Date: Thu, 22 Jul 2010 10:53:12 +0200
From: Jens van Nimwegen
Subject: 'Selbstverschweinung #4'{Jens van Nimwegen}( MM bd exhib ws )[4!9]
Angefangen hatte es also damals mit diesen Ausflügen im Ruhrgebiet,
halbnackt, in Gummistiefeln allen Blicken ausgesetzt. Eines Tages war ich
sicher, dass ich immer als Schwein leben wollte, ohne Rückweg ins
Bürgerliche. Immer nackt, oder jedenfalls nackter als üblich. Im Besitz nur
weniger Kleidungsstücke, alle so ausgesucht, dass sie meine perverse
Geilheit erregen und jedem zeigen, was ich bin. Ketten und Ringe, die mich
immer meinen Schweinekörper fühlen lassen. Mein Hirn immer, ununterbrochen,
eine Einheit mit meinem Schwanz. Und das zusammen mit anderen Schweinen und
solchen, die eines werden wollen oder sollen. Wie Rotz, der Punker. Wie
Drexau.
Also erst mal alles verkaufen bis auf die paar Schweineklamotten. Einen
perversen Roman schreiben, der monatlich etwas Geld einbringt. Sich
herumtreiben in Berlin, die richtigen Leute kennenlernen. Ein meiner Art
angemessenes Unterkommen suchen.
Alles ging ganz leicht, als ich in einer Kneipe mit dem Professor ins
Gespräch kam. Er fand interessant, dass ich mit nicht mehr auf der Haut als
Gummistiefeln und einer schlabberigen, ungefütterten Militärturnhose
herinkam, und fragte mich aus. Er ist ein wirklicher Philosophieprofessor,
beschäftigt sich aber auch praktisch mit Grenzgebieten des Lebens. So
besitzt er eine Lederkneipe, einen sehr teuren Edelpuff mit Restaurant und
einen Internetserver mit Pornograhie. Alles im Rahmen der Gesetze, aber
alles ziemlich krass.
Er ist Eigentümer eines alten Fabrikskomplexes in Kreuzberg mit
verschachtelten Hinterhöfen. Reizvoll sind die beiden Eingänge. Einer liegt
an einer besseren Straße. Von dort aus erreicht man die Lederkneipe und
über einen Hinterhof, auf dem man parken kann, das perverse Luxusrestaurant
mit Puff. Es wird gern von reichen Ausländern besucht. In diesem Komplex
wurde mein Stall eingerichtet, aber so, dass er nur vom rückseitigen Zugang
erreichbar ist. Ich kann Männer mitbringen und Besuch empfangen, aber der
Eingang zu mir ist sehr weit vom anderen Eingang entfernt: an der einen
Seite des Blockes versperrt der Bahndamm den Weg, an der anderen muss man
um ein Firmengelände herumlaufen. Die beiden Zugänge liegen also in
verschiedenen Welten. Aber mein Stall grenzt an den Darkroom der Kneipe und
an einen exklusiven Speiseraum des Resuaurants. In beiden Wänden sind
halbdurchlässige Spiegel. In meinem Stall weiß man nie, wer einen
beobachtet. Und man kann sich nicht verstecken, auch nicht beim Scheißen
und Wixen. Dieser Gedanke des Professors machte mich sofort geil, und der
entsprechende Umbau war nach ein paar Wochen fertig.
Wer weiß, welche Luxustucken oder Ölscheichs an weiß gedeckten Tischen
Austern geschlürft haben, während ich gestern mit Rotz und Drexau rumsaute
und wir uns einpissten? Oder während ich mich neulich vor dem Ausgehen
vollspritzte? Ich will es nicht wissen, aber ich höre gern, dass auf diese
Weise auch noch Geld reinkommt. Vor allem hoffe ich, dass somehr Männer
sich trauen als Schweine zu leben.
In meinem Stall hängen auch überall Kameras. Die Bilder werden verkauft. Je
nachdem, wie viel man zahlt, bekommt man gespeicherte Aufnahmen von
allerlei Situationen zu sehen, oder man kann live zuschauen. Wer sehr viel
zahlt, darf von seinem PC irgendwo auf der Welt aus die Kamera unter der
Decke steuern. Wir finden es geil, wenn sie sich herumdreht und
einzoomt. Aber wir schauspielern nicht. Der Professor verlangt das auch
nicht. Wir dürfen wir selbst sein und machen, was wir wollen, notfalls gar
nichts. Meistens denken wir gar nicht an die Kameras und Wände.
Das Wissen, dass viele Perverse meine Schweinefresse kennen und wissen, wie
ich lebe, lässt mein Adrenalin kreisen. Wer, weiß, welcher Blick auf der
Straße oder im Tiergarten ein Kennerblick ist?
Nach einem Besuch im Restaurant hat ein Freund des Professors sein
Lustobjekt Drexau für einen Sommer hergeschickt. Er hält sich Drexau in
seinem Ferienhaus, findet aber bei ihm trotz aller Versautheit noch Reste
von Scham. Er selbst konnte ihn nicht weiter abrichten, und als er für drei
Monate nach Amerika musste, hat er Drexau nach Berlin geschickt, nur in
Gummistiefeln, Gummishorts, dem Shirt "living in piss", mit einer
Dauerkarte für die S-Bahn und seinen Personalausweis. Kein Geld. Auf meinen
Vorschlag hin sind Fahrkarte und Ausweis hinter durchsichtigem Gummi innen
in der Gummihose befestigt, über der Schwanzwurzel. Drexau muss bei einer
Kontrolle die ohnehin kurze Hose umklappen.
Drexau soll von mir lernen. In der Öffentlichkeit müssen die letzten Reste
von Scham abtrainiert werden. Er hat außerdem den Auftrag, sich wie auch
immer Geld zu verdienen, damit ganz groß MANIMAL quer über seinen Rücken
tätowiert wird.
Warum MANIMAL bei mir nur im Nacken steht und nicht groß auf den Schultern?
Weil ich noch nach dem Entwurf für eine Ganzkörpertätowierung suche.
Auf einem Bild von Bastille hat ein Schwein eine Schlange auf dem
Unterleib. Wenn das Schwein eine kurze Hose trägt, ist ein Stück sichtbar,
das sich um sein rechtes Bein schlingt. Wenn es eine Hose, aber kein Hemd
trägt, sieht man ein Stück um den Bauchnabel. Je knapper die Bekleidung
ist, desto deutlicher wird, dass der Kopf der Schlange die Eichel des
Schweines ist. Je mehr man sieht, desto mehr ahnt man, wie obszön das
Tattoo ist. So etwas will ich auch, aber dann bis zum Hals. Auch im Winter
soll etwas aus dem Kragen der Lederjacke ragen und neugierig machen. Bei
offener Jacke soll es vielversprechend auf der Brust sichtbar sein. So
ähnlich wie bei Logan, bei dem die Ausläufer sogar bis auf die Stirn ragen
und sich nicht ganz von seinen Haaren bedecken lassen. Wenn man Logan im
Anzug sieht, fällt erst beim zweiten Blick auf, dass sein Schädel tätowiert
sein muss, und man fragt sich, wo es aufhört. Was ich brauche, soll genau
so schön sein und den ganzen Körper umschlingen und hervorheben wie bei
Logan, aber verdorbener.
Und wenn ich mal zum Arzt muss oder ins Krankenhaus? Na, dann sollen die
entweder glotzen oder geilen.
Aber noch ist es nicht so weit. Nur im Nacken steht MANIMAL.
---------------------------------------
Dies war die Exposition. Es geht weiter mit mehr SM.
Der Autor hat keine Ahnung, wer dies liest und wie es gefällt. Der Autor
ist dankbar für jede Form der Rückmeldung oder Anregung. Kontakt:
http://verschweinung.manimal.eu/blog
Hier sind auch Bilder zur Erläuterung zu sehen; es gibt ein
Diskussionsforum, den erwähnten Roman und vieles mehr.
Jens van Nimwegen