Date: Fri, 24 Dec 2010 11:35:44 +0100
From: Jens van Nimwegen
Subject: 'Selbstverschweinung #10'{Jens van Nimwegen}( MM bd exhib ws )[10!20]
Volksaufklärung
An einen sonnigen Sonntagmorgen fahre ich mit Rotz in der Rüdersdorfer
Straßenbahn. Drexau ist noch im Loch, das heute nach einer Pissnacht erst
am Nachmittag schließt.
Mit uns sind zwei Bauarbeiter mit Mountainbikes und Bierflaschen
eingestiegen. Sie tragen ärmellose Hemden und Zimmermannshosen, sehen stark
und männlich aus, sind aber wohl etwas schlicht im Kopf, nach ihrem
Gespräch zu urteilen. Außer uns ist niemand im Anhänger der
Straßenbahn. Sie schauen uns immer wieder an und reden über uns. Einer
spricht mich an, murmelt etwas von meinem Freund und dass er auch einen
habe. Dabei fasst er seinem Kumpel an die Schulter. Dann reden sie wieder
miteinander. Ja, heutzutage könnten so welche ja auch heiraten. Unklar, ob
sie Böses im Schilde führen.
Draußen zieht das triste sonntägliche Brandenburg an uns vorbei. Anzeige
und Ansage der Haltestellen funktionieren nicht.
Als ich die beiden frage, wo man aussteigen müsste um zum Kalksee zu
kommen, ist das Eis gebrochen. Sie wollen sich einfach mit uns
unterhalten. Sind neugierig, aber auch unsicher. Vielleicht haben sie sogar
Angst, dass wir etwas von ihnen wollen könnten, obwohl sie viel stärker
sind.
Wir reden freundlich miteinander, wie Mitglieder völlig fremder
Volksstämme. Nein, enttäusche ich sie nach einer Anspielung, wir beide sind
keine Arschficker. Nie gemacht, kein Interesse. Ratlosigkeit. Das passt
nicht in ihr Weltbild. "Ne kleine Demo gefällig?" Ich knie mich zwischen
Rotz' Beine, öffne seinen einzigen Hosenknopf und sauge. Erst sind sie
perplex, dann mutigen sie uns an, weiterzumachen. Wir müssten noch lange
nicht aussteigen, und hier wäre ja sonst nix los. Was ja auch stimmt. Rotz
fragt den einen: "Willste ooch mal wissen wie det is?" Er zaudert nicht
lange und geht ihm an die Hose. Der will erst abwehren, schlägt fast, sagt,
er wäre nicht schwul. Rotz sagt seelenruhig: "Det macht nix." Die Lage
entspannt sich, als ich dem anderen an die Hose gehe.
Das Bier und die durchzechte Nacht sorgen für Entspannung. Beziehungsweise
für zwei knallharte Bauarbeiterknüppel und wohliges Stöhnen. Da ruft der
eine: "Mensch, ihr müsst gleich raus." Der andere sagt: "Halt die Fresse,
Idiot."
Ich schlage vor, dass sie mit zum Kalksee kommen. Das wäre die Gelegenheit,
dass wir die Sache zu Ende führen. Der eine will, aber traut sich nicht,
der andere traut sich, ist aber nicht schwul. Was ja schon bekannt
ist. Schließlich steigen sie mit uns aus. Während wir zum See gehen,
quatschen sie die ganze Zeit drauflos, um sich gegenseitig Mut zu machen.
Um dem wirren Gespräch ein wenig Richtung zu geben, erkläre ich, dass so
geile Kerle wie sie, echte Männer, ob schwul oder nicht, keine Unterhosen
tragen sollten, damit man schnell ran kann. Ob sie denn so spießig wären,
dass sie sich doppelt und dreifach einpacken müssten? "Wir sind nicht
spießig." Na, dann sollen sie das mal beweisen. Als wir den Wald erreicht
haben sage ich: "Unterhosen aus und weg damit. Und dann machen wir uns
einen schönen Sonntagmorgen. Wir laden euch auch zum Essen ein."
Wir erreichen eine kleine, vom Weg kaum einsehbare Bucht mit Sandstrand und
beschließen, erst mal hier zu bleiben. Ich sage den beiden, dass sie einmal
hinschauen sollen wie natürlich und unumständlich es aussieht, wenn ein
Mann ohne Unterwäsche die Hose sacken lässt. Und siehe da: sie sind schon
halb steif.
Die beiden versichern sich gegenseitig, dass sie nicht schwul sind, aber
dass es doch schön wäre, wenn man keine Vorurteile hätte. In Berlin sei
eben alles möglich. Wir sind in Brandenburg, aber ich halte meinen Mund.
Rotz und ich saugen die beiden fachgerecht ab, lassen sie auf unsere
Stiefel abspritzen und polieren diese mit ihrer Sahne. "Mensch, seit ihr
pervers." Ich erkläre, dass das ersten noch immer eines der besten
Imprägnierungsmittel sei und dass wir zweiten so noch ein Andenken hätte an
zwei geile Kerle.
Sie holen Bierflaschen aus einem Rucksack. Rotz und ich wollen kein
Bier. Wir liegen lieber im Sand und streicheln uns. Nein, die beiden können
sich nicht vorstellen, von einem Mann gestreichelt zu werden. Ob wir ihnen
denn wenigstens die Eier lecken dürften? Die was?? Ob das denn nicht eklig
wäre? Na ja, wir wären ja sowieso pervers. Also wenn wir unbedingt wollten.
Wir bekommen Hunger. Das warme Herbstwetter ist zu schön; niemand will
aufbrechen. Ich geben dem einen Bauarbeiter Geld und bitte ihn, mit seinem
Fahrrad zur Woltersdorfer Schleuse zu fahren und Würste, Pommes und mehr
Bier mitzubringen. Der fragt seinen Kumpel, ob er ihn denn mit uns beiden
allein lassen könne. Kein Problem.
Als der Hinterbliebene mit hinter dem Kopf verschränkten Armen in der Sonne
liegt, machen Rotz und ich uns über seine Achselhöhlen her. Er erschrickt,
lässt es aber geschehen. Und sein Schwanz richtet sich wieder auf.
Ich rede mit Rotz darüber, wie schön doch so eine Achselhöhle von einem
Kerl ist. Vor allem, wenn er sich lange nicht gewaschen, aber keine
stinkende Kleidung getragen hat. Wir sind uns einig, dass Trägerhemden das
beste Kleidungsstück für Männer sind. Die Luft kann ran und man selbst
auch. Lufttrockener Männerschweiß - geil! Aber vor Männern mit Pullovern
und Synthetikhemden muss man sich hüten.
Unser Bauarbeiter sagt noch mal: "Mensch, seid ihr pervers!" Aber er lässt
es gern geschehen.
Der andere kommt zurück, und wir machen uns über das Essen her. Einer
schlabbert sich Senf auf die Brust. Rotz leckt den Flecken sofort weg und
kümmert sich dabei auch um die danebenliegende Brustwarze. Und schon wieder
regt sich ein Bauarbeiterschwanz.
Brandenburg kann ziemlich öde sein, aber unerwartet haben wir doch ganz
nette Gesellschaft gefunden und einen kleinen Beitrag zur Volksaufklärung
leisen können.
Am Nachmittag wird es kühler. Wir trennen uns, und jeder geht nach Hause.
So vergeht der Herbst.
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Dieses Kapitel ist nur kurz, weil im nächsten etwas Neues anfängt.
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Jens van Nimwegen