem sie das Zimmer teilen wollten. Fuer
zwei Jahre sollten sie gemeinsam wohnen, solange es keine ernsthaften
Probleme gab. Der Zeitraum von vier Jahren war ein guter Gedanke und so
entwickelte sich die Schule ganz gut und alles lief bestens.

Obwohl unser System urspruenglich nicht so gedacht war, fuehrte es
unvermeidlich dazu, dass viele Jungen frueher oder spaeter nicht nur das
Zimmer sondern auch das Bett miteinander teilten. Es war genau das Alter
der ersten sexuellen Neugier und so war es nur natuerlich, dass es dazu
kam, das Neue gemeinsam zu entdecken.

Ein Erwachsener eines Hauses kam einst zu mir, um dieses "Problem" mit
mir zu besprechen. Er hatte den festen Eindruck, dass nicht wenige
Jungen nachts in ihren Zimmern miteinander Sex machten. Ich antwortete
ihm, dass die Jungen lernen sollten, ihr Privatleben auf ihre eigene
Weise zu fuehren und dass uns ihr Privatleben auf keinen Fall etwas
anging. Wir mussten nur sicher sein, dass kein Junge von dem anderen
schikaniert werden duerfe und dass niemand gezwungen werden duerfe etwas
zu tun, was er nicht wollte, oder dem Druck seines Zimmerkameraden
nachzugeben. Ansonsten hatten wir uns nur darum kuemmern, dass die
Jungen fleissig lernten. Natuerlich wuerden wir derartige Beziehungen
nicht foerdern, selbstverstaendlich nicht, aber wir sollten sie auch
nicht unterbinden, sagte ich ihm.

"In diesem Alter gehen die meisten Jungen durch derartige Erfahrungen.
Ich habe diese Erfahrung auch gemacht. Sie etwa nicht?" fragte ich ihn.

"Nun, ja É natuerlich É", sagte er etwas schuechtern.

"Und hat es Ihnen auf irgendeine Weise geschadet?"

"Ich glaube nicht," sagte der Mann. Er habe verstanden und kam auf das
Thema nicht mehr zurueck.

Manchmal kam es vor, dass ein Junge sich beschwerte, von seinem
Zimmerkameraden zum Sexmachen gezwungen worden zu sein. Wir riefen den
"Schuldigen" und erklaerten ihm einfach, niemand habe das Recht, seine
eigene Befriedigung an anderen zu erzwingen und dass sein Fehler nicht
in seinem sexuellen Verhalten bestand, sondern dass er auf seinen
Kameraden Zwang ausgeuebt haette. Danach verlegten wir ihn in ein
anderes Haus und warnten ihn, dass wir ihn im Wiederholungsfalle, von
der Schule fortschicken muessten. Wir mussten keine Schueler von der
Schule verweisen.

Mitunter entwickelten sich auch Freundschaften, wenn die Jungen, nicht
im gleichen Zimmer waren. Es genuegte dann, dass sie uns baten, ein
Zimmer zu teilen zu duerfen (freilich, ohne uns den Grund zu sagen), so
dass wir sie dann bald in ein gemeinsames Zimmer ziehen liessen. Es kam
auch vor, dass Paare nach dem Ende ihrer Schulzeit zusammen blieben.
Aber auch ohne koerperliche Beziehung, oder falls diese mit dem Ende der
Schulzeit 'natuerlich' endete, blieben viele auch spaeter gute Freunde.

Wir bereiteten unsere Schueler bestens auf die Zulassungspruefung zu der
Kaiserlichen Universitaet vor, so dass sie die besten Aussichten hatten,
die Pruefung an der hochangesehenen Unversitaet in Tokio zu bestehen.

Jedes Jahr veranstalteten wir ein Treffen aller Ehemaligen und die
grosse Mehrheit kam gerne zurueck und blieb der Schule verbunden. Der
Grund war die strenge Disziplin, die sie erlebt hatten, verbunden hoher
Eigenverantwortung und Freiheit.

Wir waren alle sehr stolz auf unserer Schule.

Yukichi unterrichtete weiterhin an der Kaiserlichen Universitaet in
Tokio, aber wir hatten es derart organisiert, dass unsere Tagesplaene
uns nicht daran hinderten, einen Teil des Tages zusammen zu verbringen.
Mit ihm diskutierte ich oft die Probleme des Tachikawa Gymnasiums und
ich folgte oft seinen Ratschlaegen.

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Das schwierigste Problem hatten wir einst, als wir entdeckten, dass ein
ehemaliger Schueler sich nachts auf das Schulgelaende schlich, um mit
seinem frueheren Zimmerkameraden weiterhin ein Verhaeltnis zu haben.
Eines Nachts wurden sie von einem Nachtwaechter im Ankleideraum
erwischt, als sie sich voellig einander hingaben. Sie wurden gezwungen,
sich wieder anzuziehen, und fuer den Rest der Nacht in zwei verschiedene
Zimmer gesperrt. Am naechsten Morgen wurden sie in mein Buero gefuehrt.

Es waren der neunzehnjaehrige Sasaki Ryuta, ehemaliger Schueler, und der
siebzehnjaehrige Abe Koji aus dem dritten Jahr. Sie standen mit
haengenden Koepfen vor mir.

"Also, Sasaki, willst du mir mal erklaeren, was du nachts in unserer
Schule gemacht hast?" fragte ich streng, aber nicht hart.

"Sie wissen es, Herr Direktor Fujita, bestimmt hat man es Ihnen schon
gesagt."

"Ich moechte, dass du es mir sagst."

"Ich wollte Koji wiedersehen, ich meine Abe."

"Wiedersehen? Nur wiedersehen?"

"Nun ja, hier ..." fing er an, aber er erroetete und schwieg.

Dann sagte Abe mit lauter, entschiedener Stimme: "Darf ich sprechen,
Herr Direktor?"

"Ja, sicher."

"Sasaki und ich lieben einander und heute Nacht wollten wir es uns
eindeutig beweisen."

"Und zwar? Sprich klar. Hattet ihr Sex zusammen?"

"Ja, Herr Direktor, ich meine nein, Herr Direktor."

"Ja oder nein?"

"Wir hatten keinen Sex, Herr Direktor, ich meine, wir machten vielmehr
-, weil wir uns lieben, machten wir Liebe, Herr Direktor, wie ich schon
Ihnen gesagt habe."

"Bis zum Verstoss gegen die Schulordnung?"

"Wir konnten sonst nichts machen, Herr Direktor", sagte Sasaki.

"Wer hat dich hereingelassen, Sasaki? Das Tor war doch verschlossen,
oder etwa nicht?"

"Ich bin ueber den Zaun gesprungen, Herr Direktor", murmelte Sasaki,
dann fuegte er hinzu: "Bestrafen Sie mich, Herr Direktor, nicht ihn."

"Wie kann ich dich bestrafen, wenn du nicht mehr Schueler an unserer
Schule bist. Ich sollte dich bei der Polizei anzeigen."

"Wenn Sie wollen, peitschen Sie mich, Herr Direktor, ich habe es
verdient."

"Und dann? Bei der naechsten Gelegenheit wuerdest du wieder ueber den
Zaun springen, vielleicht mit etwas mehr Vorsicht?" fragte ich ihn.

"Herr Direktor, wir ... wir muessen uns sehen! Wir lieben uns, wirklich,
Herr Direktor! Egal, ob es richtig ist oder falsch", sagte Abe
bekuemmert, und griff dann mutig die Hand seines Freundes und drueckte
sie. Diese Haltung erschuetterte und ruehrte mich. Bereits vorher dachte
ich nur daran, einen Ausweg aus jener Situation zu finden. Ich wollte
den beiden Jungen helfen, aber ich konnte natuerlich nicht die
Schulordnung fuer sie nicht aendern.

"Nehmt beide Platz und hoert mir aufmerksam zu. Ich achte eure Gefuehle.
Aber ich muss ebenfalls darauf achten, dass die Regel der Schule nicht
uebertreten werden. Liebt ihr euch einander? Gut. Aber ein Fremder - und
du, Sasaki, bist jetzt ein Schulfremder - darf nicht in das Gelaende der
Schule herein, so wie auch kein Schueler heraus darf. Sonntags duerfen
die Jungen Besuch von ihren Familien bekommen, aber du, Sasaki, bist
leider kein Verwandter. Jedenfalls duerft ich euch nicht heimlich
zurueckziehen, wie ihr - so glaube ich - es wuenscht. Wenn eure Liebe
wirklich so stark ist, dann muesst ihr auch faehig sein, noch etwas
weniger als zwei Jahre zu warten, oder etwa nicht? Ich kann euch
verstehen, ihr seid jung, ungeduldig, aber ich denke auch, ihr seid
stark genug. Diesmal werde ich Abe nur foermlich bestrafen und dich,
Sasaki, auch nicht der Polizei uebergeben. Aber ihr muesst mir
versprechen, keine derartige Dummheit mehr zu begehen."

"Aber, Herr Direktor ..." fing Abe an.

Ich unterbrach ihn: "Bitte, lass mich fertig sprechen. Sasaki, was
machst du jetzt? Du studierst, so weit ich mich erinnere. Wo studierst
du?"

"Ja, ich studiere an der Waseda-Universitaet, Herr Direktor".

"Was studierst du?".

"Literatur, Herr Direktor."

"Hast du ein paar Stunden in der Woche frei?"

"Ja, Herr Direktor, ein paar Stunden die Woche", sagte er zoegernd,
offensichtlich ohne den Grund meiner Fragen zu verstehen.

"Waere es dir angenehm, hier zur Schule zu kommen, um Abe privaten
Literaturunterricht zu erteilen? Natuerlich kostenlos."

"Ich, hier in die Schule kommen, einmal in der Woche?"

"Ihr koennt euch in der Schulbibliothek sehen. Es versteht sich von
selbst, dass ihr nie allein sein werdet, aber ihr habt wenigstens die
Gelegenheit, euch einige Worte zu sagen, euch etwas zu schreiben und
euch zu sehen, um eure Wartezeit etwas zu erleichtern. Was sagt ihr
dazu? Mehr kann ich euch nicht anbieten. Nehmt ihr meinen Vorschlag an?"

"Herr Direktor, meinen das Sie ernst? Sicher nehmen wir an, nicht wahr
Abe? Wir sind Ihnen sehr dankbar, Herr Direktor, sehr dankbar!"

"Aber nur unter einer Bedingung: Ihr versucht nicht, euch anderswie zu
sehen, euch zu verstecken, mich zu betruegen. Wollt ihr annehmen? Dann
gebt ihr mir euer Ehrenwort."

Sie akzeptierten und soweit ich weiss, hielten sie ihr Versprechen. Und
als schliesslich auch Abe Koji sein Abitur gemacht hatte, kamen die
Beiden noch einmal zu mir, um mit mir zu sprechen und um sich zu
bedanken.

"Sie sind so freundlich zu uns gewesen, Herr Direktor. Wir werden das
nie vergessen und werden Ihnen immer dankbar sein. Falls Sie irgendetwas
benoetigen und wir es moeglich machen koennen, seien Sie sicher, Sie
koennen immer auf uns rechnen. Egal was es ist!"

"Was werdet ihr jetzt machen?"

" Abe wird die Waseda-Universitaet besuchen und wird in dem von mir
gemieteten Zimmer mit mir wohnen."

"Habt ihr Geldprobleme?"

"Ein Bisschen, aber ich erledige stundenweise ein paar Arbeiten - und
wir sind an Opfer gewoehnt."

"Du sprichst von kleinen Arbeiten. Worum geht es dabei, was machst du,
Sasaki?".

"Ich spuele Geschirr in einer Gaststaette, Herr Direktor."

"Wahrscheinlich bekommst du wenig bezahlt."

"Es reicht zum Ueberleben, Herr Direktor."

"Was haelst du davon, in unserer Schule Privatunterricht zu erteilen?
Aber diesmal gegen Bezahlung. Ich kann dir É lass mich nachdenken É, ich
koennte dich fuer sechs Stunden jede Woche bezahlen," sagte ich ihm ein
Blaettchen reichend, worauf ich den Betrag bereits errechnet hatte.
Sasaki schaute aufmerksam das Papier an und sein Gesicht begann zu
strahlen.

"Was denken Sie, wann ich anfangen koennte, Herr Direktor?"

"Ab naechster Woche. Und wenn Abe im zweiten Studienjahr sein wird,
werde ich ihm das gleiche Angebot machen."

Sasaki erwies sich als gewissenhafter und faehiger Lehrer, so dass ich
ihm nach dem Doktorat eine feste Stelle als Lehrer in unserem Gymnasium
anbot. Wir wurden allmaehlich Freunde und dann erzaehlte ich ihm auch
die Geschichte von mir und Yukichi, den er auch kennenlernte.

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In der Zwischenzeit war Yukichi der erste Ordinarius fuer Vergleichende
Literaturwisschenschaft (der erste in Japan) an der Kaiserlichen
Universitaet in Tokio geworden. Wir hatten beide gute Gehaelter, so dass
wir bald das Haus neben unserem kauften, das wir abreissen liessen. So
konnten wir sowohl unser Haus vergroessern als auch den Garten
erweitern. Im Garten wollte ich einen Holzbrunnen in antikem Stil bauen
lassen und daneben eine Glyzinie pflanzen ... Es war meine Ueberraschung
und mein Geschenk fuer meinen Liebsten.

Nobuo, der wieder mit dem Lernen angefangen hatte, konnte jetzt
einwandfrei lesen und schreiben, ausserdem war er unser Sekretaer und
hielt unsere Papiere und Buecher in bester Ordnung. Dieser Junge war
wirklich ein grosser Gewinn fuer unseren Haushalt.

Aritada hatte einen jungen Amerikaner kennengelernt, der nach Tokio
gekommen war, um Japanisch zu lernen und sie hatten Freundschaft
geschlossen. Er hiess Bradford Wilson, aber er liess sich Biway rufen.
Er war ein guter Amateurbaseballspieler, sein Koerper war schlank, aber
muskuloes. Er hatte hellbraunes Haar, gruene Augen, ein breites, offenes
Laecheln und wie Yukichi sagte, 'entweder zu enge Hosen oder eine zu
reichliche Ausstattung', was deutlich zwischen seinen Beinen zu erkennen
war. Einen Abend hatten die beiden zusammen ziemlich getrunken und
Aritada versuchte, ihm die Hose aufzumachen. Biway hatte es ihm nicht
nur zugelassen sondern, zu Aritadas Glueck, mochte Biway auch
ausschliesslich Maenner, so hatte er es sich begeistert gefallen lassen.
Die ganze Nacht ueber liebten sie sich und wie es scheint, auf jede
erdenkliche Art.

Am naechsten Morgen wachten sie nackt nebeneinander auf und Aritada, der
von den Vorlieben des schoenen, jungen Amerikaners noch keine Ahnung
hatte und sein eigenes Verhalten auf den reichlichen Alkoholgenuss
zurueckfuehrte, bat ihn ganz verlegen um Entschuldigung. Aber Biway
brachte ihn mit einem innigen Kuss zum Schweigen und sie begannen
sogleich, sich wieder zu lieben. Das war der Beginn ihrer Beziehung.

Nach einigen Monaten sagte der junge Amerikaner: "Aritada, jetzt haben
wir uns ziemlich gut kennengelernt. Du gefaellst mir sehr, auch die Art
und Weise wie du Liebe machst. Wuerdest du mein fester Freund, mein
Liebster werden wollen?".

Aritada wartete auf nichts anderes. Aber, wie ueblich bei ihm, stellte
er eine Bedingung. Er wuerde sehr gerne sein Liebhaber werden, aber nur
wenn Biway bei ihm in Japan bliebe.

Biway war sofort einverstanden: "Aber dann", sagte er, " muss ich mir
hier eine Arbeit suchen. Meine Eltern werden sie mir keinen Cent mehr
schicken, wenn ich ihnen schreibe, dass ich nicht mehr nach Amerika
zurueckkehren werde."

Aritada, der mir all das erzaehlt hatte, war ganz aufgeregt. Er sagte
mir, sie seien dabei, eine gute Arbeit fuer Biway zu finden, damit er in
Japan bleiben koenne. Der junge Amerikaner wolle stolz und zu Recht fuer
seinen Lebensunterhalt selbst sorgen. Ich schlug Aritada vor, dass wir
eine Baseball-Mannschaft in unserem Gymnasium gruenden koennten und
Biway wuerde der Trainer werden. Baseball begann damals gerade sehr
bekannt in Japan zu werden. Aritadas Gesicht begann zu strahlen und er
bedankte sich bei mir. Er erzaehlte mir, dass er schon daran gedacht
habe, aber es schien ihm nicht gerecht, nur weil er der Schultraeger
war, dies fuer seine Privatinteressen zu nutzen. Aber da ich ihm diesen
Vorschlag gemacht hatte, wuerde er sich gewiss dem nicht
entgegenstellen.

Innerhalb kurzer Zeit wurde der amerikanische Trainer zum Vorbild der
Jungen. Mehr als ein Junge begann, sich nach 'Biway-Art' die Haare zu
kaemmen oder nachzuahmen, wie er ging. Und der junge Trainer musste auch
mehrere 'Angebote' einiger seiner Spieler ablehnen. Sicher war dieser
gut aussehende Amerikaner kein Vorbild der Treue. Von Zeit zu Zeit
erlaubte er sich ein kleines Abenteuer, aber klugerweise niemals mit
einem Jungen der Schule.

Einmal versuchte er es auch bei Yukichi, aber Yukichi und ich sind uns
immer unbedingt treu geblieben. Aritada wusste von den kleinen
Seitenspruengen seines neuen Liebhabers, aber er schloss die Augen vor
den gelegentlichen Bettgeschichten seines Mannes.

"Was wollen Sie, Direktor Fujita, vielleicht bin ich reifer geworden,
aber ich habe angefangen zu verstehen, dass es sich bei Treue um keine
koerperliche Angelegenheit handelt. Und ich weiss, dass mein Biway, mir
auf seine Weise wirklich treu ist. So lasse ich ihn gewaehren. Er ist
noch so jung, er wird ruhiger werden", sagte er mir eines Tages mit
seinem ueblichen, selbstbewussten Laecheln.

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CONTINUES IN BAND 10

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In my home page I've put some more of my stories. If someone wants to
read them, the URL is

http://andrejkoymasky.com

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stories into German, so that I can put on-line more of my  stories in
German please e-mail at

andrej@andrejkoymasky.com

(Sorry, I can't speak German... Andrej)

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